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Wirtschaft

US-Regierung will Bankenkrise mit mehr Staatshilfen lösen

Angesichts immer größerer Turbulenzen an den Finanzmärkten arbeitet die US-Regierung an einem Gesamtplan, um die Bankenkrise zu überwinden. Börsen sollen stärker reguliert werden.

Finanzminister Henry Paulson vor US-Fahne (AP Photos/Susan Walsh)

Finanzminister Henry Paulson plant mehr staatliche Stütze für angeschlagene Banken

Nach einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush informierten Finanzminister Henry Paulson und der Chef der Notenbank Fed, Ben Bernanke, am Donnerstag (18.09.2008) führende Politiker des Kongresses darüber, wie die Regierung die Bankenkrise bekämpfen will. Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer US-Medien ist die Schaffung einer vom Staat organisierten Gesellschaft geplant, in die die Finanzinstitute ihre faulen Kredite und riskanten Wertpapiere auslagern könnten.

Dies würde die Bilanzen der Banken von Belastungen befreien und ihnen einen normalen Geschäftsbetrieb ermöglichen. Auch wären keine Rettungsaktionen für einzelne Geldhäuser mehr nötig. Die Lösung wäre ähnlich wie beim Vorgehen in der schweren Krise von amerikanischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken in den späten 1980er Jahren.

Unterstützung des Kongresses gefragt

Notenbank-Chef Ben Bernanke (AP Photo/Dennis Cook. File)

Notenbank-Chef Ben Bernanke (Archivfotos)

Die Regierung wolle sich zunächst der Unterstützung des Kongresses versichern, bevor sie das Vorhaben weiterverfolge, hieß es. Bernanke beschrieb die Gespräche im Kongress als sehr positiv. Er freue sich auf eine enge Zusammenarbeit mit den Abgeordneten, um die Finanzkrise zu lösen. Nach ersten Gerüchten über diese Pläne war an der New Yorker Börse der Dow-Jones-Index um fast vier Prozent nach oben geschossen. An der asiatischen Leitbörse in Tokio setzte sich der Kursanstieg fort.

Neue Regeln für die Börse

Die New Yorker Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen des Verdachts illegaler Spekulationsgeschäfte im Zuge der Finanzkrise auf. Geprüft werde, ob Investoren negative Gerüchte über Unternehmen gestreut hätten, um anschließend durch so genannte Leerverkäufe (short-sellings) von fallenden Aktienkursen zu profitieren, teilte ein Sprecher mit. Entsprechende Manipulationen vermutet der Ermittler zuletzt bei den Kursen der Investment-Banken Lehman Brothers, Morgan Stanley und Goldman Sachs, aber auch beim Versicherer AIG.

Unterdessen hat die US-Börsenaufsicht SEC beschlossen, den Missbrauch von Leerverkäufen zu bekämpfen. Diese sind ab Freitag (19.09.2008) bis mindestens zum 2. Oktober untersagt. Notfalls kann das Verbot um zehn Tage verlängert werden. Bei Leerverkäufen veräußern Investoren Aktien, die sie weder besitzen noch ausgeliehen haben. Sie spekulieren dann darauf, dass der Kurs fällt. Auf diese Weise kann sich der Abwärtstrend einer Aktie beschleunigen.

Keine Börsenwetten auf fallende Kurse

Auch die britische Finanzaufsicht FSA sagt den Leerverkäufern den Kampf an. Seit Freitag, 0 Uhr, sind diese auf der Insel vorübergehend verboten. Das Verbot gilt zunächst bis Januar. Auf diese Weise hofft die FSA, die Abwärtsspirale bei den Bankenaktien zu stoppen. Experten vermuten, dass Leerverkäufe ein Grund für den Niedergang der Hypothekenbank Halifax Bank of Scotland (HBOS) waren. Die HBOS wurde am Donnerstag vom Finanzkonzern Lloyds übernommen.

Deutschland will beim Verbot von Leerverkäufen nicht mitziehen. Ein entsprechendes Verbot sei nicht geplant, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Freitag in Berlin. Die Verbote in den USA und Großbritannien richteten sich gegen ganz bestimmte Formen von Leerverkäufen, die in Deutschland ohnehin nicht erlaubt seien.

Moskauer Börse erholt sich

In Moskau ist die Börse am Freitag nach einer zweitägigen Handelspause mit satten Gewinnen gestartet. Schon in den ersten 15 Minuten schoss der Leitindex MICEX um mehr als 18 Prozent in die Höhe. Kurze Zeit später wurde der Handel für eine Stunde ausgesetzt, danach stieg der MICEX auf 23 Prozent. Der Handel war nach dramatischen Verlusten am Mittwoch ausgesetzt worden. Am Donnerstag hatte die Regierung dann eine Finanzspritze von rund 15 Milliarden Euro zur Stabilisierung der Finanzmärkte angekündigt. (hp/det)

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