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Deutschland

US-Stützpunkt Ramstein: Menschenkette gegen einen entmenschlichten Krieg

Rund 5000 Friedensaktivisten protestierten am US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein gegen den amerikanischen Drohnenkrieg und forderten die Bundesregierung auf, den Stützpunkt abzuschaffen. Aus Ramstein Greta Hamann.

Pascal Luigs Blick geht immer wieder nach oben. Bloß kein Regen. "Noch ist das Wetter stabil", sagt er. Die letzten drei Monate ist der Berliner immer wieder in die Stadt nahe Ramstein, nach Kaiserslautern gefahren. Der Organisator der Proteste hat mehr Nächte hier verbracht als in seinem eigenen Bett. Gemeinsam mit seinem Kampagnenkollegen Reiner Braun ist er die Strecke bis zum Luftwaffenstützpunkt abgelaufen, hat mit der Polizei gesprochen, Mietwagen bestellt und Flyer und Schals drucken lassen.

Die ganze Arbeit lief auf diesen Tag hinaus. Wenn jetzt das Wetter nicht mitspielt, könnten womöglich viele Menschen doch noch spontan zu Hause bleiben wollen. Und wer Menschenketten baut, braucht Menschen.

Deutschland Ramstein Proteste gegen Drohnenkrieg Reiner Braun

Reiner Braun (rechts): "Das ist ein Abenteuer für uns alle"

Oben auf der Bühne steht Reiner Braun. Er freut sich, denn der Platz vor dem Hauptbahnhof in Kaiserslautern wird immer voller. Von hier aus soll es in wenigen Stunden losgehen. In Dauerschleife erklärt Braun den Ankommenden die komplizierte Prozedur. Es bedarf viel Organisation, damit am Ende auch an jedem Abschnitt der neun Kilometer langen Strecke ausreichend Menschen stehen: "Das ist ein Abenteuer für uns alle".

Nie wieder Krieg von deutschem Boden

Doch zunächst einmal spricht der Linken-Politiker Oskar Lafontaine. Mittlerweile haben sich rund 2000 Menschen auf dem Platz versammelt. Sie tragen Regenbogenflaggen und Plakate, mit denen sie für den Frieden plädieren: "Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen", schreit Lafontaine. Die Menschen jubeln, die Fahnen wehen und hinter der Menge setzt am Horizont ein riesiges graues US-Militärflugzeug zum Landanflug an. Hinter den Häuserreihern rund um den Bahnhof verschwindet es aus dem Blickfeld. Die ersten Regentropfen fallen auf die Demonstranten.

Das Flugzeug wird auf der Landebahn von Ramstein landen. Dort wollen die Demonstrierenden heute auch noch hin. Doch zunächst die Menschenkette. Die Leute machen sich per Bahn, per Auto oder mit dem Fahrrad zu den ihnen zugeteilten Streckenabschnitten auf.

Deutschland Ramstein Proteste gegen Drohnenkrieg Pascal Luig

Er schließt die Lücke: Pascal Luig, einer der Organisatoren

Pascal Luig ist schon in Landstuhl angekommen. Hier in dem kleinen Dorf wenige Kilometer von Ramstein entfernt, soll die Menschenkette geschlossen werden. Luig telefoniert unablässig, andere Organisatoren fahren auf Fahrrädern durch die engen Gassen des Dorfes und versuchen, die Menschen möglichst gut zu verteilen. "Vor McDonalds ist noch niemand", berichtet ein Ordner. Da will wohl niemand von den US-kritischen Protestierenden stehen.

Ramstein schafft tausende Arbeitsplätze

Vor seinem Geschäft schaut ein 41-jähriger Landstuhler den Menschen zu, wie sie in großen Regencapes oder unter ihren Schirmen ausharren und auf den Moment warten, an dem sich alle an den Händen halten werden. Der Geschäftsmann will seinen Namen nicht nennen. Nur so viel: Er wohnt schon immer in Landstuhl. Er ist mit den Amerikanern aufgewachsen, war schon oft auf der "Base". Viele seiner Kunden sind US-amerikanische Soldaten, an manche vermietet er sogar Wohnungen: "Die Vorstellung, dass von denen jemand per Knopfdruck mit einer Drohne jemanden umbringt und dann wieder nach Hause zu seinen Kindern kommt, ist natürlich nicht schön." Und jeder, der nur ein geringstes Demokratieverständnis habe, müsse gegen den Einsatz von Drohnen zur Tötung von Menschen sein, sagt er.

Dass von Ramstein aus Drohnen gesteuert werden ist nicht gesichert. Allerding legen Aussagen von ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern nahe, dass die Satellitensignale von den USA nach Ramstein und dann in die Zielländer wie Pakistan oder Irak gesendet werden.

Symbolbild - Militärflugplatz Ramstein

Die Airbase in Ramstein

Hier in Landstuhl hängen fast alle Jobs an dem US-Luftwaffenstützpunkt. Er ist der größte US-Militärflugplatz außerhalb der Vereinigten Staaten, mindestens 35.000 Menschen arbeiten hier, US-Amerikaner wie Deutsche. Ein Kunde kommt in den Laden. Wenn Ramstein geschlossen würde, würden die Dörfer hier zu Geisterdörfern, glaubt dieser. Auch der Geschäftsmann pflichtet ihm bei. Trotzdem haben sie nichts gegen den Protest. "In einer Demokratie darf jeder seine Meinung sagen." Und ohnehin werde Ramstein ja nicht wegen der Menschenkette sofort geschlossen, fügt er hinzu. "Aber es ist schon gut, wenn registriert wird, dass die Menschen nicht alles mit Ja und Amen annehmen."

Ein wichtiges Zeichen: Stoppt Ramstein

Es ist 15 Uhr. Die letzten Lücken werden mit Schals oder großen Fahnen geschlossen. Auch Pascal Luig stellt sich jetzt dazwischen. Manche Teile der Strecke sind noch unbesetzt. Aber jetzt kann auch er nichts mehr machen. Er lächelt trotzdem glücklich.

Reiner Braun spricht zu dem vor ihm stehenden Teil der jetzt circa neun Kilometer langen Menschenkette: "Wir haben die Kette nicht komplett geschlossen. Aber wir senden ein wichtiges Zeichen in die Welt. Stoppt Ramstein."

Auch wenn es nur leicht regnet, nass sind mittlerweile alle. Trotzdem halten die Menschen weiter durch. Zehn Minuten bleiben sie Hand in Hand - oder Schal in Hand - stehen. "Wir wollen mit der Verbindung klarmachen, dass wir Menschen sind, die leben wollen und dass wir gegen eine Airbase sind, die Menschen tötet", sagt Organisator Braun.

Letzte Demo vor Luftwaffenstützpunkt

Die letzte Station für die Protestierenden an diesem Tag: Der Kreisverkehr vor dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein. Man habe sie nicht direkt vor die Tore gelassen, erklärt Pascal Luig. Aber der Kreisverkehr reicht schon aus. Auf der Straße versammeln sich die Menschen, die zuvor noch die Kette bildeten. Rund 5000 sollen es laut Braun und Luig sein. Die Polizei spricht von 2500 bis 3000.

Die Stimmung ist mittlerweile aufgeheizt. Auch weil hier noch viel mehr der jungen Menschen versammelt sind, die schon die ganze Woche in einem Friedenscamp in der Nähe versammelt waren. Der komplette Kreisverkehr ist von den Menschen besetzt, die laut singen. An ihnen vorbei müssen die Soldaten, die zurück auf den Stützpunkt wollen. Die Demonstranten halten ihnen ihre Transparente entgegen: "Hört auf, Menschen zu töten", "Nichts ist wie es scheint" oder "Krieg produziert Flüchtlinge". Die Autos fahren vorbei, manche Soldaten in Uniform schießen Fotos von den Demonstrierenden. Nach ihrer Sicht auf die Dinge werden sie heute nicht gefragt.