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Afrika

USA greifen Islamisten in Somalia an

In Somalia hat eine US-Spezialeinheit einen ranghohen Al Quaida-Terroristen und seine Mitkämpfer getötet. Der Anti-Terror-Einsatz schwächt Islamisten kaum, gefährdet aber amerikanische Interessen in Ostafrika

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Zwei US-Kampfhubschrauber griffen Terrorverdächtige in Somalia an

Unter dem Codenamen "Celestial Balance" lief am Montag (14.09.2009) die Operation der USA gegen den Kenianer Saleh Ali Saleh Nabhan und seine Mitstreiter. Übersetzen lässt sich Balance je nach Kontext verschiedentlich: So könnten die Amerikaner eine "Restschuld" für frühere Terror-Anschläge eingefordert, oder aber auch die "Ausgeglichenheit" der militärischen Stärke wiederhergestellt haben. Laut Darstellung westlicher Geheimdienste und ungenannter US-Militärquellen fuhren der Terrorverdächtige, sechs nicht-somalische sowie einige lokale Extremisten von der Küstenstadt Merka nach Kismayo, einem Hauptsitz der Islamisten in Somalia. Auf dem Weg nach Kismayo wurde das Auto des Terrorverdächtigen von mindestens zwei Kampfhubschraubern der Marke AH-6 Little Bird, die von einem US-Kriegsschiff vor der Küste aufgestiegen waren, unter Beschuss genommen.

Treibende Kraft oder unbedeutende Figur?

Saleh Ali Saleh Nabhan (Foto:AP)

Haupt- oder Nebenfigur? Saleh Ali Saleh Nabhan

Washington verdächtigt den 28-jährigen Nabhan, einer der treibenden Kräfte hinter der Rekrutierung von etwa 500 ausländischen Jihadisten zu sein, die Geheimdienste inzwischen in Somalia vermuten. Rashdi Abdi, Somalia-Experte der "International Crisis Group" in Nairobi, hält den Kenianer dagegen für eine nachrangige Figur. "Viele Beobachter sagen, Nabhan sei kein wichtiger Player und eher ein Gast von Shabab gewesen", sagt Abdi. Der Tod des Terrorverdächtigen werde daher wohl kaum Auswirkungen auf die militärische Schlagkraft von Al Shabab haben. Die USA befürchten, dass die Nabhan nahe stehende somalische Extremistengruppe Al Shabab im Grenzgebiet zwischen Somalia und Kenia einen Brückenkopf für das Terrornetzwerk Al Qaida errichtet - ähnlich wie in unwegsamen Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan Rashid Abdi hält Vergleiche mit Afghanistan und Pakistan dagegen für weit überzogen. Man könne die Situation in Afghanistan und Pakistan auf keinen Fall mit der in Somalia vergleichen, sagt der Somalia-Experte. "In Somalia ist die Präsenz von Al Qaida sehr gering. Ebenso die Terrorgefahr, die von Somalia ausgeht. Solch ein Szenario ist in meinen Augen etwas weit hergeholt."

Die Angst vor dem Terror

somalische Islamisten(Foto:AP)

Von den USA gefürchtet - somalische Extremisten

Unter dem Trauma von 9/11 fürchtet die Obama-Administration nicht nur, dass Somalia zu einem Rückzugsgebiet internationaler Terroristen wird. Sie hat vor allem Angst vor einem Export des Terrors auf amerikanischen Boden. Die Inlandsgeheimdienste haben beobachtet, dass in Minneapolis, der größten somalischen Exilgemeinde in den USA, seit Monaten junge Somalis für eine Terrorausbildung am Horn von Afrika angeworben werden. Wie groß die Angst der US-Regierung vor Anschlägen somalischer Jihadisten ist, zeigt die Tatsache, dass bei der Vereidigung von Präsident Obama Angriffe somalischer Extremisten als größtes Sicherheitsrisiko eingestuft wurden. Auch der britische Geheimdienst M15 warnte zu Wochenbeginn vor der andauernden Rekrutierung von Briten somalischer Herkunft für Terroranschläge. Die USA hatten bereits im März 2008 an der kenianischen Grenze Luftangriffe gegen Nabhan geflogen, ihn damals aber nicht treffen können. Dagegen töteten sie Anfang Mai 2008 den militärischen Führer der Al-Shabab, Aden Hashi Ayro, bei einem gezielten Luftangriff.

Politische statt militärische Lösung

Zerstörtes Haus Somalia(Foto:AP)

Somalia ist von Kämpfen gezeichnet, die Bevölkerung leidet

Die Operation vom Montag könnte die ohnehin brisante Lage in Somalia weiter verschärfen und anti-amerikanische Gefühle in dem muslimischen Land nähren. Auch, wenn sich erste Meldungen bezüglich ziviler Opfer des Luftangriffes als falsch herausstellen sollten. Al Shabab hat bereits Vergeltungsschläge angekündigt. Am Donnerstag (17.09.2009) machte die radikalislamische Al Shabab-Miliz dann ihre Drohungen wahr und verübte in Mogadischu, der Hauptstadt Somalias, einen Anschlag auf die Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU). Augenzeugenberichten zufolge seien zwei Fahrzeuge mit UN-Logo auf dem Flughafen Mogadischu explodiert. Eine genaue Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt. Mögliche Vergeltungsschläge könnten sich dabei nicht auf Somalia beschränken, sondern vor allem Nairobi treffen, das einen Großteil der somalischen Parlamentarier und das politische Büro der UN für Somalia beherbergt. Der UN-Sondergesandte für Somalia, Ould-Abdulla, ist der Al Shabab ohnehin ein rotes Tuch. Doch vor allem amerikanische Interessen sind nun einmal mehr in Gefahr, glaubt Rashid Abdi. "Die Amerikaner sollten die Drohung von Shabab, westliche und vor allem amerikanische Ziele ins Visier zu nehmen, nicht auf die leichte Schulter nehmen." Wie die meisten Somalia-Beobachter fordert auch Rashid Abdi statt einer militärischen eine politische Lösung für den "failed state" Somalia. Daran sei jedoch derzeit noch nicht zu denken, denn es gebe keinen politischen Fortschritt und die Übergangsregierung sei sehr schwach, bedauert Abdi. Zwar seien die Aufständischen wegen der Präsenz der afrikanischen Friedenssoldaten noch nicht in der Lage, die Regierung militärisch zu unterstützen. Die Situation aber sei festgefahren und unhaltbar, denn sie vergrößere das Leid der Somalis, sagt der Somalia-Experte Rashid Abdi. "Es ist höchste Zeit, für beide Seiten, im Dialog eine politische Lösung herbeizuführen."

Autor: Ludger Schadomsky

Redaktion: Michaela Paul

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