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Wirtschaft

US-Rentensystem in der Krise

Dem amerikanischen Rentensystem droht der Kollaps. Konkursverfahren von Airlines, Autozulieferern und in der Stahlindustrie haben die Situation dramatisch verschärft - und weitere Insolvenzen könnten folgen.

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Schlechte Nachrichten für amerikanische Rentner


"Stewardesses stripped (off their pension)" - für den Kalender mit dem doppeldeutigen Titel haben Connie Baker und ihre Kolleginnen von United Airlines die Hüllen fallen, um so auf die Krise im US-Pensionssystem aufmerksam machen. Baker erzählt: "Der Film 'Calender girls' hat mich auf die Idee gebracht. Mein Mann fand die Idee gut, er hat dann auch die Fotos gemacht. Und auch die Mädels waren Feuer und Flamme." Bereits seit zwei Jahren fliegt United unter Gläubigerschutz, und hat seit diesem Herbst sämtliche Pensionsverpflichtungen an den staatlichen Sicherungsfonds, kurz PBGC, abgewälzt.

Rente um die Hälfte gekürzt

Der PBGC hat auch die Rentenansprüche von Leroy übernommen. Der heutige Rentner hatte 42 Jahre für Bethlehem Steel in Baltimore gearbeitet. Doch mit der Krise der Stahlindustrie meldete Bethlehem Konkurs an. "Ich bin ein Opfer des Bankrotts geworden", sagt Leroy heute. Denn der staatliche Fonds zahlt nur etwa die Hälfte von Leroys ursprünglich zugesicherter Betriebsrente. Die Situation könnte sich angesichts der Krise in der amerikanischen Autoindustrie verschärfen: Sollten weitere Insolvenzen etwa von GM folgen, dann droht der Kollaps. "Ich frage mich täglich, ob ich schon morgen unter einer Brücke landen könnte", sagt Leroy.

Bis in die späten 80er Jahre war es Teil des amerikanischen Traums, einen Job bei einem der US-Schwergewichte wie GM, Ford, General Electric oder IBM zu haben. Denn zu der Arbeitsstelle gehörte in der Regel auch die Zusage, langjährigen Mitarbeitern eine lebenslange Rente und Krankenversicherung zu zahlen. "Mittlerweile müssen die großen Konzerne feststellen, dass sie ihre Versprechen nicht ausreichend finanziell abgesichert haben", sagt Olivia Mitchell, Altersvorsorgeexpertin an der Wharton Business School.

Börsencrash als Rentenvernichter

Und dem Fonds, der einspringen könnte, droht schon in knapp 20 Jahren die Zahlungsunfähigkeit. Ähnlich wie in Deutschland geht der Trend in den USA dahin, immer mehr Verantwortung auf den einzelnen Bürger abzuwälzen. So propagiert der amerikanische Präsident die "Ownership Society" - die Eigentümergesellschaft -, in der der Einzelne selbst sein ökonomisches Schicksal in die Hände nehmen soll. Doch stärkere Privatisierung ist kein Allheilmittel, sagt Karen Friedman vom Pension Rights Center, einem Interessensverband für Arbeitnehmer: "Letztlich wird das nicht funktionieren. Letztlich ist der Staat hier in der Pflicht".

Private Rentensparpläne, die nach der entsprechenden Steuervorschrift "401 k-Pläne" genannt werden, und in die Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam einzahlen, gelten in den USA derzeit noch als beste Lösung. Doch auch hier drohen Gefahren. Die Sparpläne sind zum großen Teil in Aktien investiert. Und mit einem Börsencrash wie etwa Ende der 90er Jahre droht gleichzeitig die Altervorsorge zu platzen. Das Patentrezept haben auch die Amerikaner noch nicht gefunden. Der Rat von Altersvorsorgeexpertin Mitchell klingt fast zynisch: "Am besten länger arbeiten, mehr sparen, nicht älter werden und am besten gar nicht in Ruhestand gehen."

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