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Wirtschaft

USA haben Klimaschutz verschlafen

Der amerikanische Umweltexperte James Hansen ist den Lobbygruppen in Washington ein Dorn im Auge. Er warnte schon in den 80er Jahren vor den Folgen des Klimawandels - und fordert jetzt eine Klimasteuer.

James E. Hansen, Direktor des NASA Goddard Institute for Space Studies (Foto: dpa)

In den USA ist der Klimawandel immer noch ein Reizwort, das oft zum politischen Eiertanz führt. Viele Amerikaner zweifeln an der raschen Veränderung des Klimas oder zumindest daran, dass sie durch den Menschen ausgelöst wird. Der Umweltexperte James Hansen war schon in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einer der ersten US-Wissenschaftler, der eindringlich vor dem Klimawandel gewarnt hat.

James Hansens Büro ist großräumig und vollgestellt mit schweren Holzmöbeln. Überall liegen Bücher und stapelweise wissenschaftliche Studien. An der Wand hängen Fotos von seinen Enkelkindern. "Das hier ist die Jüngste", sagt Hansen und zeigt auf eines der Bilder. "Auf dem Foto ist sie gerade mal zwei Tage alt." Hansen ist Direktor des Goddard Institutes der NASA in New York und Professor an der Columbia Universität. Er wolle seinen Enkeln keine Angst vor der Zukunft machen, aber er nutzte sie schamlos aus: "Um Erwachsene Menschen wachzurütteln."

Klimaschutz Nebensache

The White House in Washington (Foto: dapd)

Schauplatz Washington: Klimaschutz Nebensache

Denn es sei die Zukunft dieser jungen Menschen, die durch die Folgen des Klimawandels auf dem Spiel stehe. In den USA hätten viele Bürger die Erderwärmung immer noch nicht als Problem begriffen, dass angegangen werden muss. Zu viele andere Themen stehen dieser Tage auf der Agenda der Verantwortlichen. Neben der Finanzkrise, der Gesundheitsreform und dem Schuldendebakel sei der Klimaschutz in Washington in den vergangenen Monaten deutlich in den Hintergrund geraten.

Hansen ist enttäuscht, Präsident Obama habe seine besten Chancen verschlafen. "Als er ins Amt kam, war er so populär und euphorisch, da hätte er die Menschen über den Klimawandel aufklären müssen", sagt Hansen, "ihnen sagen müssen, welche Maßnahmen dringend nötig sind." Der Umweltexperte ist sicher, dass es die Öffentlichkeit dann auch verstanden hätte.

Nun sei es zu spät, nun müsse er seine Wiederwahl sichern. Keine Chance, solch ein umstrittenes Thema anzugehen. Dabei wäre es nicht nur um die Lösung der Klimafrage gegangen, sondern auch um die Energiesicherheit und die Abhängigkeit der USA von ausländischem Öl.

Gegen Emissionshandel

Präsident Barack Obama (Foto: dapd)

Präsident Obama: Nicht mehr stark genug für den Klimaschutz

Nur die C02-Reduzierung durch die Einführung von "Cap and Trade", also den Emissionshandel, ist in den USA noch nicht ganz vom Tisch. "Weil man damit Geld machen kann", meint Hansen. "Wir reden von einem Milliarden-Markt. Es gibt keine Möglichkeit, die großen Banken daran zu hindern, beim Emissionshandel mitzuspielen." Doch Banken gäben der Gesellschaft nicht genug ökonomischen Nutzen zurück, meint Hansen. "Sie werden spekulieren - auf Kosten der Bevölkerung, die die höheren Energiepreise zahlt."

Professor James Hansen war selbst einige Male in Washington, D.C. bei Klima-Demonstrationen mit dabei. Und wurde auch schon verhaftet. Lobbygruppen ist der Wissenschaftler ein Dorn im Auge. Aber nicht nur die kritisiert er. Die Umweltorganisationen trügen ihren Teil dazu bei, dass der Emissionshandel als Lösung populär bleibe. "Viele der Organisationen sind schon zu lange in Washington", sagt Hansen. Sie seien bereits Teil des Systems und wollten niemanden verärgern.

Für eine Klimasteuer

Ein Feuer brennt im offenen Kamin (Foto: dpa)

Fossile Brennstoffe: Ein Irrweg

Solange fossile Brennstoffe die billigste Energiequelle blieben, werde es irgendjemanden geben, der sie verbrennt. Dabei würden bei den Kosten Folgeaspekte wie Krankheiten und Umweltverschmutzung nicht mit einkalkuliert. Hansen sieht nur eine Lösung - eine Klimasteuer: "Man muss einen Preis für C02-Emissionen setzen, den die Energiefirmen einsammeln. Und das Geld muss dann zurück an die Bevölkerung gehen", meint Hansen. Nicht der Staat solle entscheiden, welche Alternativen gefördert würden, sondern die Nachfrage - und damit der Markt.

Schätzungen zufolge gibt die Öl- und Gasindustrie in Washington jährlich mehr als eine Milliarde US-Dollar für Lobbyarbeit aus. Demokratien, meint Hansen, in der Entscheider nur zwei bis sechs Jahre an der Macht sind, seien nicht funktional, wenn es um Klimafragen geht. "Wenn überhaupt noch schnell etwas geschehen kann, dann müsste China den Wandel anführen", sagt Hansen. China sei keine Demokratie, treffe rationale Entscheidungen und wolle langfristig unabhängig werden von fossilen Brennstoffen. Nicht zuletzt würden es Länder wie Indien oder auch China sein, die am drastischsten unter den Folgen des Klimawandels leiden werden.

Autorin: Miriam Braun, New York
Redaktion: Rolf Wenkel

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