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Wirtschaft

US-Waffengeschäft auf Rekordniveau

Viele Amerikaner betreiben Hamsterkäufe, weil US-Präsident Obama die Waffengesetze verschärfen und einige halbautomatische Waffen verbieten möchte. Der Waffenmarkt boomt. Nur die Munition geht langsam aus.

Ein Waffenhändler sitzt bei der Western Americana Gun Show im kalifornischen Pomona an seinem Messestand zwischen Waffen (Foto: AP)

Waffenkäufer in den USA: zulangen, solange es noch möglich ist

In einem Waffengeschäft in Wichita, Kansas, blättert ein Interessent in den Anleitungen, die vor einer Reihe von Gewehren ausliegen (Foto: dpa)

Obamas Wahl zum US-Präsidenten soll viele Amerikaner in Waffengeschäfte gelockt haben

Patrone einlegen, Laden, das Ziel ins Visier nehmen - und Feuer! Edward Nusser ist ein leidenschaftlicher Schütze. Bei den Brooklyn-Schützen trainiert der pensionierte Lehrer mehrmals pro Woche. Doch die Pläne der Regierung von US-Präsident Barack Obama, die Waffengesetze zu verschärfen, machen ihn nervös. Gleich am Tag nach Obamas Wahl hätten die Menschen die Läden gestürmt und Gewehre, Pistolen und Munition gekauft, denn: "Im Moment kann man diese Dinge noch kaufen", so Edward Nusser. "Aber wenn die Regierung so weitermacht, wird sie es entweder sehr schwierig oder sehr teuer machen, einen Waffenschein zu bekommen. Also kaufen die Leute jetzt, bevor es ein Problem wird."

Obama hat illegalem Waffenbesitz den Kampf angesagt

Barack Obama will einige halbautomatische Waffen für den zivilen Gebrauch verbieten. Sein Ziel: der Kampf gegen Kriminalität und illegalen Waffenbesitz. Nusser befürchtet, dass er bald hohe Steuern für Waffenbesitz und Munition bezahlen muss. "Wenn ich jetzt die gleiche Menge an Munition kaufen würde wie im vergangenen November, müsste ich wahrscheinlich bereits 30 bis 40 Prozent mehr bezahlen." Vielleicht sei er aber auch einfach nur panisch, räumt er ein.

Ein Mitarbeiter des US-amerikanischen Unternehmens Smith & Wesson präsentiert in Nürnberg auf der Fachmesse für Jagd- und Sportwaffen, Outdoor und Zubehör IWA 2008 eine 460 Hunter (Foto: dpa)

Marktführer: Waffen von Smith & Wesson

Doch so wie Nusser scheinen viele zu denken: Die Waffenindustrie boomt. Marktführer Smith & Wesson verfünffachte den Gewinn im Vergleich zum Vorjahr. Die Absatzzahlen von Sturm, Ruger & Company, dem viertgrößten US-Schusswaffenhersteller, stiegen im ersten Halbjahr um 67 Prozent. Selbst die, die noch nie eine Waffe besaßen, kaufen jetzt - zum Beispiel bei Bob Derrig. Der 69-Jährige betreibt ein Waffengeschäft in einem verwinkelten Keller in Manhattan. "Diese Waffen, die Glocks, sind zwischen 600 und 800 Dollar wert. Ich habe viele von ihnen, weil sie sich so schnell verkaufen." Er zeigt auf eine Glock 19. "Die wurde gemacht, um den Revolver zu ersetzen. Die Glock 19 ist die Waffe, die sich am besten verkauft."

Mehr als eine Million Datenabfragen für Neuzulassungen

Die Geschäfte mit Schusswaffen laufen prächtig. Allein im September meldete das FBI über eine Million Datenabfragen für Neuzulassungen. Die Zahl dieser Abfragen ist für die Investoren an der Wall Street der wichtigste Indikator für die Waffenbranche. Und sie übersteigt seit Monaten das Vorjahresniveau. Bob Derrig hat trotzdem ein Problem. Um seine Kunden bei der Stange zu halten, muss er auch die passende Munition beschaffen können.

Und das ist zurzeit kaum möglich: Seit Monaten gibt es Lieferengpässe. "Wenn ich anrufe, sagt mein Lieferant zu mir: 'Bob, ich habe seit neun Monaten keine Neun-Millimeter-Munition mehr. Und ich weiß auch nicht, wo ich sie herkriegen soll.' Also kaufe ich fast alles, nur um irgendwie Munition zu haben." Früher habe er 50 Schachteln innerhalb von einer Woche bekommen, jetzt schickt ihm sein Lieferant 15. "Das ist gar nichts!" schimpft Derrig.

Neues Waffengesetz noch nicht auf der Tagesordnung

Es herrscht Ausnahmezustand in den Vereinigten Staaten. Während Bob Derrig sich mit anderen Ladenbesitzern eine regelrechte Schlacht um Munition liefert, tobt auf politischer Ebene das Wortgefecht. Waffenbefürworter pochen auf das Recht zur Selbstverteidigung. Waffengegner warnen unentwegt vor Unfällen im Zusammenhang mit Schusswaffen. Im Schützenverein hat man eine einhellige Meinung zur Politik Obamas. "Waffen töten. Aber niemand erzählt, dass durch Autos mehr Menschen sterben als durch Waffen", sagt Edward Nusser. "Es ist fast wie Propaganda, die die Amerikaner davon überzeugen soll, dass Menschen wie wir gefährlich sind. Es scheint, als spielten die Presse und die Regierung ein abgekartetes Spiel. Sie wollen nicht mehr, dass die Leute Waffen besitzen."

Was im Eifer des Gefechts dabei etwas aus dem Blickfeld gerät, ist, dass die Regierung bisher noch keinerlei Anstalten gemacht hat, die Waffengesetze tatsächlich auf die Tagesordnung zu heben. Obama wird die Gesetze verschärfen, sagen Analysten - aber zurzeit hat er alle Hände voll damit zu tun, sich um ein intaktes Finanzsystem zu kümmern und die Wirtschaft anzukurbeln. Entsprechend könnte der Ansturm auf die Waffenläden bald wieder spürbar nachlassen.

Autorin: Carina Körner

Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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