USA eröffnen ″Botschaft″ mit 500 Mitarbeitern in Taiwan | Aktuell Welt | DW | 12.06.2018
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USA und Taiwan

USA eröffnen "Botschaft" mit 500 Mitarbeitern in Taiwan

Offiziell gehört die Einrichtung zum American Institute of Taiwan. Nach Einschätzung politischer Beobachter handelt es sich aber um eine Quasi-Botschaft der USA. Es dürfte einleuchten, dass China not amused ist.

Am Rednerpult: Marie Royce, die für Bildung und Kultur zuständige Ministerialdirektorin im US-Außenministerium (Foto: picture-alliance/dpaC. Ying-Ying)

Am Rednerpult: Marie Royce, die für Bildung und Kultur zuständige Ministerialdirektorin im US-Außenministerium

Die taiwanesische Präsidentin Tsai Ing-wen sagte, dass der neue, 256 Millionen Dollar teure Komplex eine Bekräftigung des Engagements beider Seiten für eine "lebenswichtige Beziehung" sei. "Die Freundschaft zwischen Taiwan und den USA war noch nie vielversprechender", so Tsai weiter.

Marie Royce, die für Bildung und Kultur zuständige Ministerialdirektorin im US-Außenministerium, sagte bei der Eröffnungszeremonie, die Repräsentanz ihres Landes in der Hauptstadt Taipeh mit rund 500 Mitarbeitern sei ein Symbol für die Stärke und Lebendigkeit der Partnerschaft beider Länder. Royce ist die ranghöchste Vertreterin Washingtons, die seit 2015 die Republik China, wie Taiwan offiziell genannt wird, besucht. Washington hatte 1979 die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abgebrochen, ist aber weiterhin der stärkste Verbündete der Inselrepublik vor der Küste Chinas und der einzige ausländische Waffenlieferant.

AIT-Direktor Kin Moy (Zweiter von rechts) und Mitarbeiter bei der Eröffnungszeremonie (Foto: picture-alliance/dpaC. Ying-Ying)

AIT-Direktor Kin Moy (Zweiter von rechts) und Mitarbeiter bei der Eröffnungszeremonie

Die Volksrepublik China reagierte verstimmt auf die Eröffnung der AIT-Einrichtung. Das Pekinger Außenministerium rief die Vereinigten Staaten dazu auf, ihre Versprechen gegenüber China in der Taiwan-Frage "peinlich genau einzuhalten und ihre falschen Handlungen zu korrigieren". Der Gegensatz zwischen Peking und Taipeh ist seit der Wahl von Präsidentin Tsai 2016 noch gewachsen. Die Führung der Volksrepublik befürchtet, dass Tsai auf eine formelle Unabhängigkeit drängen will. Dies würde einen Bruch der "Ein-China-Politik" bedeuten.

Taiwan sieht sich selbst als souveränen demokratischen Staat, hat sich aber nie offiziell unabhängig von China erklärt. Die Volksrepublik wiederum betrachtet Taiwan als Teil seines Staatsgebiets und strebt eine Wiedervereinigung zu seinen Bedingungen an.

Der 256 Millionen Dollar teure Bau des American Institute of Taiwan in der Hauptstadt Taipeh (Foto: Getty Images/AFP/S. Yeh)

Der 256 Millionen Dollar teure Bau des American Institute of Taiwan in der Hauptstadt Taipeh

Die tiefe Kluft zwischen den beiden Ländern ist eine Folge des blutigen chinesischen Bürgerkriegs, der 1949 endete. Nach dem Sieg der Kommunisten um Mao Tse-tung flohen die mit ihnen verfeindeten Kuomintang-Nationalisten auf die dem chinesischen Festland vorgelagerte Insel Taiwan wodurch Taiwan zum alleinigen Territorium der Republik China wurde. Die Zahl der Länder, die Taiwan offiziell anerkennen, ist in den vergangenen Jahrzehnten aber immer kleiner geworden. Derzeit sind es noch 18 Staaten -  zehn Länder in Lateinamerika und der Karibik, einer in Afrika, sechs kleine Inselstaaten im Pazifik sowie der Vatikan.

sti/ar/fab (ap, rtr, afp)

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