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Aktuell Nahost

USA greifen "Islamischen Staat" in Syrien an

Angekündigte Schläge: Die USA führen den Kampf gegen die Terrormiliz IS nun auch in Syrien. Arabische Verbündete kämpfen mit. Das zerrüttete Land muss sich auf eine neue Zerreißprobe einstellen.

Die Vereinigten Staaten haben ihre Drohungen wahr gemacht. In der Nacht zum Dienstag haben sie mit Angriffen gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien begonnen. Das US-Militär und die Streitkräfte von Partnerländern hätten die Extremisten bombardiert, teilte Pentagonsprecher John Kirby mit. Den Befehl habe US-Präsident Barack Obama als Oberbefehlshaber der Streitkräfte gegeben.

Während Jordanien inzwischen seine Beteiligung offiziell bestätigt hat, soll es sich nach Informationen der "Washington Post" bei den weiteren Verbündeten um Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain handeln. Diese seien "volle Teilnehmer", zitierte das Blatt einen namentlich nicht genannten Angehörigen des Militärs. Laut CNN soll auch das Golfemirat Katar beteiligt sein. Zuletzt hatte US-Außenminister John Kerry versucht, Staaten im arabischen Raum für Angriffe gegen IS an der Seite der USA zu gewinnen.

Syrien war im Bilde

Syriens Regierung ist nach eigenen Angaben vor dem Beginn der Bombardements von Washington informiert worden. Die Vereinigten Staaten hätten den syrischen UN-Botschafter vorab ins Bild gesetzt, erklärte das Außenministerium in Damaskus.

Die "New York Times" meldet unter Berufung auf US-Regierungsbeamte, dass sich die Attacken auf IS-Stellungen in der nordsyrischen Provinz Rakka konzentrierten, wo die radikalsunnitischen Extremisten eine ihrer Hochburgen haben. Bewohner der gleichnamigen Stadt berichten auf Twitter von schweren Explosionen und wiederholten Überflügen von Militärflugzeugen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London bestätigt diese Angaben. Danach wurden bei den Angriffen mindestens 30 IS-Kämpfer getötet. Außerdem sollen zahlreiche Angehörige der Al-Nusra-Front, die Al Kaida nahesteht, sowie Mitglieder der radikalen Chorasan-Gruppe getötet worden sein.

Syrien IS Kämpfer in Raqqa

Aufruf zum Dschihad: IS-Terroristen im syrischen Rakka (Archivbild)

Kampfjets und Drohnen

Mit von See aus abgeschossenen Tomahawk-Marschflugkörpern habe der Angriff begonnen und sei dann mit Flugzeugen fortgesetzt worden, sagte ein hochrangiger Angehöriger des Militärs dem Fernsehsender CNN. Dem "New York Times"-Bericht zufolge wurden auch "Predator"- und "Reaper"-Kampfdrohnen eingesetzt. Zur genauen Zahl der Angriffe machte das US-Verteidigungsministerium keine Angaben.

Obama hatte seinen Entschluss, die Anfang August begonnenen Luftangriffe im Irak auf das benachbarte Syrien auszuweiten, vor zwei Wochen in einer Rede an die Nation verkündet. Im Irak kommen die USA bereits auf nahezu 200 Luftschläge.

Blutiger Bürgerkrieg

Anders als im Irak, wo sich die USA von der neuen Regierung politischen Rückhalt für ihre Militäroffensive erhoffen, befindet sich das benachbarte Syrien seit mehr als drei Jahren in einem blutigen Bürgerkrieg. Während das US-Militär

die "gemäßigten" Rebellen nun auch ausbilden und mit Waffen ausrüsten

soll, hat Obama eine Zusammenarbeit mit Präsident Baschar al-Assad ausgeschlossen.

Gemeinsam mit der Trainingsmission für die Rebellen hoffen die USA, die Extremisten nach und nach zurückzudrängen. CIA-Schätzungen zufolge zählt der IS bis zu 31.000 Kämpfer. Beobachter in Washington sind sich einig, dass der Anti-IS-Kampf viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Selbst Obama hatte die Amerikaner auf einen langen Einsatz eingestimmt. Eine Entsendung bewaffneter US-Kampftruppen am Boden hat er immer wieder ausgeschlossen.

jj/as (dpa, rtr, afp)