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Politik

US-Studie konstatiert Anti-Amerikanismus in islamischen Ländern

Die Mehrheit der Menschen in Ägypten, Marokko, Pakistan und Indonesien wollen einen Abzug der US-Truppen aus islamischen Ländern. Viele von ihnen befürworten zu diesem Zweck sogar Angriffe auf amerikanische Soldaten.

Pakistanische Studenten einer radikalislamischen Schule beugen sich über einen Bücherstand mit religiösen Büchern. Quelle: AP

In vielen islamischen Ländern lehnen die Menschen die Präsenz von US-Truppen ab

Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Studie der amerikanischen Meinungsforschungs-Agentur "worldpublicopinion" hervor. Die persönliche Befragung von jeweils rund 1100 Menschen in städtischen und ländlichen Gebieten wurde zwischen Dezember 2006 und Februar 2007 durchgeführt. Sie belegt eine starke anti-amerikanische Tendenz und Sympathien für viele Ziele radikal-militanter Gruppen wie El Kaida. Ziel der Studie war es, systematisch zu untersuchen, wie die Menschen in überwiegend muslimischen Gesellschaften die amerikanischen Streitkräfte wahrnehmen, die seit dem 11. September 2001 in der Region stationiert sind.

Das Ergebnis zeigt: Mehr als 70 Prozent der Befragten in Ägypten, Pakistan, Marokko und Indonesien sind überzeugt, dass die USA danach streben, die islamische Welt zu schwächen und zu spalten. Rund 40 Prozent glauben, dies sei das Hauptziel des von Amerika angeführten weltweiten Krieges gegen den Terror. "Obwohl die Amerikaner den Krieg gegen den Terror als einen Weg begreifen, um ihre Landsleute vor terroristischen Angriffen zu schützen, sehen ihn in der islamischen Welt viele vor allem als Angriff auf den Islam. Sie glauben, dass es das Ziel der USA ist, den Islam zu unterminieren. Das bedeutet, dass sich Menschen in diesem Teil der Welt angegriffen fühlen, weil sie Muslime sind", sagt Steven Kull, Herausgeber der Meinungsforschungsplattform "worldpublicopinion".

Zwiespältige Gefühle gegenüber El Kaida

Ein U.S.-Soldat verteilt Warnblätter über Minengefahr und Anti-Taliban-Aktionen an junge Afghanen. Quelle: AP

Ein U.S.-Soldat verteilt Warnblätter über Minengefahr und Anti-Taliban-Aktionen an junge Afghanen

Die meisten Befragten verlangen daher, dass die amerikanischen Truppen aus Afghanistan, dem Irak und vom Persischen Golf abgezogen werden: 92 Prozent der Befragten in Ägypten und rund 70 Prozent in Marokko, Pakistan und Indonesien sprachen sich dafür aus. Auf die Frage, ob sie vor diesem Hintergrund auch Angriffe auf US-Militäreinrichtungen billigen, antworteten neun von zehn Befragte in Ägyptern und fast ebenso viele der Befragten in Marokko mit ja. In Pakistan waren etwa gleich viele dafür wie dagegen. Nur in Indonesien lehnten die meisten Menschen Angriffe ab.

Weiterhin gibt die amerikanische Studie Aufschluss darüber, wie die Bevölkerung in den untersuchten Ländern radikale Gruppen wie El Kaida wahrnimmt, deren Angehörige zum Teil aus der eigenen Gesellschaft stammen. "In Bezug auf El Kaida haben die Leute einen Konflikt. Einerseits unterstützen sie viele der El Kaida-Ziele: gegen Amerika aufzubegehren, die US-Streitkräfte zu vertreiben, oder den Islam in der Region zu fördern. Aber sie fühlen sich recht unbehaglich mit deren Methoden, also Angriffen auf Zivilisten. Und das Unbehagen ist so groß, dass manche sogar die Beteiligung von El Kaida am 11. September leugnen", sagt Steven Kull.

Gewalt gegen Zivilisten, zum Beispiel bei Selbstmordattentaten oder Entführungen, lehnte die Mehrheit der Befragten klar ab, weil diese die Prinzipien des Islam verletzen. Doch gleichzeitig teilten fast ebenso viele Befragte - vor allem in Ägypten und Marokko, gefolgt von Pakistan -, die ablehnende Haltung der El Kaida-Anhänger gegenüber Amerika. Nur in Indonesien war diese Ablehnung nicht so stark.

Kritik an der Umfrage

US-Soldaten in Bagdad. Quelle: AP

US-Soldaten in Bagdad

Angus Muftah vom Siyasa Meinungsforschungsinstitut im indonesischen Yogyakarta meint, dass die Menschen oft nicht in der Lage seien, zwischen El Kaida und anderen radikalen oder moderaten islamischen Organisationen zu unterscheiden. In diesem Sinne kritisiert er die Umfrage: "Da ist etwas unklar. Nach unserer Auffassung sollten die Leute nicht mit Fragen nach El Kaida und anderen islamischen Gruppen durcheinander gebracht werden, das ist, als würde man die Frage und den Fragenden vertauschen." Damit spricht Muftah die Kritik an, die man bei vielen Studien anbringen kann: Die Formulierung der Fragen, ihre Anordnung und Auswertung und schließlich auch die Auswahl der Befragten in der Stichprobe beeinflusst immer das Ergebnis einer Umfrage.

Die vorliegende Umfrage kommt zu einem weiteren bemerkenswerten Ergebnis: Durchschnittlich jeder zweite in Ägypten und Pakistan wünschte sich eine stärkere Rolle des Islam und die strenge Anwendung der Scharia-Gesetzgebung, hat die Studie ergeben. Beides sind Ziele, die auch El Kaida vertritt. Bei einer künftigen Umfrage will "worldpublicopinion" sich besonders auf die Hardliner unter den El Kaida-Unterstützern konzentrieren, auf Geldgeber oder Sympathisanten, die auch Gewalt an Zivilisten befürworten, sagt Meinungsforscher Steven Kull. Er hofft, dass die Ergebnisse dieser Studien dann auch Einfluss nehmen werden auf die US-Außenpolitik.

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