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Aktuell Asien

USA befürchten Gewaltwelle nach Massaker in Afghanistan

Nach dem blutigen Amoklauf eines US-Soldaten in Afghanistan äußert die US-Regierung die Sorge vor einer Welle gewaltsamer Proteste. Dem Schützen droht eine harte Bestraftung - schlimmstenfalls auch das Todesurteil.

Proteste gegen die USA nach der Koranverbrennung durch US-Soldaten in Afghanistan (Foto: Reuters)

Proteste gegen die USA nach der Koranverbrennung durch US-Soldaten in Afghanistan

Es könnte eine ähnliche Situation werden wie nach den Koran-Verbrennungen: Auch nach dem Amoklauf eines US-Soldaten in Afghanistan drohen im Land neue blutige Ausschreitungen und Demonstrationen gegen die Vereinigten Staaten. "Uns ist auf jeden Fall sehr klar, dass hier ein Potenzial existiert", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Mark Toner, in Washington.

Die US-Botschaft in Kabul habe bereits vor anti-amerikanischen Protesten in den kommenden Tagen gewarnt. Bisher sei es aber nicht zu entsprechenden Demonstrationen gekommen, sagte Toner weiter. "Wir wissen absolut, dass dies (das Blutbad) dazu geeignet ist, Zorn und Emotionen an einem Ort anzufachen, in dem die Spannungen bereits beträchtlich sind", sagte der Sprecher.

Todesstrafe für Amokläufer?

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Amoklauf empört Afghanen

Nach Worten von US-Verteidigungsminister Leon Panetta droht dem Amokschützen aus den Reihen der US-Armee eine harte Bestrafung. Der Verdächtige werde sich nach dem Militärrecht vor der Justiz verantworten müssen, sagte Panetta auf dem Flug nach Kirgistan. Bei einem Schuldspruch müsse er somit auch mit einem Todesurteil rechnen.

US-Präsident Barack Obama äußerte erneut sein Bedauern über die Tat. Die Tötung von 16 afghanischen Zivilpersonen durch den US-Soldaten sei "absolut tragisch und herzzerreißend". Zugleich erklärte Obama in einem Fernsehinterview aber auch, er sei nach wie vor "generell stolz" auf die Leistung der US-Truppen in Afghanistan, die unter "enormem Druck" arbeiteten.

Plan für Truppenabzug bleibt bestehen

Ungeachtet des Amoklaufs wollten die USA daher an ihren Plänen festhalten, ihre Kampftruppen bis Ende 2014 aus Afghanistan abzuziehen. Der Abzug der US-Truppen müsse auf "verantwortungsvolle Art und Weise" erfolgen, um zu verhindern, "dass wir am Ende wieder zurückkehren müssen", ergänzte Obama. Auf keinen Fall dürfe es zu einem überstürzten Abzug kommen. Es müsse gleichzeitig aber auch sichergestellt werden, "dass wir nicht länger bleiben als wir müssen".

Der US-Soldat hatte am Sonntag bei einem Amoklauf in der südafghanischen Provinz Kandahar 16 Dorfbewohner, in der Mehrzahl Frauen und Kinder, in ihren Häusern getötet. Nach Angaben von Pentagon-Sprecher George Little war der Unteroffizier erstmals in Afghanistan stationiert, davor war er drei Mal im Irak im Einsatz. Forderungen des Parlaments in Kabul, dem Mann in Afghanistan den Prozess zu machen, lehnte Little ab.

fw/haz (afp, dpa, dapd, rtr)

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