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Vöglein, Vöglein, lass dich malen

Als der Berliner Künstler Hendrik Jonas vor fünf Jahren seinen ersten Vogel malte, ahnte er nicht, dass diese kleinen gefiederten Wesen eine große Rolle bei seiner Arbeit bekommen würden.

Sie sind schon seit einigen Jahren dabei, Vögel zu malen, wie fing das alles an?

Für einen Freund habe ich einen Schlüsselanhänger machen wollen, und als Motiv ist mir ein Vogel eingefallen. Ich war so begeistert von dem Resultat, dass ich gleich noch einen gemalt habe. Seitdem bin ich diesem Motiv ein bisschen treu geblieben.

Was gefällt Ihnen denn so an Vögeln, dass Sie immer wieder zu ihnen zurückkehren?

Erstens hat es mit dem Motiv zu tun, mit dem Objekt. Die Feder und die Körperlichkeit des Vogels ist etwas, was sich langsam entwickelt hat. Wenn ich mir beispielsweise die ersten Vögel anschaue, die ich gemalt habe, sie sehen aus wie dicke Hühner, wie Comic-Vögel. Ich bin schon besser geworden, was nicht nur mit der Qualität der Malerei zu tun hat, sondern mit dem Kennenlernen des Objekts.

Die Flauschigkeit der Feder, der wache Blick sind Sachen, die ich erst zu einem späteren Zeitpunkt greifbar machen konnte. Und dann gibt es so viele verschiedene Vögel, die von ihrer Art total faszinierend sind. Die Rotkehlchen, die so bunt sind, oder Eisvögel oder auch die Unbunten: die schwarz-weißen Sumpfmeisen oder die farblosen Zilpzalpe finde ich alle reizvoll.

Gerade, weil es so viele von ihnen gibt, wie suchen Sie diejenigen aus, die Sie gerne malen wollen?

Ich sollte vorweg sagen, dass ich sie von Fotos abmale, nicht von der Natur. Das könnte ich nicht gut, denn sie halten nicht still und sind zu weit weg. Dafür sind meine Augen nicht gut genug. Also, ich suche sie mir im Internet zusammen. Oft ist es so, dass, wenn ich ein Bild finde, es stark vergrößern muss, damit ich auch die Federn sehe.

Deutschland Künstler Hendrik Jonas in Berlin

Künstler Hendrik Jonas malt seit fünf Jahren Vögel

Würden Sie sich als Vogelliebhaber beschreiben?

(lacht) Nein, das würde ich nicht so sagen. Ich habe keine besondere Affinität zu diesen Lebewesen. Ich schaue sie mir gerne an, aber tatsächlich ist es so, dass ich mir sofort, wenn ich sie in der Natur sehe, vorstelle, ich würde sie malen. Aber es ist nicht so, dass ich sie besonders niedlich finde oder faszinierender als Hunde oder Katzen, die ich auch schon gemalt habe.

Aber trotzdem bleiben Sie dabei?

Ich glaube, was mir besonders gut gefällt, ist, dass man die Vögel gut darstellen kann, quasi ohne Hintergrund. Das heißt, dass man sie ganz konzentriert zeigen kann. Hunde oder Katzen sind alle mit der Erde verbunden, während ein Vogel auf einem dünnen Ästchen steht und von Luft umgeben ist. Das ist auch ein Merkmal meiner Bilder, dass man dieses Objekt hat und ohne Hintergrund auskommt.

Und es scheint so, als würden Ihre Bilder gut ankommen. Oder?

Ja. Ich bin Illustrator, das heißt, ich habe oft Jobs, die überhaupt nichts mit Vögeln zu tun haben. Wenn mir aber zwischen zwei Aufträgen gar nichts einfällt bzw. ich Lust habe, einen Vogel zu malen, ist er nie lange in meinem Atelier. Die kommen gut an und verkaufen sich gut. Auf Ausstellungen oder auch, wenn mich Freunde besuchen kommen.

Ein Vogel auf orangen Hintergrund

In der Regel braucht er wenige Tage, um so einen Vogel zu malen

Sehen Sie Vögel jetzt anders, als zu der Zeit, als Sie angefangen haben?

Ich glaube, ja. Erstens, weil ich sie so oft male und mich viel mit ihrer Gestalt beschäftige. Aber ich finde es erstaunlich, wie selten man sie überhaupt sieht. Man hört sie den ganzen Tag in der Stadt, aber sie dann tatsächlich zu finden, ist relativ schwierig. Aber, wenn ich sie mal entdecke, sehe ich sie mir schon gerne an.

Sie haben früher als anatomischer Illustrator gearbeitet – hat das dabei geholfen, die Vögel so genau malen zu können?

Ganz bestimmt. Das war mein erster Illustrationsjob überhaupt. Es war wirklich, wie im letzten oder sogar vorletzten Jahrhundert: Ich saß da mit Wasserfarbe und habe naturalistisch anatomische Illustrationen – Knochen, Muskeln – gemalt. Sehr, sehr exakt musste ich da arbeiten. Bei dieser Arbeit habe ich mehr über Malerei gelernt, als während meines gesamten Studiums. Ganz bestimmt profitieren meine Vögel auch von dieser Arbeit.

Wie lange brauchen Sie, um einen Vogel zu malen?

Schon zwei, drei Tage mindestens. Bei den Großen sitze ich länger – bis zu 10 Tage. Manchmal auch, weil ich mit dem Resultat unzufrieden bin. Bei dem Hausrotschwanz, meinem letzten Bild, war es so, dass ich mich tagelang habe über das Resultat geärgert. Von der Form war es nichts, von der Farbgebung nichts. Das war frustrierend. Inzwischen weiß ich: Wenn ich dranbleibe, kriege ich ihn auch irgendwann. Und das ist auch sehr befriedigend.

Ein brauner Vogel auf grauem Hintergrund

Mit dem Augenlicht erweckt er seine Vögel zum Leben

Was ich ganz zum Schluss mache, ist, dieses Augenlicht zu setzen. Der Vogel erwacht dann immer zum Leben, das finde ich ganz faszinierend. Vorher ist es so ein Bild, was vor mir liegt, und dann setze ich dieses Augenlicht. Manchmal, wenn mir der Vogel wirklich gelungen ist, meine ich fast: Jetzt schaut er mich an. Das ist ein schöner Moment.

Mehr über den Künstler und Illustrator,

Hendrik Jonas

, finden Sie hier.

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