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Kultur

USA schießen Satelliten ab

Das amerikanische Militär hat erstmals einen außer Kontrolle geratenen Spionagesatelliten mit einer Rakete abgeschossen. Vor einem Jahr hatte die US-Regierung heftige Kritik an einem ähnlichen Manöver der Chinesen geübt.

Rakete mit Feuerschweif im Flug (Quelle: AP)

Der Abschuss war auch eine Demonstration des US-Raketenabwehrsystems (Archivbild)

Die USA haben erstmals einen außer Kontrolle geratenen Spionagesatelliten abgeschossen. Am Mittwochabend (20.2.2008) um 22.26 Uhr Ortszeit (04.26 Uhr MEZ) traf eine Rakete den Satelliten in etwa 247 Kilometer Höhe über dem Pazifischen Ozean, wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte. Ob die Rakete wie erhofft direkt in den Tank mit dem hochgiftigen Treibstoff Hydrazin einschlug, konnte das Pentagon zunächst nicht sagen. Dies werde in etwa 24 Stunden feststehen, hieß es in der Erklärung. Wegen der gefährlichen Ladung hatten die USA vergangene Woche beschlossen, durch einen Abschuss des defekten Satelliten einem unkontrollierten Absturz auf die Erde zuvorzukommen.

Nach Angaben des Pentagon wurde die mit einem nicht-explosiven Gefechtskopf ausgestattete Rakete vom Typ SM-3 vom Kriegsschiff USS Lake Erie aus abgeschossen. Der Satellit habe sich zu dem Zeitpunkt mit mehr als 17.000 Stundenkilometern fortbewegt. Es wurde erwartet, dass der Schrott des getroffenen Satelliten beim Eintritt in die Erdatmosphäre fast vollständig verglühen würde.

Militärische Demonstration

Es war das erste Mal, dass die USA einen ihrer Satelliten abschossen. Washington demonstrierte mit der erfolgreichen Aktion seine militärischen Fähigkeiten - wenngleich die US-Regierung stets betont hatte, dass sie damit keine militärischen Ziele verfolge. Außenamtssprecher Tom Casey betonte, der Abschuss diene einzig und allein dem Schutz von Menschenleben.

Luftaufnahme des Pentagon-Gebäudes (Quelle: AP)

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums hatte der Abschuss keinen militärischen Zweck

Bereits Mitte der 1980er Jahre hatten die USA Satelliten-Abschussversuche unternommen, als das Militär Anti-Satelliten-Waffen erprobte. Bei der nun erfolgreichen Aktion wurde ein seegestütztes System eingesetzt, das Teil der umstrittenen US-Raketenabwehr ist.

Russland hatte auf die Ankündigung des Abschusses empört reagiert. Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte am Sonntag erklärt, die USA wollten "den Rüstungswettlauf ins All verlegen". Die USA hatten Anfang 2007 selbst verärgert reagiert, als China einen Satelliten gezielt abschoss.

Pentagon spricht von tödlicher Gefahr

Mit dem Abschuss des Satelliten hatte Washington gewartet, bis die US-Raumfähre "Atlantis" sicher auf der Erde gelandet war. Die "Atlantis" war am Mittwochvormittag (Ortszeit) in Florida gelandet. Eine Verschlechterung des Wetters und eine damit einhergehende hohe Wellen im Pazifik hatten den Abschuss jedoch zuletzt fraglich erscheinen lassen. Noch kurz vor dem erfolgreichen Abschuss hatte US-Admiral Timothy Keating sich zurückhaltend über die Erfolgsaussichten geäußert. Er sei "vorsichtig optimistisch", sagte er. Für den Fall eines Scheiterns hatte die US-Marine ein weiteres Schiff mit einer Abfangrakete im Pazifik kreuzen lassen.

Der Satellit war Ende 2006 gestartet worden und sofort danach ausgefallen. Dem Pentagon zufolge drohte ein Absturz Anfang März mit der Gefahr schwerer oder sogar tödlicher Vergiftungen von Menschen durch die Treibstoffgase. (rri)

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