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Politik

USA starten Großoffensive im Irak

Zum Anfang des Ramadans fürchteten die US-Truppen im Irak eine Zunahme von Anschlägen. Sie haben eine Großoffensive in der Rebellenhochburg Falludscha begonnen, wo sich der Terroristenführer El Sarkawi aufhalten soll.

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Im Visier: Aufständische in Falludscha

Wieder einmal haben die US-Truppen die Aufstandshochburg Falludscha ins Visier genommen. Die amerikanischen Militärs vermuten, dass sich in der 65 Kilometer westlich von Bagdad gelegenen Stadt der Kopf der Aufständischen, Abu Mussab el Sarkawis, aufhält. US-Soldaten und irakische Spezialeinheiten begannen am Donnerstag (14.10.2004) mit einer Großoffensive.

Die US-Luftwaffe bombardierte zunächst mehrere Ziele, die dem jordanischen Topterroristen El Sarkawi und seinen Anhängern als Versteck dienen sollen. In der Nacht zum Freitag rückten dann zwei US-Bataillone und irakische Sicherheitskräfte mit amerikanischer Luft-, Panzer- und Artillerieunterstützung in die sunnitische Rebellenhochburg ein. Einwohner berichteten von heftigen Bombardements auf die Stadt. Laut Agenturangaben starben bei den Kämpfen mindestens fünf Menschen, es soll 16 Verletzte gegeben haben.

Bomben soll Anschläge verhindern

Der Zeitpunkt der Großoffensive ist bewusst gewählt. Am Freitag (15.10.) hat der islamische Fastenmonat Ramadan begonnen. Die Besatzungstruppen fürchten, die Aktivitäten von Aufständischen und Terroristen könnten wie im Vorjahr deutlich zunehmen. Die Militäraktion diene dazu, "die Vorbereitung von Terroranschlägen zu unterbinden", hieß es in einer Erklärung des US-Militärkommandos aus Bagdad. Am Freitagmorgen hatte es erneut einen schweren Autobombenanschlag im Bagdader Vorort Dora gegeben. Fünf Menschen starben, sechs weitere wurden verletzt, meldete der arabische Nachrichtensender "El Dschasira".

Der irakische Übergangsministerpräsident Ijad Allawi hatte zuvor die Aufständischen in Falludscha ultimativ aufgefordert, El Sarkawi auszuliefern. Die Gespräche zwischen dem selbst ernannten Stadtrat und der irakischen Übergangsregierung waren am Donnerstag abgebrochen worden. Sie scheiterten, weil die Regierung die Auslieferung El Sarkawis verlangte. Ein Sprecher des von Aufständischen getragenen Stadtrats nannte dies eine unmöglich zu erfüllende Bedingung.

Auch "grüne Zone" nicht mehr sicher

Die Ergreifung von El Sarkawi hat für die USA höchste Priorität. Auf das Konto des El-Kaida-Terroristen gehen zahlreiche blutige Anschläge sowie mehrere Entführungen und Enthauptungen von Ausländern. Seine Organisation "El Tawhid wa El Dschihad" soll auch für den schweren Anschlag am Donnerstag in der "grünen Zone", der Machtzentrale des Irak, verantwortlich sein. Bei den zwei Bombenanschlägen starben mindestens sechs Menschen, darunter vier Amerikaner. Es war das erste Mal, dass Terroristen in die schwer bewachte Zone eindrangen.

Das US-Militär im Irak hat deshalb intensivere Sicherheitsmaßnahmen für den Großraum Bagdad angekündigt. Die Patrouillen in- und außerhalb der "grünen Zone" im Zentrum von Bagdad und rund um die US-Militärlager sowie der Schutz für den Flughafen Bagdad und weitere Maßnahmen zur Abwehr von Terroranschlägen seien verstärkt worden.

US-Bomben im März zerstörten Schulen

Unterdessen wurde eine Untersuchung des Weltkinderhilfswerk UNICEF bekannt, das die Lage des Schulsystems im Irak untersucht hat. Die Luftangriffe der US-geführten Streitkräfte auf den Irak im Frühjahr 2003 haben demnach zahlreiche Schulen zerstört. Rund 700 Schulgebäude seien durch Bomben teilweise massiv beschädigt worden, teilte UNICEF am Freitag in Genf mit. Von den 14.000 Schulen im Irak sind nur gut 11.300 benutzbar. Rund die Hälfte der Schulen müsse ohne sanitäre Anlagen auskommen.

Mit dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung nach dem offiziellen Ende des Krieges Anfang Mai 2003 seien ferner schätzungsweise 3400 Schulen geplündert worden. UNICEF beruft sich auf die erste umfassende Untersuchung des irakischen Schulwesens nach dem Krieg, die vom Bildungsministerium in Bagdad erarbeitet wurde. Das irakische Schulwesen galt noch in den 1970er-Jahren als eines der besten in der Region. (stl)

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