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Politik

USA überprüfen Afghanistan-Strategie

Unter dem Kommando von General Stanley McChrystal entsteht zurzeit eine neue US-Strategie für Afghanistan. Mitte August soll sie veröffentlicht werden.

Soldaten (Foto: AP)

US-Marines im Einsatz in Afghanistan

Das grundsätzliche Ziel in Afghanistan ist noch immer das gleiche, und Außenministerin Hillary Clinton wiederholte es in der gemeinsamen Pressekonferenz mit ihrem britischen Kollegen David Milliband: Die Terrororganisation El Kaida in Afghanistan zu zerschlagen und zu besiegen. "Die ersten Berichte sind vielversprechend, aber wir wissen, dass wir noch einen weiten Weg gehen müssen", sagte Clinton.

Keine Zerstörung von Mohnfeldern

Stanley McChrystal (Foto: AP)

Stanley McChrystal hat Anfang Juni das Kommando über die amerikanischen Truppen in Afghanistan übernommen

Doch in der konkreten Taktik vor Ort haben sich die Gewichte verschoben. Für General Stanley McChrystal, seit Anfang Juni Oberbefehlshaber der US- und der NATO-Truppen in Afghanistan, zählen weniger die getöteten Terroristen als die Zivilisten, die in Sicherheit leben können.

Richard Holbrooke, Sondergesandter von US-Präsident Barack Obama für Pakistan und Afghanistan, erklärte nach seinem jüngsten Besuch in der Region, ein entscheidender Unterschied sei bereits, dass die US-Truppen die Mohnfelder der afghanischen Farmer nicht mehr zerstören: "Die USA haben auf diese Weise hunderte von Millionen Dollar verschwendet. 44.000 Dollar kostet es, um einen Hektar eines Mohnfeldes zu zerstören. Alles, was wir damit erreicht haben, war die Mohn-Anbauer gegen uns aufzubringen. Diese Menschen sind arm und bauen einfach nur das an, was am meisten Geld bringt. So haben wir die Menschen in die Arme der Taliban getrieben."

Stattdessen werden jetzt die Drogenkuriere abgefangen, erklärte Holbrooke. Denn das würde die Drogenbarone und andere, die vom Drogenhandel profitieren, viel mehr treffen. Außerdem würden die USA verstärkt den Ausbau der afghanischen Landwirtschaft unterstützen. Denn die Afghanen seien gute Farmer, so Obamas Sondergesandter, die jetzt nur etwas Unterstützung brauchten. Auf die Stärke der internationalen und afghanischen Sicherheitskräfte, die letztlich für die Stabilität des Landes notwendig sind, wollte sich Holbrooke nicht festlegen. "Es ist offensichtlich, dass die derzeitige Zahl der afghanischen Sicherheitskräfte auf lange Sicht nicht ausreicht. Nach den Präsidentschaftswahlen werden wir uns gemeinsam mit der neuen Regierung damit beschäftigen. Wir werden die Bedürfnisse feststellen und sehen, wie wir sie unterstützen können."

Zu wenig Soldaten

Der derzeitige US-Plan sieht eine Truppenstärke von 68.000 US-Soldaten vor, hinzu kommen noch einmal etwa 30.000 NATO-Soldaten aus anderen Ländern. Die afghanischen Sicherheitskräfte stellen derzeit knapp 100.000 Mann. Stephen Biddle, Verteidigungsexperte der New Yorker Denkfabrik "Council on Foreign Relations", schätzt die nötige Truppenstärke allerdings auf 300.000 bis 600.000 Mann.

Biddle gehört einer Expertengruppe an, die für General McChrystal eine Einschätzung der Lage in Afghanistan vorgenommen hat. Er ist gerade von dort zurückgekehrt. Über den Abschlussbericht kann er noch nicht sprechen. Der wird zunächst dem US-General vorgelegt. Biddle meint aber, dass es zum Beispiel notwendig ist, die Soldaten aus den gebirgigen Gegenden zurückzuziehen. Statt der fruchtlosen Jagd auf die Taliban müsse die Bevölkerung in ihren Dörfern geschützt werden. Für eine angemessene Präsenz im ganzen Land fehlen eben die Kräfte.

Unfähige Regierung

Doch die Sicherheit der Menschen ist nur ein Problem, dem die USA und damit auch die NATO-Verbündeten in Afghanistan gegenüber stehen. Viel gravierender, so Stephen Biddle, sei eine nicht funktionierende Regierung. Die Beamten seien zum einen schlecht ausgebildet, und würden zum anderen nur zu ihrem eigenen Vorteil handeln. Auch die Korruption nütze so vor allem den Taliban: "Das geht von ganz normaler Korruption auf unterster Ebene bei Polizei und Richtern über gravierenden und schrecklichen Machtmissbrauch zum Beispiel auch bei Polizisten bis hin zu Veruntreuung von öffentlichem Eigentum und Geldern durch hohe Staatsbedienstete auf nationaler Ebene."

Die USA, so Biddle, müssten anfangen, für die Hilfe und Unterstützung Gegenleistungen zu verlangen. Nur so könne das Land letztlich stabilisiert werden: "Wir graben Brunnen, wir bauen Schulen und geben Entwicklungshilfe, das passiert auf den verschiedensten Ebenen und bisher haben wir dies umsonst getan. Das muss sich ändern. So könnte man sagen: Wenn wir diese Hilfe geben, dann müsst ihr damit aufhören, unschuldige Menschen aus ihren Autos zu zerren und sie zu schlagen wenn sie nicht bereit sind, der lokalen Polizei Schmiergeld zahlen."

Wie viele der Vorschläge der 12-köpfigen Experten-Kommission tatsächlich von General McChrystal übernommen werden, das wird sich Mitte August zeigen. Dann soll das Papier an Verteidigungsminister Robert Gates übergeben werden.

Autorin: Christina Bergmann

Redaktion: Dirk Eckert

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