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Politik

USA wollen afghanische Grenzstämme bewaffnen

Die USA wollen eine zusätzliche Strategie im Kampf gegen die Taliban im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet erproben: Die in dem Gebiet lebenden Volksgruppen sollen aufgerüstet werden.

Dorfbewohner im Nordwesten Afghanistans (ap)

Dorfbewohner im afghanische-pakistanischen Grenzgebiet sollen im Kampf gegen die Taliban helfen

Nach Ansicht von US-Verteidigungsminister Robert Gates müssen die NATO und ihre Partner ihre Zusammenarbeit in Afghanistan verbessern, wenn sie die radikal-islamischen Taliban schlagen wollen. Die militärischen Operationen des Westens haben dem zentralasiatischen Land bisher keinen Frieden gebracht.

Ganz im Gegenteil: Nie seit dem Sturz der Taliban 2001 gab es nach Angaben der Vereinten Nationen so viele Angriffe und Anschläge. In den vergangenen sieben Jahren ist der Widerstand der Taliban immer stärker geworden, die Zahl ziviler Opfer immer weiter gestiegen.

Die Zweifel, ob der Westen den Krieg gewinnen kann, bleiben angesichts des alltäglichen Leids und der Einsicht, dass die Wiederaufbauarbeit durch die Taliban behindert oder zerstört wird. Als Beispiel führt der afghanische UN-Botschafter Zahir Tanin Schulen an: "In sechs Monaten wird eine Schule gebaut. In sechs Minuten wird sie von den Taliban niedergebrannt."

Schule in Mazar-e-Sharif (DW)

UN-Botschafter Tanin: Schulen wie diese in Mazar-e-Sharif werden gebaut. Die Taliban zerstören sie wieder.

Neue US-Strategie

Kein Wunder, dass der Flüchtlingsstrom in den Grenzgebieten massiv zugenommen hat. Nach UN-Angaben sind rund 190.000 Menschen vor den Gefechten zwischen Regierungstruppen und Aufständischen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet geflohen. Auch der UN-Sondergesandte Kai Eide spricht von einem Vormarsch der Taliban, und zwar nicht nur in den Hochburgen.

Da die Situation immer gefährlicher wird, versuchen nun die Amerikaner mit der Bewaffnung von Stammesangehörigen entlang der pakistanischen "Nord-West-Grenzprovinz" (NWFP) gegen die Taliban vorzugehen. Krieg gegen die Taliban oder ethnisches Privileg?

Opfer nach Anschlag in Spin Boldak im Februar (dpa)

Die Sicherheitslage hat sich in den letzten Monaten weiter verschlechtert.

Diese neue amerikanische Strategie bereitet Kritikern wie Malek Setiz vom Zentrum für internationale Forschung und Menschenrechte im norwegischen Oslo große Sorgen. Er befürchtet eine gesellschaftliche Spaltung: "Die Menschen in Afghanistan gehören zu verschiedenen ethnischen Gruppen, sie vertreten unterschiedliche Kulturen. Wenn eine bestimmte Bevölkerungsgruppe bevorzugt wird, kann der Prozess der Staatenbildung entgleisen."

Staatsapparat "Brutstätte der Taliban"

Ein kurzer Blick in den afghanischen Staatsapparat und die afghanische Gesellschaft genügt: Mehr als die Hälfte des Parlaments ist mit fundamentalistischen Mitgliedern besetzt. Die Gerichtsinstanzen sind durchweg korrupt. Frauen werden unterdrückt und die Religion ist mit veralteten traditionellen Vorstellungen verwachsen. Nach Ansicht von Setiz ist der afghanische Staat selbst zu einer Brutstätte der Taliban geworden. "Er ist nicht imstande, den Jugendlichen Ausbildung und Arbeit zu verschaffen. So fallen diese den Taliban in den Schoß."

Karsai und Bush (ap)

Geplante US-Strategie findet Beifall der afghanischen Regierung.

Ob eine Aufrüstung der Stammeskrieger entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze ein Schritt in die richtige Richtung wäre, ist fraglich. Bei der Regierung in Kabul findet das US-Unterfangen dennoch ein breites Echo. Homayoon Hamidzadah, Sprecher des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, sagte, Stammesangehörige würden so in den "Sicherheitsprozess mit einbezogen".

"Wir hoffen", so Hamidzadah, "dass uns auch unsere internationalen Partner - besonders die USA - bei diesem Projekt unterstützen". Wie die Bevölkerung außerhalb des Grenzgebiets reagieren würde, wollte der afghanische Regierungssprecher nicht sagen.

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