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Aktuell Nahost

USA empört über Entführung eines israelischen Soldaten

Als "barbarische Verletzung der Waffenruhe" haben die USA die Entführung eines israelischen Soldaten verurteilt. Damit sei die Hamas für den Abbruch der Feuerpause verantwortlich.

Die US-Regierung sieht die Schuld für das Scheitern der Waffenruhe im Gazastreifen bei der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas. US-Regierungssprecher Josh Earnest bezeichnete die Entführung eines israelischen Soldaten im Fernsehsender CNN als "barbarische Verletzung" der Waffenruhe. Der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Tony Blinken sagte dem Kanal MSNBC: "Das ist eine empörende Aktion." US-Außenminister John Kerry forderte von der Hamas die sofortige und bedingungslose Freilassung des vermissten Soldaten.

Ähnlich ließ sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zitieren. Ein Sprecher sagte, Ban sei "schockiert und zutiefst enttäuscht" und rufe beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Die Vereinten Nationen hätten keine Möglichkeit, die exakten Hintergründe festzustellen, man sei jedoch besorgt über den Tod zweier israelischer Soldaten und die Entführung eines dritten. Ban sieht "eine schwere Verletzung der Waffenruhe, die vermutlich ernste Folgen für die Menschen in Gaza, in Israel und darüber hinaus haben wird". Er sei aber auch zutiefst beunruhigt über den Tod von 70 Palästinensern durch israelische Angriffe.

Selbstmordattacke bei Tunneleinsatz

Weniger als zwei Stunden hatte die Waffenruhe im Gazastreifen gehalten, die eigentlich für drei Tage angesetzt war und die Bergung von Toten und Verletzten ermöglichen sollte. Die israelische Armee begründete die Fortsetzung ihrer Bodenoffensive damit, dass im Süden des Gazastreifens bei einem Einsatz zur Zerstörung von Tunneln der Hamas ein Soldat entführt worden sei. Ein Selbstmordattentäter habe die Armeeeinheit des 23-jährigen Leutnants Hadar Goldin attackiert. Dabei seien zwei weitere Soldaten getötet und Goldin verschleppt worden. Demnach erfolgte die Entführung anderthalb Stunden nach Beginn der zuvor unter Vermittlung der UN und der USA ausgehandelten Waffenruhe.

Eine mobile israelische Artilleriekanone feuert auf den Gazastreifen (Foto: Reuters)

Ende der Feuerpause nach weniger als zwei Stunden

Die Kassam-Brigaden, der bewaffnete Arm der Hamas, bestätigten die Gefangennahme des Soldaten, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtet. Die militanten Islamisten behaupteten zugleich, dass ihnen der Soldat bei Kämpfen eine Stunde vor Inkrafttreten der Waffenruhe in die Hände gefallen sei. Zuletzt hatte die Hamas im Jahr 2006 den israelischen Soldaten Gilad Schalit entführt, der erst nach fünf Jahren im Tausch gegen mehr als tausend palästinensische Gefangene freigelassen wurde.

Die israelische Armee leitete eine umfassende Suchaktion nach Leutnant Goldin ein. Israelische Fernsehsender zeigten Panzer, die in den Gazastreifen einfuhren. Laut dem Palästinenserhilfswerk der Vereinten Nationen UNRWA ist die Lage der Zivilbevölkerung in dem blockierten und dicht besiedelten Küstengebiet katastrophal. Im Gebiet um Rafah, wo die Entführung geschah, flammten neue Kämpfe auf. Nach Angaben palästinensischer Ärzte und Augenzeugen wurden bei neuen israelischen Angriffen rund 70 Palästinenser getötet und 250 verletzt. Aus dem Gazastreifen wurden mindestens acht Raketen auf Israel abgefeuert.

Der US-Senat hat unterdessen 225 Millionen Dollar (168 Millionen Euro) zur Verstärkung des israelischen Raketenabwehrsystems "Eisenkuppel" bewilligt. Die Entscheidung fiel einstimmig. "Wir senden eine klare Botschaft an die Hamas, dass ihre terroristischen Taktiken und ihre Versuche, die israelische Bevölkerung zu terrorisieren, keinen Erfolg haben werden", sagte der Fraktionschef der Republikaner, Mitch McConnell, in Washington.

jj/uh (dpa, afp)