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Politik

USA: Bin Laden war unbewaffnet

Die US-Regierung hat ihre Darstellung von der Tötung Osama bin Ladens revidiert. Der Al-Kaida-Chef sei unbewaffnet gewesen, als er in seinem Versteck erschossen wurde. Pakistan wurde über den Einsatz nicht informiert.

Bin Ladens Schlafzimmer (Foto: AP/ABC News)

Bin Ladens Schlafzimmer - dort soll er erschossen worden sein

Bei der Erstürmung seines pakistanischen Verstecks habe Osama bin Laden keine Waffe bei sich getragen - er habe sich aber anderweitig gewehrt. Dies erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, am Dienstag (04.05.2011). So korrigiert das Weiße Haus seine ersten Angaben über die Tötung des Al-Kaida-Chefs. Um Widerstand zu leisten, brauche man keine Schusswaffe, hieß es weiter. Weitere Einzelheiten nannte der Pressesprecher nicht. Die neuen Angaben zum Hergang des Einsatzes dürften Zweifel wecken, ob die USA vorhatten, bin Laden lebend zu fassen.

Bin Ladens Anwesen in Abbottabad, Pakstan (Foto: AP)

In diesem Haus soll bin Laden die vergangenen fünf bis sechs Jahre verbracht haben

Der Direktor des US-Geheimdienstes CIA, Leon Panetta, erklärte, die Entscheidung, bin Laden zu töten, sei in Bruchteilen von Sekunden gefallen, nachdem er "drohende Bewegungen" gemacht habe. Deshalb sei geschossen worden. Die Soldaten seien dazu auch ermächtigt gewesen. Ein US-Spezialkommando hatte bin Laden in der Nacht zum Montag in einem stattlichen Anwesen in der pakistanischen Stadt Abbottabad erschossen. Dort hatte er nach US-Angaben fünf bis sechs Jahre gelebt.

Einsatz vor Pakistan geheim gehalten

Über den Einsatz des Spezialkommandos sei Pakistan nicht vorab informiert gewesen, erklärte Panetta in einem Interview des US-Magazins "Time": "Man hat entschieden, dass alle Versuche einer Zusammenarbeit mit den Pakistanern die Mission gefährden könnten." Die USA hätten befürchtet, dass "sie die Ziele alarmieren könnten". Sicherheitsexperten bezweifeln, dass sich bin Laden in Pakistan ohne Wissen der Geheimdienste und anderer Behörden dort aufhalten konnte.

kistans Präsident Asif Ali Zardari (Foto: AP)

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari: "Keine gemeinsame Operation"

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari versicherte, eine "ein Jahrzehnt andauernde Kooperation und Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan" habe zur Tötung des Terroristen-Chefs geführt. Die Kommandoaktion sei allerdings "keine gemeinsame Operation" amerikanischer und pakistanischer Sicherheitskräfte gewesen, schrieb er in einem Beitrag in der Zeitung "Washington Post".

Kein Foto von Bin Ladens Leiche

US-Präsident Barack Obama hat inzwischen entschieden, dass die Fotos vom Leichnam des getöteten Al-Kaida-Chefs unter Verschluss bleiben. Eine Veröffentlichung der Bilder könnte die nationale Sicherheit der USA gefährden, erklärte Obama im US-Sender CBS. "Es ist uns sehr wichtig, dass sehr eindringliche Fotos von jemandem, der in den Kopf geschossen wurde, nicht als Propaganda-Werkzeug im Umlauf sind." Man werde die Aufnahmen nicht wie "Trophäen" behandeln.

Zeitungen mit bin Laden als Aufmacher (Foto:DAPD)

Das Weiße Haus will kein Foto von bin Ladens Leichnam veröffentlichen

Befürworter einer Veröffentlichung entsprechender Fotos, wie CIA-Chef Panetta, hatten zuvor argumentiert, ein solcher Schritt sei nötig, um Zweifel auszuräumen, dass bin Laden tatsächlich tot sei. Entsprechend äußerten am Dienstag die Taliban Zweifel am Tod. Die Nachricht vom Tod des Terroristenchefs "kommt bisher nur von einer Seite", sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid. Die Islamisten würden die Berichte erst dann glauben, wenn sie einen Beweis gesehen hätten oder eine Bestätigung aus eigenen Quellen erhielten.

Obama verfolgte Einsatz live

Obama und Sicherheitsteam im Situation Room des Weißen Hauses

Im "Situation Room" des Weißen Hauses verfolgten Obama und sein Sicherheitsteam den Einsatz live

Peu à peu werden immer mehr Details der US-Kommando-Aktion mit dem Decknamen "Geronimo" bekannt. US-Präsident Barack Obama verfolgte sie per Satellitenübertragung live im "Situation Room" des Weißen Hauses. Obama will am Donnerstag Ground Zero in New York besuchen. Dort, wo am 11. September 2001 Al-Kaida-Terroristen zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Center steuerten, will er sich mit Angehörigen der Opfer treffen.

Die USA suchen nun nach neuen Informationen über die Pläne von bin Ladens Terrornetzwerk Al Kaida. Beim Sturm auf sein Anwesen stellten Soldaten einen Computer und mehrere Festplatten sicher, die momentan ausgewertet würden. Damit sei den USA ein wahrer Schatz an Informationen in die Hände gefallen, schrieb das US-Onlinemedium "Politico".

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, apd, apf, rtr)

Redaktion: Stephan Stickelmann, Susanne Eickenfonder

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