1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Welt

USA geben Opferzahl von Drohnenangriffen preis

Militärs versprechen "chirurgische Präzision". Doch in Wahrheit werden bei Drohnenangriffen immer wieder unschuldige Zivilisten getötet. Jetzt nennt die Weltmacht Nummer eins Zahlen - die prompt angezweifelt werden.

Kampfbereit: US-Drohne des Modells MQ-9 Reaper (Sensenmann) (Foto: Reuters)

Kampfbereit: US-Drohne des Modells MQ-9 Reaper, zu deutsch: "Sensenmann" (Archivbild)

Die USA haben nach eigenen Angaben bei Drohnenangriffen außerhalb der Krisengebiete Afghanistan, Irak und Syrien in den vergangenen Jahren bis zu 116 Zivilisten getötet. Dies geht aus einem Bericht des US-Geheimdienstkoordinators James Clapper hervor. Es ist das erste Mal, dass die Regierung Zahlen zu Luftangriffen außerhalb der Hauptkampfgebiete publik macht.

Der Bericht, der auf eine Zusage von Präsident Barack Obama zurückgeht, umfasst den Zeitraum 2009 bis Ende 2015. Bei 473 Angriffen wurden demnach außer den aufgeführten Zivilisten fast 2600 "Kämpfer" getötet. Fast alle Angriffe wurden von Drohnen, einige wenige auch von Flugzeugen oder Marschflugkörpern ausgeführt.

"Wir haben genauere Angaben"

Die Zahlen sind nicht nach einzelnen Ländern aufgeschlüsselt. Sie liegen vor allem für zivile Opfer um viele hundert unter den Angaben von Menschenrechtsgruppen. Diese nennen für Länder wie Pakistan, Somalia, Libyen und den Jemen zwischen 200 und 900 getötete Zivilisten. Der Bericht der US-Regierung geht auf diese Diskrepanz ein und versucht sie zum einen damit zu erklären, dass die NGOs möglicherweise Zahlen getöteter Kämpfer und Zivilisten vermischt hätten. Zum anderen habe man genauere Angaben.

MQ-9 Reaper Drohne Drohnenkrieg Ziel Drohnenangriff

Monitorbild, das der Steuermann einer MQ-9-Reaper Kampfdrohne am Boden sieht (Archivbild)

Afghanistan, Irak und Syrien seien als Schauplätze aktueller Kampfhandlungen ausgeblendet worden, heißt es in dem Papier. Obama, dem Kampfhandlungen alter Prägung etwa auf Schlachtfeldern ein Gräuel sind, wird für die Politik der Drohnenangriffe seit Jahren kritisiert, unter anderem wegen der hohen Zahl ziviler Opfer und oft unklarer Rechtslage.

Die Attacken mit unbemannten, ferngesteuerten Fluggeräten, die unter Obamas Präsidentschaft massiv ausgeweitet wurden, belasten auch die Beziehungen zu anderen Ländern wie Pakistan. Nach Erkenntnissen der Stiftung New America verfügen die Vereinigten Staaten über mehr als 7000 Drohnen, von denen 200 mit Waffen ausgerüstet sind.

"Schutz von Unbeteiligten hat Vorrang"

Wohl auch als Reaktion auf Kritik erließ Obama jetzt eine Anordnung, die dem Schutz von Unbeteiligten bei solchen Angriffen Vorrang einräumt. Sie umfasst auch Reparationen für die Familien getöteter Zivilisten. Dieser Erlass geht indes nicht über praktizierte oder zumindest angestrebte US-Politik hinaus. Obamas Sprecher Josh Earnest sagte: "Der Präsident glaubt, dass unsere Anti-Terror-Strategie effektiver und glaubwürdiger ist, wenn wir sie so transparent wie möglich halten."

Amnesty International begrüßte die Veröffentlichung als einen Schritt zu mehr Transparenz, kritisierte aber, dass eine Analyse dadurch erschwert sei, dass die Kriterien für den Begriff "Zivilist" nicht erläutert würden. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung - der Freitagnachmittag vor dem langen Wochenende mit dem US-Nationalfeiertag am Montag - legt jedenfalls nahe, dass das Weiße Haus harsche Kritik an der Aufstellung erwartet.

jj/fab (dpa, afp)