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Wirtschaft

US-Regierung übernimmt Kontrolle über Baufinanzierer

Die strauchelnden Hypothekengeber Fannie Mae und Freddie Mac werden bis auf weiteres von einem staatlich eingesetzten Verwalter übernommen.

Bis auf weiteres nicht mehr eigenständig: Fannie Mae und Freddie Mac (ap)

Bis auf weiteres nicht mehr eigenständig: Fannie Mae und Freddie Mac

Die zuständige Aufsichtsbehörde FHFA (Federal Housing Finance Agency) teilte am Sonntag (07.09.2008) mit, sie werde die beiden Konzerne bis zu deren Stabilisierung führen. Nach Aussage des Finanzausschuss-Vorsitzenden im Repräsentantenhaus, Barney Frank, soll dies mindestens ein Jahr lang sein. In dieser Zeit solle überlegt werden, ob die beiden Institute weiter staatlich bleiben oder völlig neu georrnet werden sollen.

Die Chefs beider Unternehmen wurden ausgetauscht. Fannie Mae soll jetzt von Herb Allison, dem früheren Vize-Vorsitzenden von Merrill Lynch geführt werden; Freddie Mac von Davit Moffet, früher Vizechef von US Bancorp.

Finanzminister Henry Paulson sagte, ein Kollaps hätte erhebliche Turbulenzen auf den Finanzmärkten in den USA und weltweit zur Folge gehabt. "Es ist die beste Maßnahme zum Schutz unserer Märkte und der Steuerzahler." Insgesamt werden laut Paulson jetzt pro Unternehmen 100 Milliarden Dollar zur Rettung bereitgestellt.

Sie profitieren von dem Gesetzespaket, das der Senat Ende Juli verabschiedet hatte. Das Finanzministerium kann ins Trudeln geratenen Hypotheken-Unternehmen Kredite gewähren oder Anteile an ihnen übernehmen, um Schaden von ihnen abzuwenden.

Finanzminister Paulson: Kollaps der Finanzmärkte ist abgewendet (ap)

Finanzminister Paulson: Kollaps der Finanzmärkte ist abgewendet

Fannie Mae und Freddy Mac garantieren direkt oder indirekt knapp die Hälfte der privaten amerikanischen Hypotheken im Gesamtwert von zwölf Billionen Dollar. Zweifel an der finanziellen Stabilität der beiden Institute im Zuge der Immobilienkrise hatten ihre Aktienkurse einbrechen lassen. Die beiden Unternehmen verloren rund 90 Prozent ihres Wertes. Die Fannie-Mae-Aktien schlossen am Freitag bei 7,04 Dollar (im Oktober 2007 warem sie noch rund 69 Dollar wert), die von Fredie Mac bei 5,10 Dollar (rund 64 Dollar im Oktober 2007).

Die Namen der Institute, die eigentlich Assoziationen zum Kino aufkommen lassen, gehen auf Abkürzungen ihrer eigentlichen Bezeichnungen zurück: Fannie Mae steht für Federal National Mortgage Association (FNMA), Freddie Mac steht für Federal Home Loan Mortgage Corporation (FHLMC).

Opfer der Immobilienkrise

Beide Unternehmen sind wie viele andere in den USA auch Opfer der Finanzkrise. Durch den Abschwung auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt sind mittlerweile auch viele Hauseigentümer in Zahlungsschwierigkeiten, die ursprünglich noch über ausreichend Finanzmittel verfügten. Nach einem Branchenbericht können derzeit mehr als vier Millionen Hausbesitzer ihren Hypothekenzahlungen nicht nachkommen - eine Rekordmarke von neun Prozent.

Branchenbericht: Vier Millionen US-Hausbesitzer können Kredite nicht mehr zahlen: Haus mit Verkaufsschild (ap)

Branchenbericht: Vier Millionen US-Hausbesitzer können Kredite nicht mehr zahlen

Fannie und Freddie mussten deshalb hohe Abschreibungen auf ihre Hypothekenbestände vornehmen und für übernommene Garantien einstehen. Dadurch schrumpfte die ohnehin vergleichweise geringe Kapitaldecke.

Positive Reaktionen

In Washington herrschte große Einigkeit, dass beiden Firmen geholfen werden müsse. Auch die beiden Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain hatten zugestimmt - acht Wochen vor der Wahl sollen die Wähler nicht verprellt werden.

Obama sagte, eine staatliche Übernahme sei notwendig, um eine weitere Abschwächung des Immobilienmarktes zu verhindern. Die republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin kündigte an, bei einem Wahlsieg ihrer Partei sollten die beiden Banken kleiner und effizienter aufgestellt werden.

Notenbankchef Ben Bernanke sagte, er unterstütze die Entscheidung der Aufsichtsbehörde. Damit werde der US-Immobilienmarkt gestärkt und die Stabilität der Finanzmärkte sichergestellt. Den Steuerzahler könnte die staatliche Rettungsaktion nach Schätzungen der Haushaltsbehörde des Kongresses etwa 25 Milliarden Dollar kosten. (hy)

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