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Aktuell Europa

Valls kritisiert Rassismus in Frankreich

In der Debatte über mögliche Ursachen des islamistischen Terrorismus spricht der französische Premierminister harte Worte. Es gebe eine "territoriale, soziale und ethnische Apartheid" im Land, so Valls.

Die Anschläge von Paris haben nach Ansicht von Premierminister Manuel Valls gezeigt, dass es viele Probleme und Herausforderungen in der französischen Gesellschaft gibt. Mit Blick auf die überwiegend durch Einwanderung geprägte Bevölkerung in den Vorstädten Frankreichs sagte der Regierungschef, "seit zu langer Zeit bauen sich Spannungen auf". Valls sprach von einem "Abstieg am Stadtrand", von "Ghettos" und einer "Apartheid" in Frankreich.

Falsche Hautfarbe, falscher Familienname

Der Premier kritisierte, die täglichen Diskriminierungen häuften sich, weil man nicht den richtigen Familiennamen, die richtige Hautfarbe habe oder weil man eine Frau sei. "Wir müssen diese Realität in unserem Land sehen", so Valls. Die Menschen hätten Angst vor Arbeitslosigkeit, Eltern fürchteten um die Zukunft ihrer Kinder und sorgten sich um steigende Lebenshaltungskosten.

Valls sagte, diese Probleme seien schon lange bekannt, und erinnerte an die Vorstadt-Krawalle im Jahr 2005. "Danach wird es vergessen", sagte der Regierungschef. Er forderte, man müsse gegen das "fürchterliche Gefühl" angehen, Bürger zweiter Klasse zu sein. Um wieder eine Bürgerschaft aufzubauen, sei der Kampf gegen Ungleichheit von zentraler Bedeutung, so Valls.

Problem-Vorstädte in der Diskussion

Er rief dazu auf, den "Geist des 11. Januar" - das Gemeinschaftsgefühl bei der Kundgebung von Millionen Franzosen für die Meinungsfreiheit – zu bewahren, um Reformen für mehr Gleichheit voranzutreiben. Der Slogan "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie) nach den Anschlägen in Paris sei eine Hommage an die Opfer gewesen, die alle Franzosen zusammen geführt habe. Dies dürfe aber nicht die einzige Botschaft sein, die Frankreich in die Welt sende, sagte Valls und forderte die Franzosen auf, für Frieden, Respekt und den Dialog mit den Religionen einzustehen.

Straßenszene in der Pariser Vorstadt Sarcelles

Die Pariser Vorstadt Sarcelles: in den Randgebieten der französischen Hauptstadt herrscht hohe Arbeitslosigkeit.

Seit der islamistischen Anschlagsserie vor rund zwei Wochen wird in Frankreich verstärkt darüber diskutiert, ob die Vorstädte mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit und ihrem schlechten Bildungsniveau einen Nährboden für islamistisches Gedankengut bilden. Die Regierung will unter anderem durch eine bessere Schulpolitik gegensteuern.

Staatsbürgerschaft für den "Helden von Paris"

Am Abend soll der als "Held von Paris" gefeierte Supermarkt-Angestellte Lassana Bathily die französische Staatsbürgerschaft erhalten. Der 24-Jährige hatte mehrere Kunden des koscheren Supermarktes versteckt, in dem der Terrorist Amedy Coulibaly bei einer Geiselnahme vier Menschen tötete. Bathily war in dem Markt angestellt. Er selbst kam 2006 als Flüchtling aus seiner Heimat Mali nach Frankreich.

Lassana Bathily (Foto: AFP)

"Held von Paris": Lassana Bathily soll Franzose werden

Sein beherztes Eingreifen hat dem Flüchtling viel Anerkennung eingebracht. Frankreichs Präsident François Hollande empfing ihn genauso wie der Staatschef seiner Heimat Mali, Ibrahim Keïta, oder US-Außenminister John Kerry. Verliehen wird ihm die Staatsbürgerschaft vom französischen Innenminister Bernard Cazeneuve.

Mehrere Terror-Verdächtige festgesetzt

Vier mögliche Unterstützer der Terroranschläge wurden unterdessen in Paris in Untersuchungshaft genommen. Die Männer im Alter zwischen 22 und 28 Jahren gehören zu einer Gruppe, die den Terroristen Coulibaly unter anderem mit Waffen und Fahrzeugen unterstützt haben soll. Außerdem soll ein in Bulgarien festgehaltener Freund eines "Charlie-Hebdo"-Attentäters nach Frankreich ausgeliefert werden. Gegen den 29-jährigen, aus Haiti stammenden Franzose liege ein europäischer Haftbefehl wegen Terrorverdachts vor, berichteten bulgarische Medien.

cw/fab (afp, kna, dpa)