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Wirtschaft

US-Softwarekonzern Oracle wirft SAP Industriespionage vor

Auf Schmusekurs sind die beiden Software-Giganten Oracle und SAP noch nie gewesen. Doch mit der Klage von Oracle gegen SAP wegen Datenklaus erreicht der Machtkampf eine bislang nicht gekannte Schärfe.

SAP-Loga am Unternehmenssitz in Walldorf (Quelle:AP)

In Walldorf reagierte man gelassen auf die Einreichung der Klage

In dem Klageantrag, den Oracle am Donnerstag (22.3.07) bei einem Bezirksgericht in San Francisco eingereicht hat, spricht der US-Softwarekonzern von "Firmendiebstahl in großem Maßstab", der von einem "als SAP bekannten Konglomerat" begangen worden sei. "Dieser Diebstahl scheint ein wichtiger und illegaler Teil der SAP-Wettbewerbsstrategie gegen Oracle zu sein", heißt es weiter.

"Illegale Bibliothek" in Texas?

Dem deutschen Weltmarktführer bei Unternehmenssoftware wird vorgeworfen, sich systematisch und illegal Zugang zu Online-Seiten von Oracle für die Software-Unterstützung der Kunden verschafft zu haben. Dafür seien die Kennungen und Passwörter von Oracle benutzt worden. Oracle habe das Herunterladen von mehr als 10.000 nicht autorisierten Downloads auf Computer im Hauptquartier von TomorrowNow in Texas zurückverfolgt - einem Unternehmen, das SAP 2005 übernommen hatte.

"Im Ergebnis hat SAP eine illegale Bibliothek von Oracles urheberrechtlich geschütztem Software-Code und anderem Material gesammelt", heißt es in der Klageschrift. Durch die gestohlenen Programme könne SAP Kunden, die Oracle-Programme nutzten, preiswertere Dienstleistungen zur Unterstüzung anbieten. Damit verschaffe sich SAP einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

Gegen SAP-Verhaltenskodex?

Das Walldorfer DAX-Unternehmen SAP hat sich bislang nur indirekt gegen den Vorwurf des Datenklaus gewehrt: "Es macht für uns wenig Sinn, Software von anderen herunterzuladen und zu kopieren", sagte SAP-Mitteleuropachef Michael Kleinemeier am Freitag im Vorfeld der Eröffnung der neuen Deutschlandzentrale in Walldorf. "Unser Code of Conduct sieht vor, dass so etwas nicht passiert."

Auch ein Börsenhändler nannte die Vorwürfe "abstrus". Oracle scheine zu versuchen, Marktanteile zurückzugewinnen, in dem die Reputation von SAP angekratzt werde. Die SAP-Aktie fiel am Freitag um 1,4 Prozent und gehörte damit zu den größten Verlierern im DAX.

Umkämpfter Markt für Unternehmenssoftware

Der passionierte Hochseesegler und Oracle-Chef Larry Ellison liefert sich mit SAP seit Jahren einen erbitterten Wettbewerb. "Wir haben eine gute Chance, im Anwendungsgeschäft SAP abzufangen und zu überholen", hatte er noch vor kurzem erklärt.

Weltweit rangelt nur eine Handvoll Unternehmen um die größten Anteile im Segment Unternehmenssoftware. Das sind neben dem Walldorfer Weltmarktführer SAP der US-Konzern Oracle sowie der weltgrößte Computerkonzern IBM und Microsoft als die Nummer eins unter den Softwareherstellern.

An der Spitze im Business-Software-Markt stehen SAP und Oracle. Das DAX-Unternehmen hat sich dabei auf standardisierte Softwarelösungen spezialisiert, die in ihren neuen Versionen beliebig erweitert und auf die unterschiedlichen Branchen zugeschnitten werden können. Der US-Konzern Oracle verdient sein Geld dagegen vor allem mit Datenbanken.

Oracle liebt die Auseinandersetzung

Oracle-Chef Larry Ellison ist für seinen Siegeswillen bekannt (Archivbild)

Oracle-Chef Larry Ellison ist für seinen Siegeswillen bekannt (Archivbild)

Nach Angaben eines SAP-Sprechers ist die Klage von Oracle die erste juristische Auseinandersetzung zwischen den beiden Softwarehäusern. Andere Klagen gegen SAP gebe es nicht. Der leidenschaftliche Hochsee-Segler Ellison ist aber bekannt dafür, weder auf See noch vor Gericht die Auseinandersetzung zu scheuen. Auch bei der Übernahme der Softwarehäuser PeopleSoft und J. D. Edwards wurden juristische Geschütze aufgefahren.

Ohne Anwälte, aber dafür mit viel Emotionen ging es auch schon beim Segeln zwischen SAP und Oracle zu. Als bei einer Regatta vor der Küste Hawaiis bei der Yacht von Ex-SAP-Chef Hasso Plattner der Mast brach, soll sich das Team von Ellison geweigert haben, dem Deutschen zu helfen. Plattner soll daraufhin der Crew des anderen Schiffs seinen nackten Hintern gezeigt haben. (ana)

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