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Fokus Osteuropa

Usbekistan verschreckt deutsche Unternehmen

Der deutsch-usbekische Handel geht zurück. Deutsche Firmen klagen über ein schwieriges Investitionsklima. Beobachter Verbesserungen für private Unternehmen auf dem usbekischen Markt.

Regierungsgebäude in Taschkent (Foto: dpa)

Regierungsgebäude in Taschkent

"Die Zahlen sprechen für sich", sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin im Gespräch mit der DW. Die deutsche Wirtschaft verliert offenbar zunehmend ihr Interesse an Usbekistan. Tatsächlich zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes eine negative Tendenz auf. So ist der Warenumsatz zwischen Usbekistan und Deutschland bereits im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen: 2011 fiel er um mehr als 30 Prozent im Vergleich zu 2010 - von 759 auf 518 Millionen Euro. Für das Jahr 2012 rechnet das Bundesministerium für Wirtschaft mit einem weiteren Rückgang im deutsch-usbekischen Handel um etwa 20 Prozent.

Gefälschte Kaufverträge

Der deutsche Unternehmer Abbas Ali Bakhshi steht vor der verschlossenen Tür einer Filiale der Süßwarenfabrik Shirin Dunyo in Samarkand, Usbekistan (Foto: DW)

Abbas Ali Bakhshi kämpft um seinen Anteil an der Taschkenter Süßwarenfabrik Shirin Dunyo

Grund für diese Entwicklung ist das schwierige Investitionsklima in dem zentralasiatischen Land. Wie schwierig es ist, zeigt der Fall des deutschen Geschäftsmannes Abbas Ali Bakhshi. Er ist iranischer Abstammung. Im Jahr 2008 erwarb Bakhshi ein Viertel der Anteile an der Taschkenter Süßwarenfabrik Shirin Dunyo. Zwei Jahre später trat einer der vier Miteigentümer seinen Anteil an die einflussreiche usbekische Familie Gulyamov ab. Diese verdrängte daraufhin mittels gefälschter Kaufverträge die ausländischen Investoren aus dem Unternehmen, darunter Abbas Ali Bakhshi.

Die ausländischen Investoren wandten sich ohne Erfolg erst an die lokalen Behörden, dann an die Regierung des Landes. Schließlich bat Abbas Ali Bakhshi auch im Namen der anderen Miteigentümer die deutsche Botschaft in Taschkent um Hilfe. Berlin intervenierte, und die usbekischen Behörden ordneten an, den rechtmäßigen Besitzern deren Anteile zurückzugeben. Umgesetzt wurde dieser Beschluss aber nicht. De facto befindet sich die Süßwarenfabrik weiterhin in den Händen der Familie Gulyamov. "Dieses Thema wurde im Herbst 2012 mit Usbekistan auf Regierungsebene besprochen. Die Probleme sind aber unverändert", wurde der DW im Bundeswirtschaftsministerium bestätigt.

Kein Einzelfall

Auch andere deutsche Unternehmer haben mit Problemen in Usbekistan zu kämpfen. Der größte Fall bislang ist der von mehr als 20 deutschen Baufirmen, die am Bau des internationalen Kongresszentrums in Taschkent beteiligt waren. Bis heute haben die deutschen Unternehmen einen wesentlichen Teil des Geldes für ihre Arbeit nicht erhalten. Dabei handelt es sich um eine Summe von mindestens 60 Millionen Euro.

Der Gesamtumfang der finanziellen Forderungen deutscher Unternehmen an usbekische Partner wird von manchen Beobachtern auf bis zu eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Martin Hoffmann vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft rät allerdings zu Vorsicht: "Es ist schwierig, die genaue Summe zu beziffern, da die Forderungen rechtlich umstritten sind", sagte er der DW. Hoffmann bestätigte aber, dass es "recht umfangreiche Forderungen deutscher Unternehmen aus verschiedenen Projekten in Usbekistan gibt".

Risiken für Unternehmensumsätze

Euroscheine (Foto: Fotolia)

Die deutsche Wirtschaft beklagt zu lange Konvertierungszeiten für Unternehmensumsätze

Ein weiteres Problem für deutsche Firmen in Usbekistan sei, so Hoffmann, dass sie ihre Umsätze in lokaler Währung nicht gleich in Dollar oder Euro konvertieren könnten. Die Beträge seien zum Teil an lange Konvertierungszeiten gebunden. Auf eine Erlaubnis der usbekischen Behörden müssen die Unternehmen manchmal zwischen drei Monaten und einem Jahr warten. In dieser Zeit stünden ihnen die Gelder nicht zur Verfügung - weder in nationaler Währung noch in Devisen, so Hoffmann. Die Umsätze seien somit auch allen Währungsrisiken ausgesetzt.

Die Konvertierungsschwierigkeiten würden deutsche Angebote verteuern und den Konkurrenzdruck für deutsche Firmen in Usbekistan erhöhen, erläuterte Hoffmann. Sie stünden dort ohnehin schon mit asiatischen, russischen, aber auch europäischen Staatsunternehmen in einem harten Wettbewerb. Aufgrund direkter politischer Kontakte zwischen den Regierungen erhielten diese meist einen einfacheren Zugang zu Aufträgen als Privatunternehmen. "Übrigens gibt es in letzter Zeit Zusagen der usbekischen Seite, diese Konvertierungsschwierigkeiten zu lösen. Das wäre eine deutliche Erleichterung für Unternehmen auf dem usbekischen Markt", betonte Hoffmann.

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