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Deutschland

US-Truppenabzug schlecht für Deutschland

US-Präsident George W. Bush hat am Montag (18.8.) die geplante Reduzierung der US-Truppen in Europa konkretisiert. Betroffen sein werden auch Standorte in Deutschland - wie zum Beispiel das Städtchen Baumholder.

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In Baumholder lebt's sich zweisprachig


"Welcome home" heißt es auf Spruchbändern, gesponsert von einer deutschen Brauerei, an der Einfahrt und auch in der Hauptstrasse - der "Kennedy-Allee" - des Städtchens Baumholder. Der Gruß gilt jenen knapp 5000 US-Soldaten, die vor über einem Jahr von hier in den Irak verlegt wurden und die jetzt fast alle zurückgekehrt sind. Mit ihren Familien sind die amerikanischen Militärs die Mehrheit vor Ort: 13.000 Amerikaner gegenüber 4800 Deutschen in Baumholder selbst oder 11.000 in der Verbandsgemeinde - dem Zusammenschluss der regionalen Orte.

Amerikaner sind in Deutschland heimisch geworden

Volkmar Pees, seit 24 Jahren Bürgermeister der Verbandsgemeinde, ist deswegen auch nicht überrascht von der Frage, wie amerikanisch Baumholder sei. "Man kann auch fragen: Wie stark fühlen sich die amerikanischen Einwohner als Baumholderer? Denn die Einwohner, die herkommen, fühlen sich sehr verbunden mit unserer Gemeinde, und wir haben uns auch darauf eingestellt seit Jahrzehnten. Man muss also sagen, dass das amerikanische Leben in Baumholder mit dazu gehört."

Vegas auf Pfälzisch

Werbeplakat für Nachtbar "Vegas" mit Tabledance und Showgirls

Rund 20 Millionen Dollar lassen die Amerikaner jedes Jahr in der Gegend. Nicht nur für Mieten und Dienstleistungen. Der "American way of life" ist nicht zu übersehen im Ort: In der Kennedy-Allee finden sich neben Drogerie-Markt und Bäckereien gleich mehrere Filialen amerikanischer Einkommenssteuer-Büros.

Zweisprachige Kneipen

Die meisten der 70 Kneipen im Ort sind zumindest zweisprachig. Wobei Deutsch die zweite Sprache zu sein scheint. Die Kneipe an der Ecke heißt denn auch "Corner Pub", mit "Schwarz-Rot-Gold" und den "Stars and Stripes" über der Tür und "Happy Hour von sieben bis zehn Uhr abends". Im "Vegas" - so verspricht ein Banner über die Straße - gibt es anschließend "Showgirls" und "Tabledance". Bis fünf Uhr früh. Wer das durchhält, der fängt den Abend besser nicht in der Kneipe an, die "all you can drink" anbietet.

Rund 5500 US-Soldaten waren von Baumholder in den Irak verlegt worden. Und seit sie zurück sind, geht es im Ort abends rund. Da kommt es schon mal zu Schlägereien und da werden schon mal Autos beschädigt.

Angst vor Flaute

Dass nichts mehr los sein könnte - davor wächst die Angst in Baumholder, seitdem US-Präsident George W. Bush eine drastische Truppenreduzierung in Deutschland angekündigt hat. Details sind zwar noch nicht veröffentlicht worden, aber soviel weiß man: Baumholder wird betroffen sein. "Das würde eine Katastrophe sein, wenn die Amerikaner ohne Ersatz für uns jetzt abziehen", so Bürgermeister Pees. "Denn Sie können sich vorstellen: Familienunterkünfte für fast 5000 Familien sind hier und die Kasernen."

Eckkneipe auf Amerikanisch

Das "Corner Pub" mit "happy hour" in Baumholder

Man hat sich an die Amerikaner gewöhnt im Ort: 1945 wurde man von ihnen erobert, sechs Jahre später übernahmen die Amerikaner den 1936 eingerichteten Truppenübungsplatz - die Grundlage für die größte US-Siedlung außerhalb der Vereinigten Staaten. Mindestens 600 Deutsche arbeiten bei den Amerikanern und würden bei einem Abzug arbeitslos.

Es geht bergab

Noch viel größer aber ist der Kreis derer, die - wie immer - von einer solchen Garnison profitieren. Und das sind nicht nur die Taxifahrer, bei denen das Geschäft heute noch gut läuft, sondern beispielsweise auch Autohändler wie Abbas. Er stammt aus dem Libanon und verkauft den Amerikanern Gebrauchtwagen, obwohl viele von ihnen das Auto aus den USA mitbringen. "Viele kaufen auch hier, nicht alle bringen ihr Auto mit. Zum Beispiel: In den letzten Wochen hat jeder von uns in Baumholder viele Autos verkauft. Jeder, jeder. Jeden Tag fünf, sechs Stück. Manchmal zehn Stück, manchmal fünfzehn Autos haben wir verkauft..."

Dieser Boom ist sicher eine Folge des Irak-Krieges. Die Soldaten kommen zurück, haben mehr Geld als früher - weil sich ihr Sold mit Zulagen angesammelt hat. Im Irak konnten sie nichts ausgeben. Und hier suchen sie jetzt Zerstreuung. Nicht nur beim "table dance". Die Familienväter unter ihnen werden jetzt vielleicht Ausflüge machen - wie die, die Baumholder während ihrer Abwesenheit den Frauen und Familien angeboten hatte.

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