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Afrika

Uwimana: "Straffreiheit begünstigt Korruption"

In vielen Ländern Afrikas müssen laut globalem Korruptionsbarometer Menschen für Schulen und Wasser Bestechungsgeld zahlen. Doch man kann sich wehren, sagt Chantal Uwimana von Transparency International im DW-Interview.

Deutsche Welle: Frau Uwimana, Sie haben für das globale Korruptionsbarometer 114.000 Menschen in 107 Ländern befragt. Welches Ergebnis hat sie am meisten erstaunt?

Wir haben festgestellt, dass ein Viertel der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten Bestechungsgeld bezahlen musste. Sie taten das, um Leistungen zu erhalten, die eigentlich kostenlos sind. Das ist besorgniserregend, denn diejenigen, die das Bestechungsgeld verlangen, kommen meistens ohne Strafe davon. Wenn sie angemessen bestraft werden würden, gäbe es weniger Bestechung. Wir haben aber auch gemerkt, dass immer mehr Bürger bereit sind, sich gegen Korruption aufzulehnen. Die Menschen haben verstanden, dass nicht nur die Regierungen etwas gegen Korruption tun müssen, sondern dass sie selber etwas tun können.

Was ergaben die Befragungen in Afrika?

In Afrika haben wir Umfragen in 20 Ländern durchgeführt. Die meisten Befragten berichteten, dass sie für alltägliche Dienstleistungen bezahlen müssen. In Ländern, in denen diese Form der Korruption weniger vorkommt, nehmen die Menschen Korruption auf der politischen Ebene eher wahr. Die Ergebnisse aus Afrika zeigen auch, dass die Polizei die Institution ist, bei der die Befragten am häufigsten Bestechungsgeld bezahlen müssen. In einigen Fällen fragte die Polizei danach, in anderen Fällen bezahlt die Bevölkerung von sich aus, um Abläufe zu beschleunigen oder um Problemen aus dem Weg zu gehen. Die Korruption kommt also entweder von der Polizei selbst, oder die Leute gehen ganz automatisch davon aus, dass sie Zahlungen leisten müssen. Sie denken, dass sie nur dadurch guten Service bekommen. Einige der Befragten gaben auch an, dass sie Bestechungsgeld bezahlen, um Zugang zum Bildungssystem, zum Gesundheitssektor, zu Wasser, Land und ähnlichem zu bekommen. Das sind alles Bereiche, die für das tägliche Leben in Afrika sehr wichtig sind, und dort müssen wir mit unserer Arbeit einhaken.

Und wie gehen Sie dabei vor?

Wir haben in einigen Ländern Verbände gegründet, wo Opfer von Korruption juristische Beratung bekommen und gleichzeitig auch dazu aufgefordert werden, sich im Kampf gegen Bestechung zu engagieren. Wir gehen auch speziell die Korruption im Bildungswesen an. In Kamerun sind wir seit Jahren in diesem Bereich aktiv. Obwohl die Grundschulen dort gebührenfrei sind, haben einige von ihnen trotzdem Schulgeld eingeführt. Sie machen das, weil die Bevölkerung nicht gut genug informiert ist und nicht weiß, dass sie eigentlich nicht für Grundschulbildung bezahlen muss. Sie wissen auch nicht, dass sie einige Bücher kostenlos erhalten können. Wir setzen uns dafür ein, dass die Bevölkerung darüber besser aufgeklärt wird. Außerdem fordern wir, dass mehr afrikanische Staaten Gesetze einführen, die der Bevölkerung den Zugang zu solchen Informationen erleichtern.

In Afrika gibt es aber auch Länder wie Ruanda, die Korruption effektiv bekämpfen. Was machen diese Länder anders?

Dort herrscht ein starker politischer Wille, bis in die höchsten Ränge hinein. Außerdem wird die Bevölkerung dazu ermutigt, Korruptionsfälle zu melden. Korruptes Verhalten wird nicht mit Straffreiheit belohnt, und die Bevölkerung wird besser aufgeklärt. Sie weiß zum Beispiel, wie viel sie für Schulen bezahlen muss und wofür ihr Geld verwendet wird. Je mehr Transparenz und Nachfragen ein Land erlaubt, desto weniger Korruption gibt es.

Chantal Uwimana ist Direktorin der Afrika-Abteilung der Antikorruptionsorganisation Transparency International.

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