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Asien

USA bauen Engagement in Südostasien aus

Die Reise von US-Präsident Obama nach Thailand, Myanmar und zum ASEAN-Gipfel unterstreicht eine strategische Neuausrichtung. Obama fordert China heraus und stellt die südostasiatischen Länder vor eine schwierige Wahl.

U.S. President Barack Obama, fifth from left, stands hand in hand with ASEAN leaders for a family photo during the ASEAN-U.S. leaders' meeting at the Peace Palace in Phnom Penh, Cambodia, Monday, Nov. 19, 2012. They are, from left, Philippines' President Benigno Aquino III, Singapore's Prime Minister Lee Hsien Loong, Thailand's Prime Minister Yingluck Shinawatra, Vietnam's Prime Minister Nguyen Tan Dung, Obama, Cambodia's Prime Minister Hun Sen, Brunei's Sultan Hassanal Bolkiah, Indonesia's President Susilo Bambang Yudhoyono, Laos Prime Minister Thongsing Thammavong, Malaysia's Prime Minister Najib Razak and Myanmar's President Thein Sein. (Foto:Carolyn Kaster/AP/dapd)

Kambodscha ASEAN-Gipfel in Phnom Penh Gruppenbild mit Barack Obama

Die erste Reise nach seiner Wiederwahl führte US-Präsident Barack Obama nach Südostasien. Kurz vor Reisebeginn hatte Thomas Donilon, Chefberater für Nationale Sicherheit, in einem umfangreichen Dossier Amerikas Strategie für die Asien-Pazifik-Region erläutert: "Die Vereinigten Staaten sind eine pazifische Macht und ihre Interessen sind unauflösbar verknüpft mit Asiens Wirtschaft, Sicherheit und politischer Ordnung. Amerikas Erfolg im 21. Jahrhundert ist an einen Erfolg in Asien gebunden." Der Sicherheitsberater bestätigte damit erneut, was US-Außenministerin Hillary Clinton und US-Verteidigungsminister Leon Panetta in den vergangenen zwei Jahren auf diversen Konferenzen angekündigt hatten: die Neuausrichtung der US-Strategie auf den asiatischen-pazifischen Raum.

Neu ist allerdings die ausdrückliche Betonung Südostasiens und des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN): "Wir verfolgen nicht nur eine strategische Neuausrichtung gegenüber Asien-Pazifik, sondern auch und vor allem innerhalb der Region", so Donilon. "Unser Fokus liegt dabei auf Südostasien und der ASEAN." Selbst wenn man die übliche Rhetorik vor einem Staatsbesuch abrechnet, bleibt eine erhebliche Aufwertung der Region bestehen, die vor 2010 in der US-amerikanischen Außenpolitik allenfalls eine sehr untergeordnete Rolle gespielt hat.

Besondere Rolle der ASEAN

U.S. President Barack schüttelt Kambodschas Premier Hun Sen die Hand (Foto:REUTERS/Damir Sagolj)

Kambodschas Premier Hun Sen war Gastgeber des ASEAN-Gipfels

Wie erklärt sich Amerikas neu erwachtes Interesse an Südostasien? Südostasien bildet einen Ring um das südliche China und umspannt das Südchinesische Meer, das zu den strategisch und wirtschaftlich bedeutsamsten Meeresregionen der Welt zählt. Darüber hinaus verbindet es China und die zweite regionale Großmacht Indien. Nicht zuletzt leben mehr als 600 Millionen Menschen in den Ländern der ASEAN-Staaten. Zusammengenommen bildet die Staatengemeinschaft die drittgrößte Wirtschaft Asiens. Das alles macht Südostasien für die USA so interessant.

Den Interessen der USA steht der traditionell große Einfluss Chinas entgegen, der sich allein aufgrund der geographischen Nähe ergibt. Der wirtschaftliche Aufschwung fast aller Länder Südostasiens ist an Chinas wirtschaftlichen Aufstieg gebunden. Wie groß Chinas Einfluss ist, zeigt der Fall Kambodscha. Im vergangenen Jahr (2011) hat China zehnmal mehr in Kambodscha investiert als die USA. Die daraus erwachsene wirtschaftliche Abhängigkeit hat China indirekt genutzt, um beim 20. ASEAN-Gipfel ein gemeinsames Abschlusskommuniqué zu verhindern, da Kambodscha sich weigerte, eine gemeinsame Erklärung zu den Spannungen im Südchinesischen Meer aufzunehmen. "Kambodscha hat sich sehr klar als das Sprachrohr Chinas erwiesen", so Gerhard Will, Südostasienexperte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) im Gespräch mit der Deutschen Welle.

China zeigt sich über die Offensive der USA verärgert, ist aber zugleich selbstbewusst. Die Global Times, das internationale Presseorgan der Kommunistischen Partei Chinas, kommentiert Obamas Reise als "Bedrohung, die gleichwohl nichts daran ändern kann, dass Südostasien wirtschaftlich an China gebunden bleibt."

Schwieriger Balanceakt

U.S. Präsident Barack Obama am Tisch mit Chinese Premier Wen Jiabao (Foto: REUTERS/Jason Reed

Barack Obama traf Chinas Premier Wen Jiabao: China hat traditionell große Einfluss in Südostasien

Die Rivalität zwischen China und den USA zwingen vor allem die politisch und wirtschaftlich schwächeren Länder Südostasiens zu Entscheidungen. Jost Pachaly von der Heinrich-Böll-Stiftung in Bangkok hat die Reaktionen auf die Reise Obamas beobachtet und stellt fest: "Grundsätzlich begrüßen alle ASEAN-Staaten, dass sich die USA stärker in der Region engagieren will." Dennoch werden sie seiner Ansicht nach alles versuchen, um sich einem Machtkampf zwischen den USA und China zu entziehen. Dazu müssen sie ihre strategischen und wirtschaftlichen Interessen zu den dominierenden Supermächten der Region in eine Balance bringen. Voranai Vanijaka, ein Kommentator der Bangkok Post, fast zusammen: "Kleine Staaten wie Thailand balancieren auf einem dünnen Seil, sie müssen die großen Mächte gegeneinander ausspielen, um ihre nationalen Interessen zu wahren."

Die Strategien der einzelnen Länder weisen dabei allerdings erhebliche Unterschiede auf. Sie resultieren aus der großen Ungleichheit innerhalb der Staatengemeinschaft: "Was die Situation der ASEAN so schwierig macht ist, dass es so unterschiedliche Entwicklungsstände gibt", sagt Pachaly.

Zerreißprobe für die ASEAN

U.S. Präsident Barack begrüßt seine Gastgeber in Thaliand (Foto: REUTERS/Jason Reed)

Obama in Thailand: das Land hat enge Wirtschaftsbeziehungen zu den USA und zu China

Die Philippinen etwa sind ohne Zweifel die engsten Verbündeten der USA in der Region. Sie protestierten vergangene Woche in einem Brief dagegen, dass Kambodscha als Gastgeber des 21. ASEAN-Gipfels erneut eine internationale Lösung des Streits im Südchinesischen Meer ablehnt. Für Pachaly ist Kambodschas Haltung nicht überraschend: "Was Laos und Kambdoscha betrifft, sind diese sehr stark von chinesischen Investitionen abhängig." Diese Länder können sich ein Zerwürfnis mit China schlicht nicht leisten. Die meisten Länder der Region sitzen, wie Pachaly es ausdrückt, in einer "Zwickmühle". Thailand etwa unterhält enge wirtschaftliche Beziehungen sowohl zu den USA als auch zu China. Um beiden Seiten Rechnung zu tragen, wird Chinas Premierminister Wen Jiabao nur wenige Tage nach Obama in Bangkok erwartet.

Myanmar nimmt in dem Wettbewerb zwischen China und den USA eine besondere Stellung ein. Sicher ist, dass sich das Land von China entfernt hat, wie Pachaly bestätigt: "Myanmar geht es darum, die durch die Öffnung des Landes eingeleitete Abgrenzung von den Chinesen durch Obamas Besuch zu bekräftigen." Der einstige Paria-Staat erreicht damit die endgültige Rückkehr in die internationale Staatengemeinschaft. Ob es den USA allerdings gelingt, den in Jahrzehnten gewachsenen engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit China etwas entgegenzusetzen, bleibt fraglich.

Das neu erwachte Interesse der USA an Südostasien bieten der Region neue wirtschaftliche und politische Spielräume, erzeugt aber zugleich zusätzliche Spannungen mit China, denen die Staatengemeinschaft der ASEAN noch nicht gewachsen ist, wie Pachaly sagt: "Die ASEAN ist auf der politischen Ebene noch gar nicht so weit entwickelt, um gemeinsame Positionen zu formulieren."

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