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Nahost

US-Regierung zeigt Leichen-Fotos

Die US-Regierung hat Fotos der Leichen von Udai und Kusai Hussein veröffentlicht. Auf den Bildern, die der US-Fernsehsender CNN zuerst zeigte, sind die blutverschmierten Köpfe der beiden zu sehen.

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Die Hussein-Söhne als Spielkarte: Jetzt zeigte die US-Regierung Leichen-Fotos der beiden.

Das Pentagon hat am Donnerstag (24.7.2003) Fotos von den Leichen der Saddam-Söhne Udai und Kusai veröffentlicht. Auf einem Bild, das offenbar den 39-jährigen Udai zeigt, ist der durch zahlreiche Verletzungen entstellte Kopf eines Mannes zu sehen. Er hat einen dicken Vollbart und eine Glatze. Von der Nase verläuft eine dicke Wunde über das linke Auge. Auf einem zweiten Bild ist wahrscheinlich der zwei Jahre jüngere Kusai zu sehen. Der Kopf liegt auf einem blutigen weißen Tuch, eine Wunde ist jedoch nicht zu erkennen. Beide Leichen haben einen nackten Oberkörper. Die Söhne Saddams waren am Dienstag bei einer US-Militäraktion im nordirakischen Mossul getötet worden.

US-Militär hat keine Zweifel

Udai und Kusai Hussein

Udai und Kusai Hussein

Für das US-Militär steht unterdessen außer Frage, dass es sich bei den Getöteten auch tatsächlich um die Hussein-Söhne handelt. "Die Identifikation erfolgte auf mehreren Wegen", erklärte General Ricardo Sanchez, der Befehlshaber der US-Truppen im Irak. Vier frühere Regimegrößen, die sich in US-Gewahrsam befinden, darunter Saddams früherer Privatsekretär Abid Hamid el Tikriti, hätten die Identität unabhängig voneinander bestätigt.

Zusammen mit den Fotos der Getöteten verbreitete die US-Armee Aufnahmen, die zu Lebzeiten der beiden gemacht wurden. Auch Röntgenbilder sollen belegen, dass es sich bei den Toten um die Söhne von Saddam Hussein handelt. Die Aufnahmen von Udai Hussein hätten genau jene bleibenden Schäden aufgezeigt, die von einem Attentatsversuch aus dem Jahr 1996 herrührten. Außerdem hätten Gebissanalysen bei Kusai Hussein eine Übereinstimmung von 100, bei Udai von 90 Prozent ergeben.

"Starke Beweise"

Schon am Mittwoch hatte in Washington US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die Veröffentlichung der Bilder angekündigt. Zuvor hatte ein Mitarbeiter des US-Außenministeriums gesagt, die Fotos seien "zweifellos schrecklich". Dennoch hielt man diesen umstrittenen Schritt für notwendig, um alle Iraker vom Tod der beiden Hussein-Söhne zu überzeugen. "Wir werden letztlich sicherstellen, dass das irakische Volk uns glaubt", hatte der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz auf einer Pressekonferenz gesagt. Er äußerte die Hoffnung, dass Beweise für den Tod der Hussein-Söhne zu einer Verbesserung der Sicherheitslage im Irak führen könnten.

Auch Ahmed Chalabi, Mitglied des irakischen Regierungsrates hielt es für "psychologisch wichtig", dass die irakische Bevölkerung vom Tod der Herrschersöhne überzeugt würde. "Diese Leute hatten eine Aura, dass sie unbesiegbar sind", erklärte Chalabi in New York. Viele Iraker, die jahrzehntelang die Propaganda des gestürzten Systems gewöhnt waren, forderten daher starke Beweise dafür, dass Udai und Kusai tot sind.

Umstrittene Überzeugungsarbeit

Dennoch: Trotz der Berichte über den Tod der Söhne werden US-Soldaten Ziel auch weiterhin US-Soldaten zum Ziel von Anschlägen. Drei Soldaten der 101. Luftlande-Division, die am Dienstag an der Militäraktion gegen Kusai und Udai teilgenommen hatten, kamen nach US-Angaben am Donnerstag bei einem Anschlag ums Leben. Sieben weitere Soldaten wurden verletzt. Eine Gruppe Saddam-Getreuer kündigte per Videoband an, Rache für den Tod der Söhne des Ex-Präsidenten nehmen zu wollen.

Völkerrechtsexperten äußerten zudem Zweifel, ob das Vorgehen der US-Regierung menschenrechtlich vertretbar sei. So könnte die Veröffentlichung der Bilder unter anderem gegen die Genfer Konvention und den sich daraus ergebenden Grundsatz der menschenwürdigen Behandlung verstoßen, gab Michael Bothe von der Deutschen Gesellschaft für Völkerrecht zu bedenken. Während des Irak-Feldzugs hatte die US-Regierung sich selbst immer wieder empört gezeigt, wenn Bilder von getöteten oder gefangenen US-Soldaten veröffentlicht wurden.

Kampf bis zum Tod

Die Söhne des gestürzten irakischen Diktators waren nach US-Angaben bei einem Sturmangriff amerikanischer Soldaten auf ein Wohnhaus in Mosul erschossen worden. US-Verteidigungsminister Rumsfeld betonte, Udai und Kusai Hussein hätten sich den US-Soldaten in Mosul auch ergeben können, wenn sie es gewollt hätten.

"Wenn jemand entschlossen ist, bis zum Tode zu kämpfen, dann kann es natürlich sehr gut sein, dass er die Gelegenheit dazu bekommt", sagte er. "Nicht die USA oder die Koalitionstruppen haben das entschieden, sondern es war eine Wahl, die die Leute in diesem Gebäude trafen." (am)

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