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Amerika

USA wollen neue Ölquellen erschließen

Präsident Barack Obama will nach jahrelangen Debatten nun Ölbohrungen vor den US-amerikanischen Küsten genehmigen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Erdölimporten zu verringen.

Öl sprudelt aus einem Rohr in eine Erdölrafinerie (Foto: AP)

Der Präsident will die Kehrtwende in der US-Energiepolitik am Mittwoch (31.03.2010) offiziell bei einer Rede auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews im Bundesstaat Maryland bekanntgeben, berichtet die "New York Times" vorab. Obamas Pläne sehen demnach vor, weite Teile der atlantischen Küste von New Jersey südwärts bis nach Florida sowie den Golf von Mexiko und die Nordküste Alaskas für Öl- und Gasbohrungen freizugeben. Die ökologisch besonders gefährdete Bucht Bristol Bay im Südwesten Alaskas soll dagegen von Ölbohrungen verschont bleiben. Damit sollen tausende neue Jobs geschaffen und die Abhängigkeit der USA von ausländischen Ölimporten reduziert werden.

Ölplattformen im Golf von Mexiko (Foto: AP)

Der Golf von Mexiko ist zur Zeit das einzige off-shore-Fördergebiet der USA

Seit über 20 Jahren waren Ölbohrungen vor den US-Küsten, mit Ausnahme des Golfs von Mexiko, aus Umweltschutzgründen verboten. Aber bereits Obamas Vorgänger George W. Bush hatte sich stets für die umstrittenen Bohrungen vor den Küsten ausgesprochen, um die Abhängigkeit der USA von Ölimporten aus dem Nahen Osten zu verringern. Obama hatte diese Pläne zu Beginn seiner Amtszeit dann zunächst auf Eis gelegt, um Zeit für eine Überprüfung zu haben.

Erste Bohrungen nach 2011

Erste Bohrungen sollen in einem Seegebiet 80 Kilometer vor der Küsten des Bundesstaates Virginia durchgeführt werden. Dort werden rund 130 Millionen Barrel Öl sowie Gasvorkommen von geschätzten 32 Milliarden Kubikmetern vermutet, so das US-Innenministerium. Zuvor müssten jedoch noch seismologische Untersuchungen durchgeführt werden um die exakten Vorkommen zu bestimmen. Der Bush-Plan hatte vorgesehen, ab 2011 Bohrlizenzen zu vergeben. Die jetzige Administration wird sich nicht an diesen Zeitplan halten können. Die Bohrlizenzen sollen vom Innenministerium vergeben werden, dass zunächst auch den Verkauf des neuen Öls und Gases koordinieren will, so ein hochrangiger Funktionär des Innenministeriums.

Darüber hinaus will das Innenministerium auch weitere Bohrlizenzen für den mittleren und westlichen Golf von Mexiko erteilen, wo ebenfalls bedeutende Ölvorkommen lagern. Ein großer Teil des östlichen Golfs steht zurzeit unter einem Moratorium des US-Kongresses, das Öl- und Gasförderung in dieser Region untersagt. Das Innenministerium will rund zwei Drittel dieser Vorkommen freigeben, wenn das Moratorium aufgehoben wird.

Alaska weiterhin unter besonderem Schutz

Ölbohrungen in der Bristol Bay im Südwesten Alaskas sollen jedoch weiterhin untersagt bleiben. Betroffen von dieser Entscheidung sind die Konzerne Royal Dutch Shell sowie ConocoPhillips, BP und Statoil. Deren Anträge auf Bohrlizenzen sollen endgültig abgelehnt werden. Die Bedingungen in der Beaufort- sowie der Tschuktschen-See vor der Nordwestküste Alaskas sollen zunächst wissenschaftlich erforscht werden bevor über die Vergabe von Ölfördergenehmigungen entschieden wird.

Arkischer Ozean

Die Beaufort- und die Tschuktschesee soll zunächst von Ölbohrungen verschont bleiben.

Der US-Kongress hatte das Verbot von Ölbohrungen vor der Küste Alaskas 2008 auslaufen lassen und Präsident Bush hatte ein entsprechendes Moratorium aufgehoben. Umweltschützer warnen jedoch vor möglichen Umweltschäden in der ökologisch sensiblen Küstenregion.

Große Energiereserven

Der Geologische Dienst der USA (US-Geological Survey) schätzt die Ölvorkommen in den atlantischen Küstengewässern der USA auf insgesamt rund 4 Milliarden Barrel und die Gasreserven auf 1,04 Billionen Kubikmeter. Vor der Pazifikküste sollen demnach weitere 10,5 Billionen Barrel Öl und 500 Milliarden Kubikmeter Gas lagern.

Die USA importieren jährlich rund zwei Milliarden Barrel Öl aus den OPEC-Staaten. Für das laufende Jahr werden die Gasimporte auf rund 76 Milliarden Kubikfuß geschätzt, so das US-Energieministerium.

Abhängigkeit von Ölimporten

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In den USA leben knapp fünf Prozent der Erdbevölkerung, die jedoch über ein Fünftel (21,8 Prozent) des globalen Energiekonsums beanspruchen. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts hat sich der Energieverbrauch der USA beinahe verdreifacht. Dieser schnell wachsenden Energiebedarf wurde in erster Linie durch Öl gedeckt: 2007 betrug der Anteil des Mineralöls knapp 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs.

Die wichtigsten Öllieferanten der USA sind Kanada, die Staaten am Persischen Golf, Mexiko, Venezuela und Nigeria. Rechnet man die Lieferungen aus den arabischen Ländern, Nigeria und Venezuela zusammen, stammen rund 35% der Importe aus politisch instabilen Regionen. Allein die venezolanischen Ölexporte in die USA sind im vergangenen Jahr um 45% auf rund 27 Milliarden Dollar (rd. 20 Milliarden Euro) gesunken.

Autorin: Mirjam Gehrke (rtr,dpa,bpb)
Redaktion: Oliver Pieper