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Václav Havel - Vom Taxifahrer zum Staatspräsidenten

Václav Havel war letzter Präsident der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik und erster Präsident der Tschechischen Republik. Havel war der Verfasser der "Charta 77".

Václav Havel ist erster Träger des Internationalen Demokratiepreises Bonn

Václav Havel ist erster Träger des Internationalen Demokratiepreises Bonn

Václav Havel erfuhr schon sehr früh, was es heißt, in einem kommunistischen Land zu leben. Er war noch keine 12 Jahre alt, als seine Familie in Prag enteignet wurde. Als seine Schulpflicht zu Ende war, durfte er keine weiterführende Schule besuchen. So arbeitet er schon mit 15 als Assistent in einem Chemielabor. Den Besuch finanzierte er sich als Taxifahrer.

Mit 20 begann Havel, Artikel für Literatur- und Theaterzeitschriften in der damaligen Tschechoslowakei zu schreiben. Er arbeitete als Bühnentechniker in zwei kleinen Prager Theatern. Dort wurden auch seine ersten Theaterstücke aufgeführt. Berühmte Theaterstücke aus dieser Zeit sind etwa "Das Memorandum" (1965) oder "Erschwerte Möglichkeit der Konzentration" (1968). Havel erregte erstmals politisches Aufsehen, als er 1967 die Kommunistische Partei öffentlich kritisierte.

Prager Frühling und Charta 77

In dieser Zeit gab es im Land weitreichende Demokratisierungsmaßnahmen, die Einführung der Rede-, der Versammlungs-, der Presse- und der Glaubensfreiheit wurde von weitreichenden Wirtschaftsreformen begleitet. Der "Prager Frühling" löste in Moskau großes Entsetzen aus. Die antikommunistischen Bestrebungen in der Tschechoslowakei wurden mit militärischer Gewalt beendet. Am 20. und 21. August 1968 marschierten Truppen der Sowjetunion, der DDR, Polens, Ungarns und Bulgariens in der Tschechoslowakei ein.

In der Zeit danach, der sogenannten "Normalisierung", wurde Václav Havel dreimal verhaftet und fünf Jahre inhaftiert. 1977 erschien die berühmte "Charta 77". Havel war einer der ersten Unterzeichner der Petition gegen die Menschenrechtsverletzungen des kommunistischen Regimes.

Die Charta 77 unterschrieben am Anfang 242 Menschen. Bereits im Sommer 1977 war die Zahl der Unterzeichner auf 600 angewachsen. Insgesamt wurden es bis zum Ende des Kommunismus fast 1900. Auf diese Weise wurde die Charta 77 zur Plattform für die Menschenrechtsbewegung in der Tschechoslowakei.

Havel wird Präsident

Havel war eine der zentralen Persönlichkeiten der "Samtenen Revolution". Er war der führende Vertreter des Bürgerforums und führte sein Land zu freien Wahlen am 5. Juli 1990. Er wurde letzter Präsident der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik und erster Präsident der Tschechischen Republik. In seiner Amtszeit trat Havel, im Dialog mit der Bundesrepublik Deutschland, für eine Versöhnung beider Länder ein und begann mit einer "Politik der offenen Hand" die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in beiden Ländern.

Der Mensch und Politiker Václav Havel

Havel ist ein Mensch, der von panischen Selbstzweifeln geplagt wird. So erfährt man in der 2007 erschienen Biographie von Lothar Struck, dass jede noch so an den Haaren herbeigezogene Formulierung, die in der Öffentlichkeit gegen Havel vorgebracht wurde, "ihn, wenn nicht in Depression, so doch in selbstmitleidige Grübeleien stürzte."

Sein Verständnis von Politik und einer kontinuierlichen Entwicklung politischer und gesellschaftlicher Arbeit ist emphatisch, stellt Herbert Dewes in einem Artikel für das Online-Literaturmagazin Glanz und Elend fest. Havels Widerwillen gegen das "graue, alltägliche Administrieren" ist elementar – nicht zuletzt deswegen, weil sich Politik dann immer mehr vom Bürger entfernt und zu antidemokratischen und antiparlamentarischen Affekten führt.

Auszeichnungen

1991 wurde Havel mit dem internationalen Karlspreis "in Würdigung seines Einsatzes für den Geist der Freiheit und die Verwirklichung des Friedens in seinem Land und in ganz Europa" geehrt. 1998 erhielt Havel den Westfälischen Friedenspreis. 2002 wurde er für sein literarisches Lebenswerk mit dem Hans-Sahl-Preis ausgezeichnet. 2004 bekam er die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung in den USA. Havel wurde mehrere Male für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Am Freitag (24.04.2009) erhielt Havel den Internationalen Demokratiepreis in Bonn.

Autor: Sascha Baron

Redaktion: Dеnnis Stutе

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