US-Präsident Donald Trump ruft Türkei zur Zurückhaltung in Syrien-Offensive auf | Aktuell Europa | DW | 24.01.2018
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"Operation Olivenzweig"

US-Präsident Donald Trump ruft Türkei zur Zurückhaltung in Syrien-Offensive auf

Es dürfe bei der türkischen Syrien-Offensive keinen Konflikt mit US-Soldaten geben, sagt US-Präsident Trump. Der türkische Präsident Erdogan droht derweil mit einer Ausweitung der Operation.

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Erdogan will Offensive ausweiten

In einem Telefonat hat US-Präsident Donald Trump den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan aufgefordert, den Militäreinsatz in der nordsyrischen Region Afrin zurückzufahren. Trump drängte seinen Amtskollegen, die Türkei solle "deeskalierend" vorgehen und ihre Militäroperationen begrenzen. Das teilte das Weiße Haus mit. Ziel der türkischen Regierung müsse sein, darauf hinzuwirken, dass zivile Opfer vermieden würden und die Zahl der Flüchtlinge nicht ansteige.

Trump verlangte den Angaben Präsidialamts zufolge auch, dass die Türkei jegliche Aktion unterlassen müsse, die "eine Konfrontation zwischen türkischen und amerikanischen Soldaten provozieren" könne. Die USA und die Türkei sollten sich auf das gemeinsame Ziel konzentrieren, die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) dauerhaft zu besiegen. Die zunehmende Gewalt untergrabe gemeinsame Ziele.

Spannung zwischen Washington und Ankara 

Für das Verhältnis zwischen Ankara und Washington ist der Militäreinsatz in Nordsyrien hoch brisant. Die Operation namens "Olivenzweig" richtet sich gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die Ankara als syrischen Zweig der in der Türkei verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und damit als Terrororganisation betrachtet. Allerdings arbeitet die YPG  mit der US-geführten Koalition gegen den IS zusammen und wurde von den USA mit Waffen ausgerüstet - gegen den erbitterten Widerstand Ankaras.

Türkei Präsident Tayyip Erdogan in Ankara (Foto: Reuters/Presidential Palace/M. Cetinmuhurdar)

Erdogan: "Wir werden dieses Spiel entlang unserer Grenze zunichte machen"

Erdogan selbst forderte nach Mitteilung seines Amtes von den USA, Waffenlieferungen an die Kurdenmiliz einzustellen. Der Militäreinsatz richte sich gegen "terroristische Elemente" und werde zur Vernichtung aller "Terroristen" womöglich auch auf die Region Manbidsch ausgeweitet. "So Gott will, werden wir, angefangen mit Manbidsch, dieses Spiel entlang unserer Grenzen zunichte machen und unsere Region von diesem Unheil vollständig säubern", sagte Erdogan. Manbidsch liegt östlich von Afrin. Anders als in Afrin ist dort US-Militärpersonal stationiert.

"Wir werden es dort lebenswerter machen"

Erdogan sagte in Ankara: "Zuerst werden wir die Terroristen ausrotten, dann werden wir es dort lebenswert machen." Die "Operation Olivenzweig" verlaufe erfolgreich. Die türkischen Streitkräfte und die mit ihnen verbündete Freie Syrische Armee (FSA) brächten Afrin "Schritt für Schritt" unter ihre Kontrolle. Erdogan fügte hinzu, die türkische Armee und die FSA hätten insgesamt "sieben bis acht Märtyrer" zu beklagen. Insgesamt seien nach Armeeangaben mindestens 260 gegnerische Kämpfer "neutralisiert" worden.

Türkei Raketenangriff in Kilis - Grenze zu Syrien (picture-alliance/ZUMAPRESS.com/M. Alkac)

Sicherheitskräfte riegeln das Gebiet um eine Moschee in Kilis nach dem Raketeneinschlag ab

Derweil sind in der südtürkischen Stadt Kilis zwei Raketen eingeschlagen, die aus der Region Afrin abgeschossen wurden. Dadurch starben zwei Menschen. Die erste Rakete traf in Kilis eine Moschee im Stadtzentrum. Laut dem Gouverneur schlug wenig später eine zweite Rakete hundert Meter entfernt in einem Haus ein. Das Gouverneursbüro machte die YPG für den Raketenbeschuss verantwortlich.

Friedensgespräche an "sehr kritischem Punkt"

In Syrien wütet seit März 2011 ein Bürgerkrieg. Dort kämpfen Regierungstruppen von Machthaber Baschar al-Assad gegen Rebellen und bewaffnete Islamisten. Eine von den USA geführte Koalition unterstützt gemäßigte Kräfte im Kampf gegen den IS. Russland hatte auf Bitten Assads im September 2015 militärisch in den Konflikt eingegriffen. Die Region Afrin wird von der Kurdenmiliz kontrolliert und galt als stabil.

Für Donnerstag ist eine neue Gesprächsrunde der Syrien-Friedensgespräche unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen geplant. Nach Ansicht des UN-Sondergesandten für Syrien, Staffan de Mistura, findet diese zu einem "sehr, sehr kritischen Zeitpunkt" statt, dennoch sei er zuversichtlich. An den für zwei Tage angesetzten Gesprächen nähmen eine vollständige Delegation der Opposition und eine vollständige Delegation der Regierung teil, kündigte de Mistura an. "Ich bin definitiv optimistisch", sagte er vor Journalisten weiter, "weil das in solchen Momenten die einzige Möglichkeit ist".

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian sprach in Paris indes von der "letzten Hoffnung" für eine politische Lösung in Syrien. Bei seiner Rede im französischen Parlament wies er außerdem auf die Verschlechterung der humanitären Lage in Afrin, Idlib und Ost-Ghuta hin. Nach der Gesprächsrunde in Wien ist für den 29. und 30. Januar eine weitere Syrien-Konferenz im russischen Sotschi vorgesehen. Russland ist ein enger Verbündeter von Assad.

sam/stu (AFP, dpa, rtr)

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