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Fußball

USA - Das Land mit den meisten Fußballerinnen

Anders als die Männer sind die US-amerikanischen Fußballfrauen international sehr erfolgreich. Und nirgendwo auf der Welt spielen so viele Mädchen Fußball wie hier. Das hat seinen Grund.

Molly Hannan spielt seit zehn Jahren Fußball. Foto: Christina Bergmann, Virginia, April 2011-04-20

Es hat den ganzen Tag geregnet, und so muss das Training der "Elite Blue" an diesem Dienstag Nachmittag in der Halle stattfinden. Unter dem gewölbten Blechdach etwas südlich der US-Hauptstadt Washington flirrt das Neonlicht, auf dem Kunstrasen spielen sich die zwei Dutzend Mädchen die Bälle zu. Zweimal in der Woche wird trainiert, die Liga-Spiele sind am Wochenende.

Die 14-Jährige Molly hat mehrere Jahre in Deutschland gelebt. Dort, erzählt sie, hätten die Leute meist gestaunt, wenn sie von ihrem Hobby erzählte. "Die meisten meiner Freundinnen in Deutschland spielen Tennis oder Hockey." In den USA dagegen wundert sich niemand, wenn ein Mädchen Fußball spielt. 2006 waren fast 1,7 Millionen Mädchen und Frauen in Fußballvereinen aktiv, so viele wie in keinem anderen Land der Welt. 35 Prozent der registrierten Vereinsmitglieder sind weiblich.

Wie die Mutter so die Tochter

Fußballtraining von Mädchen in den USA

Training amerikanischer Mädchen

In jeder ihrer Kurse in der Schule gebe es mindestens ein Mädchen, erzählt Molly, das auch Fußball spielt. Ihre Position ist im Moment im Mittelfeld, aber sie hat auch schon in der Verteidigung und im Sturm gespielt. Warum ausgerechnet Fußball? "Meine Hand-Augen-Koordination ist nicht besonders gut, da würde Fußball ganz gut passen." Außerdem habe ihr der Sport schon als kleines Kind viel Spaß gemacht, sagt sie, "und deswegen mache ich es weiter."

Ihre Mutter Lori meint, das Mädchen im Fußball Aggressionen ausleben können, die man ihnen sonst nicht zugesteht. Sie ist stolz, dass ihre Tochter in ihre Fußstapfen getreten ist. Denn auch Lori Hannan hat zehn Jahre Fußball gespielt, angefangen hat sie, als sie acht Jahre alt war, denn:"Es war etwas neues und interessantes und damals konnten Mädchen in den USA nicht zwischen vielen Mannschaftssportarten wählen."

Frauensport gesetzlich gefördert

Nach Ansicht von Daniel Flynn, dem Generalsekretär der US Soccer Federation, kommen der Erfolg und die Beliebtheit von Mädchen- und Frauenfußball nicht von ungefähr. 1972 trat "Title IX" in Kraft. Das Gesetz verbietet Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in Schulen und Universitäten, die öffentliche Gelder bekommen, und zwar in allen Fächern– also auch im Sport. "Das", sagt Flynn, "hat das Interesse am Frauensport geweckt." Und Fußball habe einen Vorsprung gehabt, weil es besser organisiert gewesen sei, als andere Sportarten."

Als die Fifa mit der ersten Frauen-Fußball-WM 1991 in China einen großen Erfolg erzielte, hätten auch die Mädchen in den USA gesehen, dass Frauenfußball international anerkannt wird, so Flynn weiter. Und die Schulen spielen eine wichtige Rolle, erklärt Flynn: "In unserem Land sind die Kinder emotional sehr eng mit den Sportmannschaften ihrer Schule oder Universität verbunden." College-Stipendien für gute Fußballspielerinnen sind ein großer Ansporn und Fußball ist bei den jungen Frauen der beliebteste Sport im College und auf der Universität.

Das Gesicht des Frauenfußballs

Der amerikanische Fußballstar Mia Hamm Foto: Christina Bergmann, Washington, DC, März 2011

Das amerikanische Fußball-Idol Mia Hamm

Hinzu kam dann die Frau, die auch für Molly und Lori Hannan die Ausnahmefußballspielerin und DAS Gesicht des US-Fußballs ist: Mia Hamm. Sie war 15, als sie 1987 zum ersten Mal das Trikot der Nationalmannschaft überzog. Was hat die zierliche Stürmerin, die mit ihrer Mannschaft die olympische Goldmedaille holte, zum Fußball gebracht? "Als ich angefangen habe zu spielen", erklärt sie, "war es ein relativ preiswertes Hobby." Bei fünf Geschwistern war das ein wichtiger Punkt. Außerdem kann man auch als kleine, zierliche Person Erfolg haben. Das gelte für Frauen wie für Männer, fährt Hamm fort: "Lionel Messi ist der beste Spieler der Welt – und er ist vielleicht drei Zentimeter größer als ich."

Mia Hamm hat eine Stiftung gegründet, die unter anderem Mädchen im Sport unterstützt. Denn trotz der gesetzlichen Regelung herrscht noch längst keine Gleichberechtigung zwischen Männer- und Frauensport in den USA. Das gilt auch für den Fußball. Die öffentliche Wahrnehmung dominieren Baseball und Football.

Trotz des Erfolges zu wenig Vorbilder

die verletzte Nachwuchsspielerin Mallory Stathis Foto: Christina Bergmann, Virginia, April 2011

Auch Mädchenfußball hinterläßt Spuren - Nachwuchsspielerin Mallory ist verletzt

Mollys Trainer Ryan Alexander beklagt: "Das Problem mit den Mädchen ist, dass sie sich so wenig Spiele ansehen." Zum einen, sagt er, weil Fußball für sie vor allem eine Gelegenheit sei, Freundinnen zu treffen, zum anderen aber auch, weil nur wenige Spiele im Fernsehen übertragen werden oder live zu sehen sind. "In Europa ist das anders, da kann man überall Fußball schauen, hier ist das selbst für die Jungs nicht leicht", sagt Alexander, der selbst fünf Jahre in Europa Fußball gespielt hat. "Das macht es schwieriger für uns," bedauert der 27-Jährige, "den Spielerinnen etwas beizubringen, weil ihnen das Vorbild fehlt."

Das heißt nicht, dass die Mädchen keinen Ehrgeiz haben, aber zumindest für Molly sind die Prioritäten klar:"Ich würde gerne in der Oberstufe und dann, wenn es geht, auch auf der Uni weiterspielen, aber dort werde ich mich zuerst auf meine Ausbildung konzentrieren." Ein guter Job, fährt sie fort, ist wichtiger. Aber: "Es wäre klasse, wenn ich mein ganzes Leben lang Fußball spielen könnte."

Autorin: Christina Bergmann
Redaktion: Wolfgang van Kann

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