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Wirtschaft

USA steigen mit 250 Milliarden Dollar bei Banken ein

Nach dem Vorbild europäischer Regierungen kaufen sich nun auch die USA in großem Stil bei ihren Banken ein. Damit wolle man die Märkte stabilisieren, kündigte Präsident Bush an. Der Plan scheint vorerst aufzugehen.

Präsident George W. Bush im Rosengarten des Weißen Hauses (Quelle: AP)

Bush stellt die Banken im Moment lieber unter Kuratel des Staates

US-Präsident George W. Bush hat am Dienstag (14.10.) eine teilweise Verstaatlichung amerikanischer Banken angekündigt. Die Regierung werde für 250 Milliarden Dollar Anteile an Finanzinstituten kaufen, erklärte Bush im Rosengarten des Weißen Hauses. Ziel sei es, die Finanzwirtschaft wieder zu beleben sowie die Wirtschaft "wieder auf den Weg des Wachstums" zurückzubringen.

Neun Finanzinstitutionen hätten einen solchen Staatseingriff bereits akzeptiert. Dazu gehörten große Finanzkonzerne wie Citigroup, Bank of America und J.P. Morgan Chase, berichteten die "Washington Post" und das "Wall Street Journal" . Weitere Teilnehmer seien Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of New York Mellon, State Street, Wells Fargo und die Investmentbank Merrill Lynch, die von der Bank of America übernommen wird.

Teilverstaatlichung nicht von Dauer

Der Kauf von Anteilen und Aktien der Finanzinstitute sei "eine wesentliche, kurzfristige Maßnahme" zur Stabilisierung der Märkte, betonte Bush in seiner Rede. Später könnten die Banken die Staatsanteile wieder zurück kaufen. Es werde allerdings eine Zeit dauern, bis alle staatlichen Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsektors und der Wirtschaft wirklich voll greifen werden.

Das Geld soll aus dem Rettungsplan über 700 Milliarden Dollar stammen, der vor kurzem vom US-Kongress beschlossen worden war. Ursprünglich wollten die USA mit dem Geld nur faule Kredite von den Banken aufkaufen.

Mit dem nun angekündigten Staatseinstieg bei den Banken folgt die US-Regierung dem europäischen Vorbild. Großbritannien und mehrere Länder der Eurozone, darunter Deutschland, hatten am Montag Pläne für einen Einstieg des Staats bei Banken vorgestellt. Damit sollen die Banken dringend benötigtes Eigenkapital erhalten, um ihre Geschäfte weiterführen zu können.

Freudentaumel an den Börsen

Ein lachender Händler an der Frankfurter Börse

Die Händler an den Aktienmärkten haben ihr Lachen wiedergefunden

Vor dem Hintergrund der weltweiten Rettungspakete geht am Dienstag die Kursrally an den Börsen weiter: Der japanische Nikkei-Index kletterte am Dienstagmorgen um mehr als 14 Prozent und durchbrach dabei auch die psychologisch wichtige Marke von 9.000 Punkten nach oben. Der deutsche Leitindex Dax steigt bis zum Nachmittag in der Spitze um 6,35 Prozent auf 5.383 Zähler; erneut legen vor allem Finanzwerte zu.

"Trotz aller denkbaren Probleme bei der Umsetzung der Rettungsmaßnahmen im Detail geben die letzten Tage Anlass zur Hoffnung, dass das Schlimmste vorüber ist", stellte LBBW-Analyst Alexander Groschke in einem Kurzkommentar fest, den er mit "Silberstreif am Horizont" überschrieb. Von einem schlechten ZEW-Index oder dem Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, die Deutschland am Rande der Rezession wähnen, ließ sich in Frankfurt jedenfalls niemand die Stimmung verderben.

Und auch die Wall Street startet am Dienstag nach dem angekündigten US-Rettungsplan deutlich im Plus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte steigt zu Handelsauftakt in New York um über 300 Punkte. Am Vortag hatte der Dow Jones mit einem Plus von 936 Punkten den höchsten Punktzuwachs seiner Geschichte erzielt.

Ölpreis wieder im Aufwind

Von den staatlichen Rettungsplänen profitiert derweil auch der Ölpreis, der am Dienstag erneut gestiegen ist. Ein Barrel (159 Liter) der leichten US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) mit Auslieferung im November kostete im Handelsverlauf 84,32 Dollar und damit 3,13 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Montag.

Marktbeobachter begründen den wieder erstarkenden Ölpreis damit, dass sich durch die politischen Maßnahmen die konjunkturellen Aussichten und damit auch die Aussichten für die Ölnachfrage etwas verbessert hätten. Laut einer Studie der Commerzbank dürfte die aktuelle Erholung noch andauern und den Ölpreis in den kommenden Tagen bis auf 90 Dollar steigen lassen. Mittelfristig dürfte der Ölpreis aber angesichts der nach wie vor trüben Konjunkturaussichten für die Industrieländer wieder sinken. (ag)

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