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Asien

USA und Afghanistan setzen auf Zusammenarbeit

Bei der künftigen Ausrichtung der US-Strategie in Afghanistan wollen die Regierungen in Washington und Kabul zusammenarbeiten. Erwogen wird außerdem die Einrichtung einer internationalen Kontaktgruppe.

Afghanistans Präsident Karsai und US-Gesandter Holbrooke vor US-Flagge (Bild: AP)

Der afghanische Präsident Hamid Karsai (r.) und der US-Gesandte Richard Holbrooke

Afghanistan werde sich an einer Überprüfung beteiligen, erklärte Präsident Hamid Karsai am Sonntag (15.02.2009) bei einem Besuch des neuen US-Gesandten für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, in Kabul. Die Spannungen zwischen beiden Ländern verschärften sich in jüngster Zeit wegen zahlreicher ziviler Opfer bei US-Angriffen auf Taliban-Stützpunkte.

Mehr Schutz für die Zivilbevölkerung

Beim Besuch Holbrookes äußerte Karsai die Hoffnung, dass es aufgrund einer vor wenigen Tagen getroffenen Vereinbarung über die Zusammenarbeit mit den afghanischen Truppen bei US-Einsätzen künftig weniger Opfer unter der Zivilbevölkerung gebe. Er habe US-Präsident Barack Obama zudem kürzlich vorgeschlagen, dass sich Afghanistan an einer Überprüfung der US-Strategie beteilige. Holbrooke erklärte auf der gemeinsamen Pressekonferenz am Sonntag, Obama habe das Angebot begrüßt.

Auch US-Generalstabschef Mike Mullen mahnte einen besseren Schutz für die afghanische Zivilbevölkerung an. Der Aufstand in Afghanistan werde niemals enden, wenn die US-Streitkräfte irrtümlich Zivilpersonen töteten oder der Bevölkerung Gründe gäben, schlecht über die USA zu denken, schrieb er in einem Beitrag für die "Washington Post".

Der Verhältnis zwischen Washington und Karsai, auf dem vor allem Obamas Vorgänger George W. Bush setzte, ist zunehmend gespannt. Karsai hatte am Freitag eingeräumt, dass er seit Obamas Amtsantritt vor knapp vier Wochen nicht ein einziges Mal mit dem neuen US-Präsidenten telefoniert hat. Der Westen ist enttäuscht darüber, dass Karsai es bisher nicht geschafft hat, die Korruption, Drogenproduktion und Sicherheitslage im Land in den Griff zu bekommen.

Kontaktgruppe für die Krisenregion?

Bernd Mützelburg (Bild: dpa)

Bernd Mützelburg - künftiger Sonderbeauftragter?

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erwägt derweil, Holbrooke einen deutschen Sonderbeauftragten für Afghanistan als Partner zur Seite zu stellen. Dies bestätigte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Eine formelle Ernennung stehe aber noch aus. Kandidat für das Amt ist laut Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" der derzeitige Botschafter in Indien, Bernd Mützelburg.

Deutschland ist dem Bericht zufolge nach Großbritannien das zweite Land, das einen solchen Schritt plant. Holbrooke erwäge offenbar die Einrichtung einer internationalen Kontaktgruppe für die Krisenregion. Ähnliche Runden hatten in der 1990er Jahren versucht, den Balkan-Konflikt zu lösen. Holbrooke vermittelte den Frieden von Dayton 1995, der den Bosnien-Krieg beendete.

US-Nachschub über Russland

Die Nachschubtransporte der USA für die Truppen in Afghanistan über Russland sollen nach Worten von Verteidigungsminister Sergej Lawrow schon in naher Zukunft beginnen, wie russische Nachrichtenagenturen meldeten. Die Nachschubroute über Pakistan wird zunehmend von Taliban-Kämpfern angegriffen.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. US-Präsident Obama hat eine Verstärkung der amerikanischen Truppen am Hinduklusch angekündigt. (wga)

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