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Wirtschaft

US-Regierung will Telekom-Deal stoppen

Der Verkauf von T-Mobile USA an den Konkurrenten AT&T droht zu scheitern: Das US-Justizministerium will die Übernahme stoppen. Der Deutschen Telekom könnten dadurch etliche Milliarden Dollar durch die Lappen gehen.

Rote Ampel vor der Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn (Foto: AP)

Scheitert der Milliarden-Deal?

Es geht um eine gewaltige Summe: 39 Milliarden US-Dollar soll die Übernahme in die Kasse der Deutschen Telekom spülen, umgerechnet rund 27 Milliarden Euro. Den größten Teil soll der Bonner Konzern in Bargeld erhalten, den Rest zahlt AT&T mit eigenen Aktien. So ist es zumindest seit März 2011 vereinbart.

Doch nun macht die US-Regierung den beiden Telefonkonzernen einen Strich durch die Rechnung - sie reichte Klage gegen die Fusion ein. Die Übernahme der Telekom-Tochter T-Mobile USA durch den Konkurrenten AT&T könne dazu führen, dass Millionen Amerikaner künftig weniger Auswahl bei den Handyanbietern hätten und höhere Preise zahlen müssen, sagte US-Vize-Justizminister James Cole am Mittwoch (31.08.2011) zur Begründung.

T-Mobile USA-Filiale (Foto: dapd)

Bleiben die T-Mobile-Logos - oder hängen hier bald welche von AT&T? Eine Filiale von T-Mobile USA am New Yorker Times Square

Weniger Konkurrenz - weniger Service?

Die Rechnung des Ministeriums sieht so aus: Wenn von vier der großen US-Mobilfunker einer wegfällt, gibt es weniger Konkurrenz, die Preise steigen, der Service verschlechtert sich. Außerdem - so die Befürchtung - sinkt der Druck für die verbleibenden Anbieter, ihre Netze auf Vordermann zu bringen. So sieht es auch Sprint, die Nummer vier im US-Handygeschäft. Sprint gilt als größter Verlierer, sollte die Übernahme glücken.

Auf der anderen Seite stehen die Befürworter, darunter eine Reihe namhafter internationaler Konzerne wie Microsoft, Facebook oder Yahoo: Sie erhoffen sich durch den Zusammenschluss genau das Gegenteil - nämlich dass die überlasteten Netze dadurch zügiger ausgebaut werden, so wie es AT&T versprochen hatte.

Schlechte Nachricht - aber "nicht das Aus"

Telekom-Chef Rene Obermann (Archivfoto: dapd)

Muss mit der Klage der US-Regierung leben: Telekom-Chef Rene Obermann

In der Bonner Zentrale der Deutschen Telekom zeigt man sich enttäuscht über das Vorgehen des US-Justizministeriums, gibt sich gleichzeitig aber kämpferisch. "Die Entscheidung des amerikanischen Department of Justice, Rechtsmittel im Rahmen des Genehmigungsprozesses für die Übernahme der T-Mobile USA durch AT&T einzulegen, bedeutet nicht das Aus für die geplante Transaktion", heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Telekom.

Außerdem kündigte der Konzern an, gemeinsam mit AT&T für die geplante Übernahme zu kämpfen, und zwar auch vor Gericht. An der Börse wurde die Telekom bereits abgestraft - die Aktie verlor am Mittwoch knapp acht Prozent an Wert.

Telekom winkt Milliarden-Entschädigung

Ob die Übernahme am Ende vielleicht doch noch genehmigt wird, ist offen. Einerseits muss das Justizministerium zusammen mit der Regulierungsbehörde FCC gemeinsam grünes Licht für den Deal geben - und bisher hat die Behörde nach eigener Auskunft noch nie eine bedeutende Fusion genehmigt, die vom Justizministerium angefochten wurde.

Andererseits sprechen zumindest einzelne Banken-Vertreter von einem "normalen Ritual bei Wettbewerbsverfahren in den USA". Bis zur endgültigen Entscheidung wird noch einige Zeit vergehen - sie wird für die erste Jahreshälfte 2012 erwartet. Wenn die Fusion tatsächlich platzt, muss AT&T den Bonner Konzern mit sechs Milliarden Dollar entschädigen - die Hälfte in bar, den Rest in Sachleistungen - etwa Funk-Frequenzen. Ganz leer geht die Deutsche Telekom also selbst in diesem Fall nicht aus.

Autor: Frank Wörner (dpa, rtr)
Redaktion: Walter Lausch

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