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Asien

USA eröffnen "virtuelle" Botschaft für den Iran

Mehr als 30 Jahre nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen haben die USA im Internet eine diplomatische Vertretung für den Iran eröffnet. Die Webseite wurde dort sofort gesperrt. Die User reagiert unterschiedlich.

Die virtuelle US-Botschaft für den Iran. (Screenshot von iran.usembasy.gov)

Die virtuelle US-Botschaft für den Iran

Genau um 17:15 Uhr am Dienstag (7.12.2011) veröffentlichte das amerikanische Außenministerium eine neue Nachricht auf ihrer persischsprachigen Facebook-Seite: "Das Versprechen ist eingelöst! Warten Sie auf weitere Nachrichten."

Vor zwei Monaten hatte US-Außenministerin Hillary Clinton in einem Interview den Iranern zugesagt, eine virtuelle Botschaft für die iranische Bevölkerung zu eröffnen. Auf dieses Versprechen bezog sich die Nachricht.

Seit der Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran und der Geiselnahme von US-Bürgern im Jahr 1979 haben die USA keine feste diplomatische Vertretung mehr im Land. Mehr als 30 Jahre später solle mit den neuen technischen Möglichkeiten das gegenseitige Verständnis verbessert werden, sagte Außenministerin Hillary Clinton in einer Video-Mitteilung. Sie hoffe, die Internet-Botschaft ermögliche es Iranern und Amerikanern, "offen und ohne Angst miteinander zu kommunizieren."

"Eine blockierte Botschaft braucht man nicht zu besetzen"

Die Internet-Seite wendet sich mit Informationen in englischer und persischer Sprache an das iranische Volk. Bereits wenige Stunden nach der Eröffnung der Seite reagierten mehr als tausend Facebook-Nutzer, indem sie auf den "Gefällt mir"-Button klickten.

Die Nachricht von der virtuellen Botschaft verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer. Kommentiert wird sie sehr unterschiedlich. Farshad aus Teheran etwa schreibt: "Schön! Diese Botschaft braucht man gar nicht erst zu besetzen. Sie ist blockiert."

Die angestrebte offene Kommunikation währte allerdings nur kurz. Die Internetseite wurde im Iran schnell blockiert. Überraschend war das nicht. Doch bekanntlich kennen viele iranische Internet-User Wege, die regierungsamtliche Zensur zu umgehen.

Iranische Internetnutzer reagieren unterschiedlich. (Foto: DW/dpa)

Iranische Internetnutzer reagieren unterschiedlich.

Angst vor Cyber-Attacken der iranischen Regierung

Sima, ein anderer Facebook-User aus dem Iran fragt besorgt: "Wie vertrauenswürdig ist diese virtuelle Botschaft eigentlich?" Viele User im Iran habe Angst vor Cyber-Attacken der Regierung – und davor, dass ihre Identität ausgespäht und an die Behörden weiter geleitet wird. Eine Kommunikation mit amerikanischen Behörden auf der neuen Internetseite könnte gefährlich sein.

Zeitgleich mit der Eröffnung der Seite bat der Sprecher des US-Außenministeriums, Alan Eyre, in einem Video im Internet um Anregungen und Kritik.

In einem Interview mit der Deutschen Welle beschrieb er das Ziel der virtuellen Botschaft für Iran so: "Sie bietet die Möglichkeit mit dem iranischen Volk zu kommunizieren und sorgt für Transparenz und Verständigung zwischen uns und dem iranischen Volk."

Die klassischen Verwaltungsaufgaben einer diplomatischen Vertretung werden aber nicht übernommen.

Die virtuelle Botschaft wird im Iran sofort gesperrt. (Foto: Fars)

Die "virtuelle" Botschaft wird im Iran sofort gesperrt.

Zum Scheitern verurteilt?

Das neue Portal erläutert unter anderem die Iran-Politik der US-Regierung in englischer und persischer Sprache. Die virtuelle Botschaft informiert außerdem über US- Einreisebestimmungen und gibt Hilfen zum Austausch über soziale Netzwerke.

Für konkrete Anliegen, wie zum Beispiel Visa-Anträge, müssen die Iraner allerdings auch weiterhin zu Botschaften in den Nachbarländern reisen. Daran wird sich zunächst auch nicht viel ändern. Facebook-Userin Samira spottet: "Eine virtuelle Botschaft! Was sollen wir nun mit so viel Glück anfangen?"

Doch allein der Informationsaustausch mit dem iranischen Volk erscheint der iranischen Regierung schon gefährlich genug. Sie wirft den USA Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Iran vor. Einige Abgeordnete verurteilen die virtuelle Botschaft als "Spionageversuch".

Parlamentssprecher Ali Laridschani sieht hinter der Internetseite sogar ein Komplott einer "jüdischen Lobby" in den USA. Deren Pläne zur Einflussnahme seien jedoch "zum Scheitern verurteilt" verkündet Laridschani.

User Alireza macht auf Facebook deshalb einen sarkastischen Gegenvorschlag: "Liebe revolutionäre Studenten: Antwortet auf diese Beleidigung! Greift euren Computer an! Schlagt erst auf den Monitor und werft dann alles aus dem Fenster!"

Autorin: Shabnam Nourian

Redaktion: Sybille Golte-Schröder