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Wirtschaft

USA und China konkurrieren um afrikanisches Öl

Das schwarze Gold ist teuer wie noch nie. Die Jagd auf das begehrte Erdöl hat sich nach Afrika verlagert. Dort versuchen vor allem die USA und China ihre Versorgung sicher zu stellen. Ein Wettrennen ist entbrannt.

Gegenlichtaufnahme: Rohrleitung mit großem Drehventil an dem eine Person steht (Quelle: AP)

Energiesicherheit: Die USA schauen nach Afrika

Bis vor wenigen Jahren spielte Afrika außenpolitisch für Washington kaum eine Rolle. Jetzt nimmt das Interesse an dem Kontinent wieder zu. Das dort vorhandene Erdöl sei dafür ein wichtiger Grund, sagt Nancy Walker, Politologin und frühere Leiterin des Büros für Afrika-Angelegenheiten beim US-amerikanischen Verteidigungsministerium. "In der nationalen US-Sicherheitsstrategie spielt Energie-Sicherheit eine Schlüsselrolle. Die Amerikaner interessieren sich auf der ganzen Welt für Erdöl", so die Expertin.

Afrikanischer Ölarbeiter, hinter ihm silberfarbene Rohre und Zylinder (Quelle: AP)

Ölförderung in Nigeria: Afrikanisches Öl wird für die gestiegene Weltnachfrage immer wichtiger

Auch die Sicherheitsstrategie von 2002 Afrika billigte Afrika für die Absicherung der amerikanischen Energieversorgung einen besonderen Stellenwert zu. Kurz zuvor stuften die USA Westafrika in ihrer energiepolitischen Ausrichtung als eine der am schnellsten wachsenden Öl- und Gaslieferregionen der USA ein. Denn neben dem größten afrikanischen Ölproduzenten Nigeria, dem Inselstaat Sao Tomé und Principe im Golf von Guinea wurden in den letzten Jahren auch Öl- und Gasfelder in Mali und Mauretanien entdeckt. Darüber hinaus vermuten Experten wichtige Gas- und Ölquellen in der Westsahara. In Dschibuti haben die USA vor sechs Jahren ihren Hauptmilitärstandort in Afrika gegründet. Von hieraus kontrollieren die Amerikaner den Zugang zum Roten Meer. Dort wird ein Viertel der Weltölproduktion transportiert. Zudem liegt Dschibuti in der Nähe der wichtigen sudanesischen Ölpipeline.

Afrika deckt bald ein Viertel des US-Bedarfs

Laut dem Afrikaexperten Werner Ruf decken die USA derzeit 13 Prozent ihres Gesamtölkonsums mit Importen aus Afrika. Bis 2013 solle dieser Anteil auf 25 Prozent gesteigert werden, sagt der emeritierte Professor für internationale Beziehungen und Außenpolitik an der Universität Kassel. "Damit wäre Afrika einer der größten Lieferanten fossiler Brennstoffe für die USA."

Zwei Chinesen laufen an einem großen Poster (Beautiful Africa) vorbei (Quelle: AP)

Immer mehr Chinesen arbeiten in Afrika

Schätzungen zufolge belaufen sich die gesamten Ölvorkommen in Afrika auf mehr als 100 Milliarden Barrel, was etwa dem Vorkommen im Irak entspricht. Das macht Afrika für alle Großmächte attraktiv. So hat China in den letzten Jahren seine wirtschaftliche Beziehung zu vielen Afrikanischen Ländern ausgebaut.

Die USA versuchen seit dem arabischen Öl-Embargo von 1973 möglichst viele verschiedene Öllieferanten zu finden. Außerdem spielt die geographische Lage Afrikas eine wichtige Rolle: Der direkte Seeweg zu den USA vergrößert die Versorgungssicherheit.

Vom Antiterrorkampf zur Ressourcensicherung

Vor einem Jahr gründete das amerikanische Verteidigungsministerium schließlich ein eigenes Einsatzführungskommando für Afrika – das Africom. Das Kommandohauptquartier ist in Stuttgart angesiedelt. Noch suchen die Amerikaner nach einem Standort in Afrika.

Das offizielle Ziel des Africom ist es, die Zusammenarbeit zwischen den USA und den afrikanischen Ländern im Bereich der Sicherheit zu stärken. Es gehe vor allem um den Kampf des Terrorismus. "Das steht im Programm von Africom dick drin", sagt Ruf.

Doch nach Ansicht des Experten gehe es den USA mit ihrer Militärpräsenz auch um Ressourcensicherung.

Für Ruf ist das "eine zweischneidige Angelegenheit". Denn die US-Präsenz in diesen Ländern könne genau den Widerstand hervorrufen, den man eigentlich verhindern wolle. "Die Terroristen tauchen erst dann auf, wenn die USA massiv präsent sind", so Ruf.

Zwei Frauen sitzen nebeneinander hinter einem Tisch und schauen sich an (Quelle: AP)

Die liberianische Präsidentin Sirleaf (r.) mit US-Außenministerin Condoleezza Rica bei einem Treffen in der Weltbank

Zwar hatte die Präsidentin des historisch Verbündeten Liberia, Ellen Johnson Sirleaf, den USA angeboten, in ihrem Land das Africom-Hauptquartier aufzuschlagen. Allerdings reagierten andere afrikanische Länder abweisend. Bereits im Sommer letzten Jahres hatten Algerien, Marokko und Libyen die Anfrage, Africom zu beherbergen abgelehnt. Auch 14 Mitgliedsländer der südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) sprachen sich letzten Sommer eindeutig gegen eine Kommandostelle der USA in ihren Ländern aus.

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