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US-Regierung gibt Citigroup weitere Milliarden-Spritze

Die US-Regierung eilt der Citigroup wieder zur Hilfe um das Finanzsystem zu retten: Sie steigt mit 20 Milliarden Dollar bei der taumelnden Großbank ein und gewährt eine Bürgschaft von bis zu 306 Milliarden Dollar.

Citigroup-Logo

Rettet sich unter den Schutzschirm: Die in die Krise geratene US-Großbank Citigroup

Die angeschlagene Citigroup erhält wegen akuter Liquiditätsschwierigkeiten abermals staatliche Unterstützung in Milliardenhöhe. Die Regierung übernimmt für 20 Milliarden Dollar weitere Anteile der einst größten Bank der USA - zusätzlich zu den Aktien, die bereits seit einem ersten Rettungsschritt Mitte Oktober im Staatsbesitz sind. Außerdem gibt sie Garantien für faule Kredite von bis zu 306 Milliarden Dollar. Präsident George W. Bush erklärte dies am Montag (24.11.2008) für notwendig, um das Finanzsystem in seiner Gesamtheit zu retten.

Die US-Regierung hat dem krisengeschüttelten Finanzsektor insgesamt 700 Milliarden Dollar bereitgestellt. Die Hälfte davon sollte eigentlich der künftigen Regierung von Barack Obama überlassen werden, damit sie nach eigenen Schwerpunkten über die Verteilung verfügen kann. Angesichts der neuerlichen hohen Aufwendungen für die Citigroup sei jedoch infrage gestellt, ob 350 Milliarden Dollar übrigbleiben würden, wie der stellvertretende Pressesprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto, mitteilte. Bush erklärte, es könnte bis zur Amtsübergabe am 20. Januar noch weitere große Rettungsaktionen geben, wenn dies akut notwendig werden sollte.

Massiver Wertverlust der Citigroup-Aktie zwang zum Handeln

Die Regierung übernahm bereits für 25 Milliarden Dollar Aktien der Citigroup, zwei Mal musste auch schon der Versicherungsriese AIG mit Staatsgeldern gestützt werden. Vor der dramatischen Verschärfung der Finanzkrise im Zuge der Lehman-Pleite waren zudem die Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac verstaatlicht worden. Die Citigroup-Aktie hatte innerhalb einer Woche 60 Prozent ihres Werts verloren und war am Freitag unter vier Dollar gerutscht. Gerüchte machten die Runde, das Institut wolle sich selbst zum Verkauf anbieten. Vor einer Woche hatte die Bank nach vier Verlustquartalen in Folge den Abbau von 53.000 Arbeitsplätzen bekanntgegeben.

Entscheidung fiel nach Marathonverhandlungen

Die Hilfsaktion vereinbarten US-Finanzminister Henry Paulson und Notenbankpräsident Ben Bernanke in Marathonverhandlungen übers Wochenende, an denen auch der Präsident der Zentralbank von New York, Timothy Geithner, teilnahm. Geithner wird Finanzminister in der Regierung des gewählten US-Präsidenten Barack Obama.

Die Staatshilfe ist mit einer Anzahl von Auflagen verbunden. Die vierteljährlich gezahlte Dividende darf für die nächsten drei Jahre 1 Cent pro Aktie nicht übersteigen. Außerdem werden die Einkommen der Bankmanager einschließlich ihrer Boni begrenzt. Die US-Regierung gab der Citigroup zudem auf, in die Klemme geratenen Hausbesitzern zu helfen. Damit sollen Zwangsversteigerungen verhindert werden.

Bernanke gibt Fehler im Umgang mit Krise zu

US-Notenbankchef Bernake (Foto: AP)

Zeigt sich reumütig: Notenbankchef Ben Bernanke

US-Notenbankpräsident Ben Bernanke räumte derweil ein, er habe die Auswirkungen der Hypothekenkrise auf die Finanzmärkte unterschätzt. In einem Beitrag für das Magazin "New Yorker" schrieb Bernanke: "Ich und andere lagen mit der anfänglichen Einschätzung falsch, dass die Finanz-Krise begrenzt werden könnte." Der ursächliche Zusammenhang zwischen der Immobilienkrise und dem umfassenden Finanzsystem sei sehr komplex und schwer vorherzusagen. Ausgangspunkt der aktuellen weltweiten Finanzkrise waren geplatzte Hypothekenkredite in den USA. Dort waren jahrelang dort Hypothekenkredite an Bauherren mit geringer Kreditwürdigkeit vergeben worden, sogenannte Subprime-Kredite. Diese Darlehen wurden oft von Kreditgebern in hoch-komplexen Finanzpaketen gebündelt und weiter verkauft.

Obwohl diese Subprimes von vielen Ratingagenturen lange Höchstnoten bekamen, entpuppten sie sich im Verlauf der Krise als minderwertig bis wertlos. Ab 2007 häuften sich Zahlungsausfälle - denn die US-Zinsen stiegen, aber die Immobilienpreise sanken. Baufinanzierer und Banken geraten in Turbulenzen. Daraus folgt eine Vertrauenskrise unter Banken, die sich gegenseitig kein Geld mehr leihen - mit verheerenden Folgen für das gesamte Finanzmarktsystem. (hp/mm)

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