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Wirtschaft

US-Unternehmen investieren in Deutschland

Ob Ford, Coca-Cola, ExxonMobil oder Dow - die Geschäfte der deutschen Konzerntöchter blühen. Nach 2015 sehen sie sich auch in diesem Jahr auf Wachstumskurs. Jedes zweite Unternehmen klagt aber über hohe Energiekosten.

Es ist eine interessante Umfrage, die die AmCham Germany seit inzwischen 13 Jahren unternimmt. Die Handelskammer will von den 50 größten US-Investoren in Deutschland regelmäßig wissen, wie zufrieden sie mit der Geschäftslage und den Standortbedingungen sind. Amerikanische Firmen gehören zu den größten ausländischen Investoren in Deutschland. Gehen ihre Geschäfte gut, dann ist das nicht nur gut für die deutsche Konjunktur. International wird durchaus beobachtet, ob US-Unternehmen ihre Aktivitäten in Deutschland ausbauen oder sich zurückziehen.

Am aktuellen Business Barometer haben 48 US-Unternehmen teilgenommen, die für einen Jahresumsatz in Deutschland von 90 Milliarden Euro stehen und hierzulande rund 230.000 Mitarbeiter beschäftigen. Acht von zehn dieser Unternehmen konnten ihre Umsätze 2015 steigern. In diesem Jahr könnte die Lage noch besser werden. 81 Prozent der Befragten erwarten eine Umsatzsteigerung, ein Drittel geht von mehr Investitionen und Beschäftigten aus. Die Umsatzerwartung nähert sich einem Zehnjahreshoch, jedes zweite Unternehmen will seine Aktivitäten in Deutschland in den nächsten drei bis vier Jahren ausbauen.

Attraktive Bedingungen

2014 war die Stimmung weitaus gedämpfter und das, obwohl die deutsche Konjunktur besser lief. 1,7 Prozent Wachstum sagt die Bundesregierung für das laufende Jahr voraus, soviel wie 2015. Das ist nicht viel und dazu kommt, dass die Weltwirtschaft, von der die deutsche Konjunktur abhängig ist, viele Fragezeichen aufwirft: von der Entwicklung der Rohstoffpreise über ungelöste politische Krisenherde bis hin zu den ungewissen Wachstumsaussichten wichtiger Handelspartner wie China.

Deutschland Bernhard Mattes, Vorstand Ford

AmCham-Präsident Bernhard Mattes

Bernhard Mattes, Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland und Ford-Vorstand, erklärt die positive Einschätzung mit einem guten Konsumklima. "Das Geschäft blüht." Zufrieden seien die Unternehmen auch mit den vergleichsweise attraktiven Standortbedingungen. Dabei hebt Mattes die "gut ausgebildeten Beschäftigten, die engmaschigen Unternehmensnetzwerke, die Qualität der Infrastruktur und die große Kompetenz in Forschung und Entwicklung" hervor.

Energiekosten schrecken

Kritisiert werden hingegen die Unternehmensbesteuerung, die mehr als ein Drittel der Befragten als zu hoch einschätzt und die Arbeitskosten. Mit Abstand die schlechteste Wertung erfahren allerdings die Energiekosten. Jedes zweite der befragten Unternehmen findet sie zu hoch.

Eine Wertung, die Willem Huisman, Vorstand des Chemieunternehmens Dow Germany nur unterstreichen kann. "Der Wohlstand Deutschlands basiert wie in keiner anderen Volkswirtschaft auf einer starken Industrie, darum wird dieses Land auch von vielen Amerikanern beneidet", erklärt Huisman. "Aber aus unserer Sicht zehrt die Bundesrepublik von der Substanz und läuft Gefahr, das Erreichte durch unausgereifte und überteuerte Energiekonzepte aufs Spiel zu setzen."

USA LaPorte, Texas, Chemieindustrie Chemifabrik DuPont

Besonders Chemieunternehmen beklagen, dass Energie in Deutschland rund 250 Prozent teurer ist als in den USA.

Energie sei in der heutigen Zeit eine Währung, so Huisman, und vor allem für energieintensive Unternehmen ein Schlüsselindikator dafür, ob man sich für einen Standort entscheide oder für einen anderen. "Ich kenne im Kreis meiner Kollegen keine Optimisten, die wirklich daran glauben, dass sich die Lage bessert, alles deutet auf weiter steigende Energiekosten hin." Dazu kommt die Sorge um die Neuregelung des Emissionshandels. Huisman rechnet vor, die EU-Klimaschutzziele würden die CO2-Zertifikate so verteuern, dass sich die Stromkosten für die Chemieindustrie in Deutschland um jährlich 2,3 Milliarden Euro erhöhen würden. "Die muss man zuerst mal verdienen."

Keine Angst vor der Technik

Als Zusatzthema hat die amerikanische Handelskammer im aktuellen Business Barometer das Thema Industrie 4.0 abgefragt. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen haben sich bereits darauf eingestellt, dass die Digitalisierung Auswirkungen auf das Unternehmen, die Mitarbeiter, sowie Arbeitsprozesse und Strukturen haben wird und bereits hat. Ford-Vorstand und AmCham-Präsident Bernd Mattes wertet das positiv. "Das ist ein relativ hoher Wert, die Digitalisierung ist in anderen Wirtschaftszweigen und Regionen dieser Welt noch längst nicht so weit angekommen."

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Roboter ersetzen Arbeitsplätze für Menschen (Wirtschaft 11.04.2016)

Das Vertrauen der amerikanischen Investoren, dass Deutschland die digitale Transformation auch im Bereich der Arbeit gelingt, ist groß. Digitalisierung sei kein Jobkiller, es würden zwar Arbeitsplätze wegfallen, dafür würden aber andere neue geschaffen. "Jetzt gilt es, das deutsche Know-How im Bereich Industrie 4.0 mit dem amerikanischen Erfahrungsschatz bei den Digitalen Services zusammenzuführen und gemeinsam weiterzuentwickeln", so Mattes.

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