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Wirtschaft

US-Unternehmen ziehen Gewinne aus dem Ausland ab

Ein neues US-Steuergesetz wirkt wie ein Magnet: Konzerne ziehen aus Europa Hunderte Milliarden Dollar ab. Jüngstes Beispiel ist IBM. Der Computerkonzern holt Gewinne in Höhe von neun Milliarden Dollar in die USA.

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Geld fühlt sich in den USA derzeit besonders sicher

McDonald XXL

McDonald's-Kundschaft bringt dem Konzern Millionen (Foto: Archiv)

Was haben der Barbiepuppen-Fabrikant Mattel, der Baumaschinenhersteller Caterpillar, Pepsi-Cola, McDonald´s und das Pharmaunternehmen Johnson & Johnson gemeinsam? Sie alle holen Gewinne in Milliardenhöhe aus dem Ausland heim in die USA. In diesem Jahr gewährt die US-Regierung unter dem so genannten Repatriation Act Unternehmen dafür eine gigantische Steuererleichterung.

Johnson & Johnson machte Anfang des Jahres den Auftakt und holte Gewinne in Höhe von elf Milliarden Dollar zurück. Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer führt mit fast 37 Milliarden Dollar die Hitliste an.

Weniger Jobs als erwartet

David Kotok, Wall-Street-Veteran und Chefstratege des Vermögensverwalters Cumberland Advisors, schätzt, dass alleine Aktiengesellschaften Gewinne in Höhe von etwa 500 Milliarden Dollar in die USA überweisen. "Dazu kommen noch Hunderte Milliarden US-Dollar, die von mehrheitlich in Privatbesitz stehenden Unternehmen zurückkommen - wie etwa Cargill oder Mars."

Als Job Creation Act, also Arbeitsbeschaffungs-Akt, wird diese einmalige Aktion in den USA auch bezeichnet. Etwa 500.000 Jobs hatte sich der Gesetzgeber von der Steuererleichterung versprochen. Jüngsten Schätzungen zufolge werden maximal 120.000 Jobs kreiert.

Erfolg der Lobbyisten

New York Stock Exchange

New Yorker Börse an der Wall Street (Foto: Archiv)

"Ich hatte den Eindruck, dass die Bush-Regierung anfangs dagegen gewesen ist", sagt Kotok. Dass es doch dazu kam, erklärt er mit der Lobby-Macht der Konzerne, denn an der Initiative des Weißen Hauses habe es nicht gelegen. Die Lobbyisten der großen US-Konzerne hätten den Gesetzgebern den Plan eben schmackhaft gemacht, meint Kotok. Der amerikanische Arbeitsmarkt dürfte dabei nicht die wesentliche Motivation gewesen sein. Ein Großteil der Gelder wird voraussichtlich in Forschung und Entwicklung, aber auch in Aktienrückkaufprogramme fließen - also letztlich direkt in die Taschen der Investoren an der Wall Street.

Doch was bedeutet diese Kapitalflucht für den Investitionsstandort Europa, was für Deutschland? Dazu Experte Kotok: "Wenn man die Wirtschaftswachstumsraten im alten Europa nimmt, dann sieht man sehr geringes Wachstum. Und insofern überlegen sich viele Firmen, ihre Mittel aus Europa abzuziehen, weil die Investitionsmöglichkeiten etwa in den USA aber auch in anderen Ländern besser aussehen." Und damit meint Kotok, dass Gelder aus Deutschland und Europa abgezogen und über Umwege etwa in Asien reinvestiert werden.

Wettbewerb annehmen

Robert Bergmann, Vertreter der deutschen Industrie in Washington hält den Repatriation Act für einen normalen Vorgang, doch er räumt ein: "Wenn Sie im Laufe der Jahre Gewinne in Europa thesauriert und festgelegt haben und jetzt eine Möglichkeit sehen, diese in die USA zu repatriieren, so ist das eigentlich nur ein ganz normaler Vorgang. Wäre der europäische und speziell der deutsche Markt weiterhin so interessant für sie, dass sie weiter expandieren könnten, dann würden sie dies sicher vor Ort tun und die Gelder nicht wieder zurückführen."

Es liege laut Bergmann und Kotok nun maßgeblich an deutschen Politikern und Unternehmen, diesen Schönheitswettbewerb anzunehmen, um die amerikanischen Konzerne und ihre Gelder im Land zu halten.

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