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Aktuell Welt

USA fordern Klarheit über Kunstschatz

Im Falle des Münchner Kunstfundes drängen die USA nach einem Zeitungsbericht auf mehr Transparenz. Die Bundesregierung will die Recherchen beschleunigen.

Deutschland müsse ganz offen handeln und dafür sorgen, dass die Gemälde an die rechtmäßigen Eigentümer übergeben werden, zitiert die US-Zeitung "Wall Street Journal" einen nicht näher bezeichneten Mitarbeiter des Außenministeriums in Washington. In den USA sei man besorgt, dass die Rückführung auf juristische Probleme stoßen könne.

Unter den rund 1400 Bildern, die im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen den Rentner Cornelius Gurlitt vom Zoll in München beschlagnahmt wurden, werden auch von den Nationalsozialisten geraubte Kunstwerke vermutet, die verfolgten Juden gehörten.

Sie wurden vermutlich von Gurlitts Vater Hildebrand zusammengetragen, der im NS-Kunsthandel eine zentrale Figur war. Zu den entdeckten Bilder gehören Werke der klassischen Moderne von unschätzbarem Wert, etwa Gemälde von Picasso, Chagall, Nolde, Beckamnn oder Marc. (Das Artikelbild zeigt Marcs "Landschaft mit Pferden"). Sie waren von den Nationalsozialisten als "entartete Kunst" diffamiert worden. Welche dieser Kunstwerke von den Nazis in Museen, Galerien oder bei Sammlern beschlagnahmt und zum Verkauf an Hildebrand Gurlitt übergeben worden waren oder welche Gurlitt selbst vor oder nach 1945 gekauft hatte, ist unklar.

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Offene Fragen in Münchner Kunstkrimi

Im "Wall Street Journal" heißt es weiter, die USA würden Deutschland zu einer Änderung der Gesetzeslage drängen. Regelungen, nach denen nach 30 Jahren eine Verjährung wirksam werden könne, müssten angepasst werden. Zudem könnten die deutschen Justizbehörden die Washingtoner Erklärung von 1998, die die Rückführung von Beutekunst regelt, verletzt haben. Das bezieht sich vor allem darauf, dass die deutschen Ermittlungsbehörden den Kunstfund lange nicht öffentlich gemacht hatten.

Die Behörde des scheidenden Kulturstaatsministers Bernd Neumann, CDU, in Berlin kündigte an, es wolle sich für eine rasche Aufklärung des spektakulären Kunstfunds einsetzen. Man stehe in Verhandlungen mit der bayerischen Staatsregierung, um Möglichkeiten zu einer Beschleunigung der Recherchearbeit auszuloten, sagte Pressesprecher Hagen Philipp Wolf der Deutschen Presseagentur. Sein Haus wolle sich nachdrücklich dafür einsetzen, dass Fotos der Bilder veröffentlicht würden, sobald es belastbare Indizien für eine unklare Herkunft des jeweiligen Werks gebe, so Wolf. Dies solle unabhängig vom laufenden Strafverfahren gegen Cornelius Gurlitt geschehen. Bisher lehnt es die zuständige Augsburger Staatsanwaltschaft ab, Fotos aller beschlagnahmten Werke zu veröffentlichen.

In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird bereits über Konsequenzen aus dem Münchner Kunstfund nachgedacht. "Wir müssen Regeln treffen, dass Raubkunst von Privatbesitzern nicht ins Ausland gebracht werden kann. Und wir müssen Wege finden, wie die eigentlichen Eigentümer beziehungsweise ihre Erben ihre Kulturgüter zurückerhalten können", sagte Vize-Fraktionschef Michael Kretschmer der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Der Abgeordnete ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe Kultur bei den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD.

"Rückgabe nicht leicht"

Eine Rückgabe der Gemälde sei wegen der abgelaufenen Verjährungsfrist nicht leicht, sagte Kretschmer. Die Empörung und der Wille, alle juristischen Möglichkeiten auszureizen, sei bei den Abgeordneten groß. Bislang sei man davon ausgegangen, dass das Thema vor allem Museen betreffe. "Wir haben nicht geahnt, in welchem Umfang sich Nazi-Raubkunst bis heute in Privatbesitz befindet," sagte der CDU-Politiker.

wl/kle (dpa)

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