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Aktuell Asien

USA übergeben Bagram-Gefängnis

Foltervorwürfe, Koranverbrennungen, Misshandlungen: Mit Bagram, dem größten US-Gefängnis am Hindukusch, verbinden sich viele schlimme Erinnerungen. Jetzt haben die Afghanen die Anstalt vollständig übernommen.

Der US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, General Joseph Dunford, bezeichnete die Übernahme der Verantwortung für das Gefängnis durch Afghanistan als "wichtigen Teil im Gesamtprozess der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanischen Truppen". Afghanistan sei "zuverlässiger, fähiger und souveräner", erklärte Dunford anlässlich der Übergabezeremonie. Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte die vollständige Kontrolle über das Militärgefängnis bei Kabul zur Bedingung für eine weitere langfristige Zusammenarbeit mit den USA gemacht.

Offiziell war die Übergabe bereits im September 2012 erfolgt. Dabei waren mehr als 3000 Gefangene, darunter mutmaßliche Talibankämpfer, unter afghanische Kontrolle gekommen. Ausländische Häftlinge und seit März 2012 von der ISAF-Truppe festgenommene Afghanen unterstanden jedoch weiterhin dem US-Militär.

Übergabe häufig verschoben

Das Gefängnis am Rande des gleichnamigen US-Luftwaffenstützpunkts sollte ursprünglich bereits am 9. März ganz in afghanische Hände gegeben werden.

Die USA verschoben jedoch die Übergabe wegen Sicherheitsbedenken. Grund waren Äußerungen Karsais, wonach in dem von den USA kontrollierten Teil "unschuldige Menschen" inhaftiert seien, deren Freilassung er nach der Übergabe anordnen werde.

Washington fürchtete, die freigelassenen Häftlinge könnten sich den islamistischen Taliban anschließen. Mit dieser Begründung hatten die USA die vollständige Übergabe schon vorher immer wieder hinausgeschoben. Jetzt hieß es jedoch, Karsai habe zugesagt, gefährliche Gefangene in der Haft zu belassen, um so die Sicherheit der afghanischen Bevölkerung und der NATO-geführten ISAF-Truppe zu gewährleisten.

"Das Guantánamo Afghanistans"

Bagram galt als der größte ausländische Militärstützpunkt am Hindukusch. Seit dem US-Einmarsch Ende 2001 wurde das 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kabul gelegene Gelände von Amerikanern und Nato militärisch genutzt.

Kurz darauf begannen die US-Armee und der Geheimdienst CIA auch mit der Internierung von Terrorverdächtigen. Nach und nach entstand so ein riesiges Gefängnis, dessen Betreiber sich immer wieder massiven Foltervorwürfen gegenübersahen. So waren schon 2002 zwei afghanische Gefangene nach Misshandlungen durch US-Soldaten gestorben.

Wachtürme entlang des Bagram-Gefängnisses (Foto: AFP)

Aufgrund zahlreicher Foltervorwürfe war das Gefängnis am US-Luftwaffenstützpunkt international in die Kritik geraten

Menschenrechtsaktivisten übten regelmäßig Kritik an der als "Guantánamo Afghanistans" bezeichneten Haftanstalt, in der internationale Rechtsnormen missachtet und einige Gefangene ohne konkrete Beschuldigung festgehalten würden.

GD/gmf (dpa, afp, ap)