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Politik

USA überdenken globale Militärstrategie

Die US-Streitkräfte wollen ihre Strategie anscheinend grundsätzlich ändern: Künftig soll die Armee nicht mehr zwei größere Kriege zugleich führen können. Der Wechsel ist Ausdruck von Überlastung, meinen Experten.

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Der Irak-Krieg bringt die US-Armee an ihre Belastungsgrenze

Der amerikanischen Armee könnte ein fundamentaler Umbau bevorstehen: Das Pentagon überdenke die bisherige Strategie, wonach die Streitkräfte in der Lage sein müssen, zur gleichen Zeit zwei größere Kriege zu führen, berichtet die New York Times in ihrer Dienstagsausgabe. Künftig, so heißt es unter Berufung auf ranghohe Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, solle sich die Vorbereitung möglicherweise auf einen Krieg beschränken. Zugleich sollen mehr Mittel für die Terrorbekämpfung und den Schutz des amerikanischen Territoriums aufgewendet werden.

Hilflos gegenüber Partisanen

Von diesem Wechsel, der grundlegende personelle und technologische Veränderungen zur Folge hätte, zeigt sich der Militärexperte Herfried Münkler wenig überrascht. Die bisherige Strategie sei von der Annahme ausgegangen, dass die Armee durch die schnelle Beendigung des einen Krieges genügend Kapazitäten für einen Sieg in einem zweiten frei bekomme. "Der Wechsel hat nun damit zu tun, dass sich gezeigt hat, dass das Konzept der ganz schnellen Beendigung von Kriegen nicht aufgeht", sagt der Autor des Buches "Die neuen Kriege".

Kämpfer bringen ihre Panzerfäuste gegen US-Stellungen in Fallujah, Irak in Position

Im Partisanenkrieg verlieren die USA ihre Überlegenheit

Die USA hätten lange auf ihre militärische Überlegenheit gesetzt, die sie jedoch nur im Kampf mit konventionellen Armeen ausspielen können, erläutert Münkler: "Wenn der Gegner den Krieg systematisch asymmetrisiert und eine Mischung aus Partisanenkrieg und Terroranschlägen setzt, greift diese Überlegenheit nicht mehr." So habe der Irak-Krieg die Armee an die Grenze der Belastbarkeit gebracht - die Einheiten würden nicht so schnell abgelöst wie vorgesehen und die Rekrutierungszahlen seien massiv zurückgegangen. Militärisch sei der Krieg nicht zu gewinnen, vermutet der Politologe. Vieles spreche dafür, dass die USA versuchen, Teile des Untergrundes in die politischen Strukturen zu integrieren. Gelinge dies nicht, sei überhaupt nicht absehbar, wie lange die Truppen noch am Golf gebunden seien.

Auswirkungen auf Deutschland

Bei der nächsten größeren Rotation müssten fast alle Einheiten bereits zum zweiten Mal in den Irak geschickt werden, darunter auch wenig motivierte Mitglieder der Nationalgarde, erklärt Ottfried Nassauer vom Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit. "Die Armee ist so überdehnt, dass einige Senatoren schon mal an der - politisch kaum durchsetzbaren - Wiedereinführung der Wehrpflicht gebastelt haben", sagt Nassauer. Allerdings seien die Erfahrungen im Irak nicht der einzige Auslöser der gegenwärtigen Strategie-Diskussion. Sie vollziehe lediglich nach, was sich in der Praxis zum Teil schon durchgesetzt habe und bereite die erste größere Neuausrichtung seit den Anschlägen vom 11. September 2001 vor. Der Umbau, der mehr Investitionen in intelligente Waffensysteme und eine Verstärkung von kleineren, beweglichen Truppen nötig mache, habe auch Auswirkungen auf Deutschland: "Die Armee will Panzerdivisionen und andere schwere Verbände nach Amerika zurückziehen und durch leichter verlegbare ersetzen."

Bislang sei die US-Armee wenig erfolgreich darin gewesen, sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen, meint der Militärexperte Münkler. "Wegen der Beförderungsstrukturen und langen Ausbildungszeiten lernen hierarchische Organisationen nur langsam", sagt Münkler. "Die Oberleutnants wenden heute an, was sie gestern gelernt haben."

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