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Welt

USA bekräftigen Terrorwarnung

Die US-Terrorwarnung bleibt bestehen. Viele westliche Botschaften sind weiterhin geschlossen. Experten sprechen von einer sehr bedrohlichen Lage und befürchten ein Erstarken von Al-Kaida.

Jemen - US-Botschaft in Sanaa (Foto: Xinhua/Mohammed Mohammed)

Jemen - US-Botschaft in Sanaa

"Das ist die weitreichendste Terrorwarnung seit einem Jahrzehnt", sagt Bruce Riedel der Deutschen Welle. Der Nahost-Experte der renommierten Brookings Institution in Washington und frühere CIA-Mitarbeiter ist besorgt: "Es sind so viele diplomatische Vertretungen wie noch nie geschlossen worden, nicht nur amerikanische, sondern auch europäische. Und die Terrorwarnung wurde ausgeweitet auf den ganzen Monat August. Das legt nahe, dass die Bedrohung real und sehr, sehr ernsthaft ist."

Die von den Geheimdiensten abgefangene Kommunikation unter Anhängern des Terrornetzwerks Al-Kaida ist offensichtlich vergleichbar mit der Kommunikation unmittelbar vor den Anschlägen vom September 2001. Die Bedrohungssituation scheint so ernst zu sein, dass die Obama-Administration gleich zweifach darauf reagierte. Sie hielt über das Wochenende 21 diplomatische Vertretungen der USA in der muslimischen Welt geschlossen und wird die meisten von ihnen erst wieder nach dem 10. August öffnen. Daraufhin schlossen auch europäische Staaten, darunter Deutschland, einige ihrer Vertretungen. Gleichzeitig sprach das für die Außenpolitik zuständige State Department eine globale Reisewarnung aus.

Erkenntnisse der National Security Agency

Bruce Riedel von der Brookings Institution (Foto: Brookings Institution)

Nimmt die Warnung sehr ernst: Bruce Riedel

Wie amerikanische Sicherheitskreise gegenüber der Deutschen Welle bestätigten, geht die Terrorwarnung auf Erkenntnisse der National Security Agency (NSA) zurück, die zuletzt wegen der weltweiten Überwachungsprogramme in der Kritik stand. Die NSA las offensichtlich E-Mails mit oder hörte Telefongespräche ab. Gleichzeitig vermuten Experten angesichts der weitreichenden Reaktion der US-Regierung, dass es möglicherweise noch eine "menschliche Quelle" gibt, einen Informanten, der die Faktenanalyse der Sicherheitsbehörden erhärtet hat. Aus der relativ unspezifischen Terrorwarnung lässt sich allerdings schließen, dass den Amerikanern nicht bekannt ist, wann und wo Anschläge geplant sind.

Möglicherweise, so Sicherheitsexperten gegenüber der DW, wollen Al-Kaida und insbesondere ihre lokalen Zellen auf der arabischen Halbinsel Vergeltung üben für drei amerikanische Drohnenschläge der vergangenen Woche im Jemen, bei denen neun Menschen ums Leben gekommen sein sollen. In diesem Sinne hat sich auch Ayman al-Zawahri geäußert, einer der Al-Kaida-Anführer.

"Mehr Al-Kaida-Zellen als je zuvor"

Professor Joseph Wippl / Boston Universität (Foto: Boston University)

Warnt vor Al-Kaida: Joseph Wippl

Die jüngsten Ereignisse lassen denn auch Ungutes vermuten, so Bruce Riedel: "Was wir hier sehen, ist, wie ich es nenne, die dritte Generation von Al-Kaida. Oder auch Al-Kaida 3.0." Die erste Generation habe es vor dem 11. September gegeben, die zweite bis zum Tod Osama bin Ladens. "Die dritte Generation ist das Produkt des Todes von bin Laden und des Arabischen Frühlings. Dies hat Chaos in der arabischen Welt produziert, vom Maghreb über Mali, Sinai, Syrien bis in den Jemen und den Irak." Riedel ist überzeugt, dass Al-Kaida davon profitiert und sich inzwischen breiter und stärker regionalisiert aufstellen konnte. "Man kann mit einiger Sicherheit sagen, dass es 2013 wahrscheinlich mehr Al-Kaida-Zellen in der arabischen Welt gibt als je zuvor."

Die jüngsten Meldungen von massenhaften Gefängnisausbrüchen mutmaßlicher Extremisten in Irak, Pakistan und Libyen haben die Nervosität der Sicherheitsbehörden weiter gesteigert. Und sie veranlassten die internationale Polizeibehörde Interpol zu einer globalen Terrorwarnung. "Die Tatsache, dass es Al-Kaida möglich war, die Gefangenen zu befreien, zeigt, dass sie über Möglichkeiten zu solchen Aktionen verfügen", sagt Joseph Wippl, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Boston, der DW. Der Sicherheitsexperte und frühere CIA-Mitarbeiter hält es für möglich, "dass in den verschiedenen Regierungen Menschen arbeiten, die mit Extremismus sympathisieren und wahrscheinlich mitgeholfen haben, die Gefangenen zu befreien. Ich glaube aber nicht, dass das direkt mit der jetzigenTerrorwarnung zu tun hat."

Soll die Terrorwarnung ablenken?

US-Präsident Obama (Foto: REUTERS/Kevin Lamarque)

Lässt 19 Botschaften geschlossen: US-Präsident Obama

Nicht nur in der öffentlichen Debatte und im US-Kongress, sondern auch in Europa wird der Verdacht geäußert, die Obama-Administration wolle mit der dramatischen Terrorwarnung von der Debatte über die weltweiten Überwachungsprogramme der NSA ablenken. "Ich glaube nicht, dass die terroristische Bedrohung von der Obama-Administration lanciert wurde", sagt Bruce Riedel, "sie ist vielmehr eine nützliche Erinnerung dran, dass wir angesichts der Gefahren wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen müssen." Auch Joseph Wippl hält ein rein politisches Manöver für unwahrscheinlich, allein schon aus Selbsterhaltungsgründen der US-Regierung. "So etwas kommt immer irgendwann raus", meint er. "Und das wäre ein unglaublicher Verlust an Glaubwürdigkeit."

Was rät der erfahrene Sicherheitsexperte Wippl den Menschen angesichts der weitreichenden Terrorwarnungen aus Washington? "Ich würde nicht empfehlen, jetzt eine Reise abzusagen. Das Einzige, was ich empfehle, ist, keine Regionen aufzusuchen, die gefährlich für Touristen sind. Laufen Sie nicht in der jemenitischen Wüste herum und gehen Sie nicht in den irakischen Bergen wandern."

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