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Sport

Usain Bolt schlägt sich selbst

Es konnte im Grunde nur einen Sieger geben: WM-Gold über 100 Meter war fest von Usain Bolt gebucht. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Am Ende jedenfalls war Bolt der Verlierer des Tages.

Usain Bolt mit nacktem Oberkörper breitet verzweifelt die Arme aus (Foto: AP)

Usain Bolt kann's nicht fassen

Schuhe, die am Startblock kleben bleiben, ein Loch, das sich plötzlich in der Laufbahn auftut oder vielleicht ein Meteorit, der vom Himmel fällt – viele Möglichkeiten, einen Sieg von Wundersprinter Usain Bolt im 100-Meter-Lauf der Leichtathletik-Weltmeisterschaften von Daegu zu verhindern, wären einem im Vorfeld nicht eingefallen. Zu überlegen war der Jamaikaner in seinem Vor- und Zwischenlauf und auch im Halbfinale aufgetreten. Und dennoch durfte sich am Ende des 2. Wettkampftages der WM nicht Bolt als alter und neuer Weltmeister feiern lassen, sondern es jubelte sein Landsmann Yohan Blake.

Usain Bolt wehrt einen südkoreanischen Kampfrichter ab, der ihn aus dem Stadion geleiten will (Foto: AP)

"Lass mich bloß in Ruhe" - Bolt außer sich

Bolt war da schon gar nicht mehr auf der Laufbahn, sondern stiefelte wie ein eingesperrter Tiger durch das Stadion. Ausgerechnet ihm musste so ein Missgeschick passieren. Ausgerechnet er, der immer so cool wirkt, hatte im entscheidenden Augenblick seine Nerven nicht im Griff: Sekunden, nachdem Bolt vor den Augen der Welt am Startblock seine üblichen Faxen und Gesten in die Kamera gemacht hatte, war es ihm nicht gelungen, sich wieder voll auf den Wettkampf zu konzentrieren. Bereits kurz nachdem das "Fertig"-Kommando gegeben worden war, sprintete Bolt los, verursachte so einen völlig unnötigen Fehlstart und wurde folgerichtig aus dem Rennen, das er eigentlich hätte gewinnen sollen, ausgeschlossen.

Bemitleidenswerte Kampfrichter

Fehlstart Usain Bolt (Foto: AP)

Vorsprung bereits nach wenigen Metern - leider hatte Usain Bolt den Startschuss nicht abgewartet

Unmittelbar nach seinem Aussetzer war Bolt klar, was er da gerade angerichtet hatte. Er verzog das Gesicht, riss sich das Trikot über den Kopf und warf es auf die blaue Laufbahn. Dann stapfte er von der Bahn und ließ seiner Fassungslosigkeit freien Lauf. Immer wieder reckte er verzweifelt die Arme zum Himmel, schlug die Hände gegen die Stadionmauer und verbarg sein Gesicht in einem Vorhang. Ein Bild des Jammers. Die größte Sorge musste man allerdings nicht um Bolt selbst haben, sondern um die übereifrigen südkoreanischen Kampfrichter, die - gemäß den Regeln - immer wieder versuchten, den Jamaikaner aus dem Stadioninnenraum zu geleiten.

Bolts Chance auf Dreifachgold ist damit dahin. Neben den 100 Metern hatte er sich auch über 200 Meter und in der 4x100-Meter-Staffel einen Sieg vorgenommen. Spannend wird sein, wie Bolt über die 200 Meter auftritt. Bleibt er der Showman, oder verzichtet er künftig auf sein manchmal fast nerviges Rumgehampele vor den Kameras und konzentriert sich ein bisschen mehr aufs Laufen…?

Autor: Andreas Sten-Ziemons
Redaktion: Olivia Fritz

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