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Afrika

US-Sicherheitsexperte: "Unser Fokus liegt auf technischer Unterstützung"

Nigeria hat um internationale Hilfe gebeten, um die von Boko Haram entführten Schülerinnen zu befreien. Wie der Hilfseinsatz der USA aussieht, berichtet Sicherheitsexperte Rudy deLeon.

Deutsche Welle: Herr deLeon, was wissen Sie über das Team, das die US-Regierung zur Rettung der entführten Mädchen nach Nigeria schickt?

Rudy deLeon: Details sind noch nicht bekannt. Aber wenn es so abläuft wie immer in solchen Situationen, wird sich das Team eher mit Strafverfolgungs- und Kommunikationsaufgaben beschäftigen. Möglicherweise fliegen einige Militärberater mit, um die nigerianischen Soldaten zu unterstützen. Im Großen und Ganzen geht es aber eher um Strafverfolgung als um eine militärische Aktion.

US-Präsident Obama sprach - Sie erwähnten es bereits - über Mitarbeiter von Militär-und Strafverfolgungsbehörden, die zur so genannten koordinierenden Zelle gehören. Was genau wird die Aufgabe des Teams sein?

Rudi deLeon vom Center for American Progress in Washington (Foto: Center for American Progress)

Sicherheitsexperte Rudy deLeon

Ich denke, zunächst geht es um technische Unterstützung im Land, hauptsächlich in Sachen Kommunikationstechnologie. Damit könnten die Nigerianer bessere Informationsnetzwerke aufbauen, die dabei helfen, den Entführern auf die Spur zu kommen.

Und wie sieht es mit Kapazitäten aus, um mit Kriminellen wie den Mitgliedern der Boko Haram zu verhandeln?

Einige Mitarbeiter des Strafverfolgungsteams sind sehr versiert in dieser ARt von Verhandlungen. Sie sind darin trainiert, einen kühlen Kopf zu bewahren und den Dialog am Laufen zu halten, damit die jungen Frauen friedlich an ihre Familien zurückgegeben werden könnten. Das ist eine Fähigkeit, die viel Übung erfordert. Aber diejenigen, die so etwas von Berufs wegen machen, wissen, wie wichtig das ist.

Sind Ihnen Pläne der Regierung bekannt, US-Truppen nach Nigeria zu schicken?

Die übliche Praxis wäre, dass auch einige technische Berater von militärischer Seite mitfliegen. Ich denke, am besten wäre eine lokale Militärmission. Das bedeutet, dass äußere Interessen keine direkte Rolle spielen.

Würden Sie das empfehlen?

In einer Krise wie dieser wollen wir sicherstellen, dass die nötige technische Unterstützung vorhanden ist. Das ist angemessen. Das ist eine große humanitäre Mission, die nicht nur für die Sicherheit der jungen Frauen und ihre Familien entscheidend ist. Es geht im Kern auch darum, dass das Land gewährleisten kann, dass seine Kinder jeden Tag sicher zur Schule gehen können. Die Amerikaner sind in der Lage, technische Unterstützung im Bereich der Strafverfolgung und im humanitären Bereich zu leisten - das ist eine wichtige Geste amerikanischer Hilfe.

Die Initiative kommt nun einige Wochen nach der Entführung der Mädchen. Warum haben die US-Verantwortlichen gezögert?

Ich denke nicht, dass sie gezögert haben. Als der Antrag gestellt wurde, haben sich die Amerikaner schnell in Bewegung gesetzt. Vermutlich dachten die Nigerianer zunächst, dass sie allein mit den Problemen fertig werden können. Erst als es eskalierte, baten sie um Hilfe von außen.

Es ist noch unklar, ob zivile oder militärische nigerianische Beamte mit dem Team zusammenarbeiten werden. Wie schätzen Sie das ein?

Ich glaube, dass eine gute Koordination zwischen der dortigen Regierung und den Amerikanern, die ins Land kommen werden, nötig ist. Das war auch in anderen Ländern so, in denen diese Art von Hilfe angeboten wurde.

Auf dem Capitol Hill unterzeichneten alle 20 Frauen unter den US-Senatoren einen Brief an Obama, verurteilten die Entführung und pochten darauf, UN-Sanktionen gegen Boko Haram zu fordern. Glauben Sie, dass der Präsident diesen Vorstößen folgen wird?

Zunächst sollte man alles tun, um diese jungen Menschen zu finden und zu befreien, damit sie zu ihren Familien zurückkehren können. Das sollte jetzt im Fokus stehen. Auf längere Sicht sind viele weitere Schritte nötig. Aber kurzfristig geht es um die Sicherheit dieser Kinder.

Die Vereinigten Staaten haben Boko Haram als terroristische Gruppe bezeichnet. Können Sie darauf näher eingehen?

Im Vergleich mit anderen islamischen Organisationen stehen sie sicherlich auf der radikalen Seite, sind sicherlich keine friedliche Organisation. Was bei den meisten der radikalen Gruppen zu beobachten ist: der Fokus darauf, Kindern und vor allem jungen Mädchen keinen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Wir hatten diese Situation in Pakistan und Afghanistan und wir haben sie jetzt in Afrika. Das steht im Gegensatz zu all den positiven Entwicklungen hin zu besserer Gesundheit, besserer Bildung und besserer Ernährung. Es ist wichtig für junge Menschen auf der ganzen Welt, dass Mädchen die gleichen Chancen haben wie Jungen.

Sehen Sie die Unterstützung für Nigeria als Teil eines umfassenderen US-Engagements in Afrika?

Ich glaube, die Vereinigten Staaten sind daran interessiert, dass Afrika den Weg der wirtschaftlichen Entwicklung und Modernisierung in Bezug auf Schulen, das Gesundheits- und Transportsystem weitergeht. Die Region wird sehr wichtig sein, auch in Bezug auf die wirtschaftlichen Interessen von Europa und Asien. Es ist wichtig, dass es in Zukunft politische Maßnahmen gibt, um einen erfolgreichen wirtschaftlichen Aufstieg von Nigeria und anderen afrikanischen Ländern zu gewährleisten.

Rudy deLeon ist Vize-Präsident im Bereich nationale Sicherheit und internationale Politik am Center for American Progress in Washington.

Das Interview führte Gero Schließ.

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