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Deutschland

Varnhagen: "Arbeitsbedingungen sind besser"

Die Zentrale für Auslands- und Fachvermittlung bringt Arbeitssuchende aus aller Welt mit deutschen Firmen zusammen. Groß ist der Bedarf besonders in der Pflegebranche, sagt Leiterin Monika Varnhagen.

DW: Für welche Stellen bieten sich jetzt gute Chancen für Zuwanderer ?

Monika Varnhagen: Wir suchen ganz gezielt nach jungen Leuten, aber auch nach Erfahrenen, die Abschlüsse gemacht haben oder berufstätig waren im Bereich Technik, IT-Technik, Elektrotechnik, Maschinenbau. Vom Hochschulabsolventen angefangen bis hin zur Fachkraft. Wir haben einen dringenden Bedarf in Gesundheits- und Pflegeberufen in Deutschland. Auch da gibt es in Südeuropa arbeitslose, qualifizierte Fachkräfte. Und wir haben einen großen Bedarf im Bereich der Hotellerie und der Gastronomie.

Laut Statistik kündigt rund ein Drittel der Menschen, die einen Job in Deutschland erhalten haben, diese Arbeitsstelle wieder. Wissen Sie mehr über die Gründe?

Natürlich passiert es, dass ein junger Mensch, wenn er zwei oder drei Monate in Deutschland war, in seinem Betrieb gearbeitet hat, dann feststellt, das Heimweh ist zu groß. Die Arbeit ist anders, das Umfeld ist anders, das Wetter ist weitaus schlechter, als man es zuhause vorfindet. Dann entscheidet man sich auch, wieder zurückzugehen. Auch diese Fälle haben wir. Also nicht alle bleiben dann auch hier in Deutschland. Aber der überwiegende Teil schon.

Es gibt etliche Kritiker, die deutschen Unternehmen vorwerfen, die Notlage in Südeuropa mit Jobs zu Dumpinglöhnen auszunutzen. Wie steht die ZAV dazu?

Wir wollen nicht einen Verdrängungswettbewerb in der Richtung, wir holen jetzt billigere Fachkräfte nach Deutschland und deutsche Fachkräfte werden arbeitslos. Das wollen wir nicht. Sondern wir wollen, dass diejenigen, die nach Deutschland kommen, haargenau die gleichen Bedingungen haben. Wenn wir als Deutschland insgesamt attraktiv sein und bleiben wollen für Menschen aus Europa oder aus anderen Ländern, dann müssen wir die Bedingungen für die Arbeit so gestalten, dass sie, die Zuwanderer, nicht diskriminiert werden in Deutschland.

Die ZAV kooperiert im EURES-Netzwerk mit Beratern der Arbeitsagenturen in den europäischen Ländern. Die ZAV ist aber auch schon direkt vor Ort, um nach Arbeitskräften zu suchen. Können Sie ein erfolgreiches Beispiel nennen?

In Griechenland haben wir versucht, Ärzte zu finden. Wir sind gemeinsam auch mit Mitarbeitern aus dem Arbeitsministerium in Nordrhein-Westfalen, aber auch mit Chefs aus Kliniken nach Griechenland gefahren und haben dort bei einer Jobbörse versucht, die entsprechenden Ärzte auch zu finden. Also das ist so ein Beispiel, wo man sagen kann, wir gehen so etwas in Kooperation an.

Die Krise in vielen südeuropäischen Ländern treibt viele Zuwanderer dazu, selbst die Initiative zu ergreifen. Kommen die Menschen dann einfach spontan nach Deutschland?

Wir erleben das. Wir haben ein Team in Berlin, den Internationalen Personalservice, und dieses Team hat dann durchaus häufiger die Situation, dass Europäer mit Familie mit gepackten Koffern dastehen und sagen: So, da sind wir. Wir haben gehört in Deutschland gibt es Beschäftigungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Jetzt helft uns mal.

Was wäre Ihr Ratschlag?

Einen Koffer packen und nach Deutschland reisen, das würde ich jetzt einem Portugiesen, einem Griechen oder Spanier nicht raten. Ich würde immer dazu raten, zuerst den Weg der Information in den Heimatländern zu gehen. Das können sie jeweils bei ihren Arbeitsverwaltungen. Dort gibt es auch Experten für den deutschen Arbeitsmarkt. Die können dann wiederum den Kontakt zu uns herstellen. Und dann klärt sich alles Weitere auch sehr strukturiert.

Sie versuchen also vieles im Vorfeld zu klären, um Enttäuschungen zu vermeiden. Inwieweit spielen denn die deutschen Unternehmer mit ihren Suchprofilen und den häufig sehr hohen Erwartungen an ausländische Jobbewerber mit?

Wir stellen immer wieder im konkreten Fall fest, dass der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin, die gesucht wird, möglichst zu hundert Prozent dieses Profil erfüllen soll, was gesucht wird. Wir beraten Arbeitgeber dahin, sich zu überlegen, wo sie am ehesten Kompromisse machen können. Wenn es nicht der oder die hundert Prozent Passende ist, kann man nicht auch mit achtzigprozentiger Passgenauigkeit zufrieden sein? Man könnte doch sagen: Die restlichen zwanzig Prozent werden wir innerhalb des nächsten halben Jahres dann noch mit draufpacken, sodass es geht und passt.

Bevor die ZAV zwischen Zuwanderern und Arbeitgebern in Deutschland vermitteln kann, müssen etliche gesetzliche Bestimmungen erfüllt sein. Diese werden als sehr restriktiv empfunden. Was hat sich zur Entspannung der Lage getan?

Die Rahmenbedingungen für Zuwanderer sind besser geworden und sie werden weiter vereinfacht werden. Wir werden ab 1. Juli dieses Jahres eine Veränderung der Beschäftigungsverordnung bekommen. Die wird für Fachkräfte zusätzliche Erleichterungen bringen. Vor allem für die Berufe, für die es in Deutschland einen Mangel gibt.

In welchen Regionen in Deutschland gibt es besonders viele gute Arbeit für Zuwanderungswillige?

Alle wollen nach Berlin und irgendwo im Umfeld von Berlin Beschäftigung finden. Berlin ist aber nicht die Region, in der wir einen großen Jobmangel haben. Berlin hat sicherlich immer eine Möglichkeit in der Hotellerie, in der Gastronomie, aber in anderen Feldern nicht. Insofern ist es wichtig, zu wissen, dass die Arbeitsplätze, die wir in Deutschland haben, sehr häufig in eher ländlichen Regionen zu finden sind. Also Baden-Württemberg hat eine hoch entwickelte Industrie, einen hoch entwickelten Mittelstand mit einem riesigen Bedarf an Fachkräften. Insofern beziehen wir immer auch diese Aspekte mit in die Beratung ein, dass die Menschen einfach wissen müssen, dass sie nicht in einer pulsierenden Großstadt unter Umständen arbeiten werden, sondern in einer ländlichen, sehr reizvollen Gegend bei sehr interessanten Arbeitgebern.

Monika Varnhagen ist seit 2004 Direktorin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit und kennt die Probleme der Jobvermittlung aus der Praxis als ehemalige Berufsberaterin und als Leiterin mehrerer Arbeitsämter von Boom- wie Krisenregionen.

Das Interview führte Wolfgang Dick.

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