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Wirtschaft

USA: Reizklima an der Zapfsäule

Tanken in den USA - ein teures Vergnügen. Der Benzinpreis klettert auf Rekordhöhen. Ein Reizthema für die großen Parteien mitten im Präsidentschaftswahlkampf. Daniel Scheschkewitz über ein nationales Energie-Dilemma.

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Der Griff zum Zapfhahn wird teurer - auch in den USA

Beim Verbrauch sind sie großzügig, beim Bezahlen eher empört. An den Tankstellen in Nordamerika erhitzen sich in diesen Tagen die Gemüter. Der Grund: Vor 20 Jahren mussten die Autofahrer zuletzt so tief in die Tasche greifen wie heute. Mit deutlich über zwei US-Dollar für die Gallone (3,79 Liter) liegt der Benzinpreis zwar immer noch deutlich unter dem, was man in Europa dafür bezahlt, aber die Entwicklung findet kein Ende.

Wie ein Angriff von Löwen

"Die Christen hatten eine bessere Chance gegen die Löwen als der amerikanische Konsument gegenüber dem OPEC-Kartell", schimpfte der Kongressabgeordnete Edward Markey im Parlament. Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry unterstellt Präsident Bush, vor der OPEC in die Knie zu gehen. Und die hat gerade in Wien eine Senkung ihrer Ölfördermengen beschlossen. "Wir müssen den Druck auf die OPEC erhöhen, mehr Öl zu fördern. Es darf diesen Ländern nicht gestattet werden, die Weltwirtschaft zu unterminieren."

Das Dilemma ist offensichtlich: Die USA verbrauchen immer mehr Energie, ohne dass die Produktionskapazitäten steigen. Eine nationale Energiepolitik, so der Vorwurf von Ökonomen und Umweltschützern, gibt es bestenfalls in Ansätzen.

"Energiepolitik ist Flickschusterei"

Ein US-Präsident hat nur begrenzten Einfluss auf die Preispolitik der Ölkartelle. Also kontert das Bush-Lager lieber mit einer Anzeigenkampagne, die Kerry als einen Befürworter von höheren Benzinsteuern brandmarkt. "Wenn Kerrys Benzinsteuer Gesetz wäre, würde die amerikanische Durchschnittsfamilie im Jahr 657 Dollar mehr für Benzin ausgeben müssen." In der Tat hatte sich Kerry für einen Anstieg der Bezinsteuer um 50 Cent ausgesprochen. Doch das ist schon elf Jahre her.

Beinahe 70 Prozent aller US-Bürger sehen im Benzinpreis ein wichtiges Wahlkampfthema. Der Zusammenhang zwischen dem weiter steigenden Energiekonsum in den USA und beschränkten Ölreserven wird dabei nur selten thematisiert. Auch der Umstieg auf Autos mit niedrigerem Verbrauch kommt den Geländewagen verliebten Amerikanern kaum in den Sinn. Ein Energiegesetz, mit dem die amerikanische Abhängigkeit von Ölimporten langfristig reduziert werden soll, steckt seit Monaten im US-Kongress fest.

Fahrgemeinschaft

Paul Roberts, Autor mehrerer Sachbücher zum Thema Energieverbrauch: "Unsere Energiepolitik ist Flickschusterei. Das Problem ist noch nie grundsätzlich angegangen worden. Dazu fehlt offensichtlich die Bereitschaft." Bei weiter steigenden Preisen wird das Thema im US-Wahlkampf eine immer wichtigere Rolle spielen. Unwahrscheinlich jedoch ist, dass John Kerrys Vision Wirklichkeit wird: "Wenn die Preise weiter steigen, müssen Bush und Cheney bald eine Fahrgemeinschaft bilden, um zur Arbeit zu kommen."

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