1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

USA und Großbritannien planen für Abzug aus dem Irak

Die Briten wollen bis Ende des Jahres die Kontrolle über die Provinz Basra abgeben. In den USA arbeitet das Verteidigungsministerium an einem Plan, wie die Truppen im Notfall aus dem Irak heimgeholt werden sollen.

Ein Iraker weint an einem Sarg (Quelle: AP)

Kein Ende der Gewalt in Sicht

Generalleutnant Ray Odierno sprach von einem positiven Zeichen, doch sei es noch zu früh, von einem wirklichen Trend zu sprechen: Bislang kamen in diesem Monat nur 64 amerikanische Soldaten ums Leben, in den vergangenen drei Monate hatte die Zahl bei jeweils mehr als 100 gelegen. Am Donnerstag wurden wieder sieben US-Soldaten getötet. Bei einem Doppelanschlag starben in Bagdad mindestens 28 Menschen und fast 100 wurden verletzt. Wie die Behörden mitteilten, schlug eine Katjuscha-Rakete im schiitischen Stadtteil Karradah in ein Wohnhaus ein, als in der Nähe fast zur gleichen Zeit eine Autobombe explodierte. Es war der folgenreichste Anschlag im Irak am Donnerstag.

Britische Soldaten im Irak (Archiv, Quelle: AP)

Auch britische Soldaten sollen sich bald aus Basra zurück ziehen

Unterdessen bereitet die US-Regierung nach Angaben von Verteidigungsminister Robert Gates Pläne für einen eventuellen Truppenabzug vor. Er betrachte die Arbeit daran als eine vorrangige Aufgabe seines Ressorts, schrieb Gates am Donnerstag (27.7.) in einem Brief an die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Mit dem Schreiben antwortete der Minister auf eine Anfrage der Senatorin, deren Partei mit Forderungen nach einem Abzug aus dem Irak wiederholt auf massiven Widerstand von US-Präsident George W. Bush gestoßen ist. Dieser hat für den Fall eines entsprechenden Kongress-Beschlusses sein Veto angedroht.

Entscheidung in den nächsten Monaten

"Sie können versichert sein, dass solche Planungen in der Tat stattfinden und dass ich ebenso wie hochrangige Militär- und Zivilbeamte und unsere Kommandeure vor Ort aktiv daran beteiligt bin", schrieb Gates in dem Brief. Clinton hatte erstmals im Mai nach Notfallplanungen des US-Verteidigungsministeriums für einen Irak-Abzug gefragt. Eine erste schriftliche Einlassung eines Vize-Ministers, der darin einer Antwort in der Sache auswich, hatte sie als inakzeptabel und empörend kritisiert.

US-Verteidigungsminister Robert Gates (l.) mit Soldaten (Archiv, Quelle: 2005)

Verteidigungsminister Gates und Truppen

Auch Großbritannien beschäftigt sich mit einer Truppenreduzierung. Man wolle nach den Worten seines Militärchefs noch vor Ende des Jahres in der Lage sein, die Kontrolle der irakischen Provinz Basra an einheimische Sicherheitskräfte zu übergeben. "Es ist noch nichts entschieden", sagte Generalstabschef Jock Stirrup dem BBC-Rundfunk am Donnerstag. "Es wird sich aber in den nächsten Monaten entscheiden." Er gehe davon aus, dass es in der zweiten Jahreshälfte zu einer Übergabe an irakische Kräfte kommen könne. Der britische Verteidigungsminister Des Browne hatte jüngst erklärt, die Zahl der britischen Soldaten im Irak binnen Wochen von 5500 auf 5000 verringern zu wollen. Danach solle entschieden werden, wie die übrigen Truppen heimgeholt werden könnten.

Wo bleiben die Waffen?

Der irakische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Samir Sumaidaie, kritisierte die Zurückhaltung der USA in Bezug auf Waffenlieferungen an die Armee seines Landes. Die Verzögerungen seien unverständlich, schließlich strebe US-Präsident George W. Bush durchsetzungsfähige irakische Streitkräfte an, sagte der Diplomat. Er wies Argumente zurück, wonach das Pentagon verhindern will, dass Hochtechnologie-Waffen in irakische Hände

gelangen. "Es geht nicht um Atom-U-Boote", sagte Sumaidaie. Die Armee benötige Standardausrüstung wie Sturmgewehre und gepanzerte Fahrzeuge.

Die irakische Regierung "hat gewartet, gewartet, gewartet", sagte der Botschafter. Schließlich habe sich Bagdad an andere Rüstungslieferanten wie China gewandt, um Gewehre zu erhalten. "Das unterstützt nicht die Moral' der irakischen Armee, betonte Sumaidaie. Pentagon-Sprecher Bryan Whitman räumte ein, dass in der Frage der Ausrüstung der irakischen Armee "noch viel zu tun sei". Aber das entsprechende Programm sehe vor, dass mit Bedacht vorgegangen werde und dass die irakischen Truppen genau die Art von Ausrüstung bekämen, die sie für ihre Einsätze bräuchten. (ina)

Die Redaktion empfiehlt