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Politik

USA schränkt Todesstrafe ein

Der Oberste Gerichtshof der USA hat die Todesstrafe gegen Jugendliche für verfassungswidrig erklärt. Doch 3400 erwachsenen Häftlingen droht weiter die Hinrichtung.

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"Grausam und ungewöhnlich"

"Die Unterschiede zwischen jugendlichen und erwachsenen Tätern sind zu groß, als dass wir das Risiko zulassen können, dass gegen einen Jugendlichen die Todesstrafe verhängt wird, der nicht voll schuldfähig ist", hielt das Gericht am Dienstag (1.3.2005) in seinem Urteil fest. Es hatte sich mit dem Fall eines jungen Mannes zu befassen, der 1993 als 17-Jähriger eine Nachbarin in Missouri entführt, gefesselt und über eine Brücke gestoßen hatte. Die Frau ertrank.

Knappes Urteil

Die Hinrichtungen von Jugendlichen verstießen wegen ihrer Grausamkeit gegen die amerikanische Verfassung, hieß es weiter. Dort steht im Zusatzartikel VIII: "… grausame oder ungewöhnliche Strafen [dürfen] nicht verhängt werden." Nach wie vor herrscht in den USA Streit darüber, ob Todesstrafen grausam oder ungewöhnlich sind. Die Entscheidung fiel auch im vorliegenden Fall knapp aus. Fünf Richter stimmten gegen das Todesurteil, vier waren dafür.

Mit seinem Urteil erklärte das Gericht die geltende Praxis von 19 US-Bundesstaaten für null und nichtig. Die Befürworter der Todesstrafe haben mit diesem Urteil die dritte Niederlage in relativ kurzer Zeit erlebt. Das Gericht hatte zuvor schon Todesstrafen gegen Täter untersagt, die jünger als 15 Jahre waren. Das jetzige Urteil betrifft 16- und 17-Jährige. Außerdem hatte der Oberste Gerichtshof 2002 die Vollstreckung der Todesstrafe gegen geistig Zurückgebliebene aufgehoben.

Schritt in die Gegenwart

Die "Koalition zur Abschaffung der Todesstrafe" begrüßte die Entscheidung. "Das war ein großer Schritt, um die USA ins 21. Jahrhundert zu bringen", sagte Direktorin Diann Rust-Tierney. "Der Oberste Gerichtshof hat bestätigt, dass sich der Maßstab für Anstand weiter entwickelt hat und die Hinrichtung jugendlicher Täter tatsächlich grausam ist."

In den amerikanischen Todeszellen befinden sich nach Angaben des Informationszentrums zur Todesstrafe 72 Verurteilte, deren Strafen nun umgewandelt werden müssen. 29 von ihnen sitzen in Texas ein, 14 in Alabama. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA 1976 wurden 22 Menschen hingerichtet, die die Tat als Jugendliche begangen hatten. 31 Bundesstaaten hatten die Hinrichtung jugendlicher Mörder bereits abgeschafft.

Todesurteile gegen Jugendliche werden weltweit nur in wenigen Staaten vollstreckt, darunter Iran, Pakistan, China und Saudi-Arabien. In den USA droht mehr als 3.400 Häftlingen in 38 US-Staaten derzeit die Hinrichtung. (mas)

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