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Aktuell Welt

"Völkermord"-Erklärung zu Hereros in Namibia bis 2017 geplant

Berlin will endlich nachziehen: Die Verbrechen des Deutschen Reiches an den Hereros in Namibia sollen bald als Völkermord benannt und verurteilt werden. Das nimmt auch der Türkei den Wind aus den Segeln.

Friedhof der Stadt Okahandja im Westen Namibias, wo Führer der Herero- und Nana Stämme liegen (Archivbild: dpa)

Friedhof der Stadt Okahandja im Westen Namibias, wo Führer der Herero- und Nana Stämme liegen (Archivbild)

Recep Tayyip Erdogan schnaubte: Als der Deutsche Bundestag den Völkermord an den Armeniern durch die Türkei als solchen benannt hatte, schoss der türkische Präsident verbal zurück. Berlin solle erst einmal über die eigenen Verbrechen an den Hereros im heutigen Namibia Rechenschaft ablegen, so

Erdogan vor einer Woche

.

Die Bundesregierung arbeitet offenbar mit Hochdruck daran, das Versäumnis auszubügeln. Noch vor der Wahl im kommenden Jahr solle eine "Völkermord"-Erklärung zum Massaker im damaligen Deutsch-Südwestafrika kommen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Nicht nur die Regierungen, auch die Parlamente beider Länder sollten diese verabschieden. Der Verhandlungsprozess sei "ziemlich weit fortgeschritten", gestalte sich allerdings schwierig, da die namibische Regierung dem

Druck von Opfervertretern

ausgesetzt sei.

Erster Völkermord des 20. Jahrhunderts

Bundestagspräsident Norbert Lammert hatte am Sonntag im Zweiten Deutschen Fernsehen erklärt, er finde es "bedauerlich und im Kontext der jüngeren Auseinandersetzungen auch ein bisschen peinlich", dass es bisher keine "unmissverständliche" Erklärung von deutscher Seite gebe.

Wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg hatten Truppen des Kaiserreichs in der deutschen Kolonie zehntausende Herero und Angehörige der Nama ermordet. Als die Herero 1904 gegen Landraub und Willkürherrschaft aufgestanden waren, hatte General Lothar von Trotha die Vernichtung des Stammes angeordnet. Dies gilt als Befehl zum ersten Völkermord des zwanzigsten Jahrhunderts.

Nach Schätzungen fielen 80 Prozent der Herero und etwa die Hälfte der Nama den deutschen Massakern zum Opfer. Viele starben auch in - bereits seinerzeit so genannten - Konzentrationslagern. Insgesamt kostete der Völkermord rund 90.000 Menschen das Leben.

jj/sti (dpa, afp, epd)