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Amerika

US-Pensionäre spüren die Krise

In den USA erleben viele Menschen, die kurz vor ihrer Pensionierung stehen, dass sie den Gürtel erheblich enger schnallen müssen. Besonders die, die bei ihrer Altersvorsorge auf Aktien und immobilien gesetzt haben.

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Catherine McCulloch

Die Amerikaner sind schuld an der weltweiten Finanzkrise – so die gängige Ansicht – weil sie ihre Kreditkarten überzogen und zu teure Häuser gekauft haben. Also geschieht es ihnen ganz recht, wenn sie jetzt den Gürtel enger schnallen müssen. Das ist schnell dahin gesagt, aber man übersieht dabei, dass auch in den USA Menschen unter der Krise leiden, die eigentlich alles richtig gemacht haben. Wie Catherine McCulloch in Washington. Sie war ihr ganzes Leben lang selbständig und hat nie in eine betriebliche Altersvorsorge eingezahlt. Stattdessen setzte sie auf Wertpapiere und Immobilien als Kapitalanlage fürs Alter. Heute fühlt sich die 62jährige als Verliererin der Wirtschafts- und Finanzkrise in den USA: "Ich habe immer meine Krankenversicherungsbeiträge selbst gezahlt. Alles, was ich für meine Altersversorgung hatte, war das Geld, das ich mein ganzes Leben lang monatlich beiseite gelegt habe. Ich habe gedacht, wenn ich das Geld konservativ anlege, kann ich im Alter bequem davon leben. Nicht luxuriös, aber bequem."

Unruhiger Lebensabend

Catherine McCulloch

Welche Versicherung kann eingespart werden?

Vor anderthalb Jahren ist Catherine McCulloch von Kalifornien nach Washington gezogen. Sie wollte einmal in einer großen Stadt leben, sagt sie. Sie kaufte ihr Haus auf der Höhe des Immobilienbooms und betrachtete es als Teil ihrer Altersversorgung. Doch dann erlebte sie im letzten Jahr, wie ihr gesamtes Erspartes inklusive der beiden Häuser innerhalb von vier Monaten die Hälfte an Wert verlor: „Ich habe keine Kreditschulden. Die einzigen Schulden, die ich habe, ist der Kredit für dieses Haus, alles andere ist abbezahlt." Sie habe nie in etwas investiert, wo man ihr zehn Prozent Profit oder mehr versprochen habe. "Ich habe es nicht mal auf acht Prozent geschafft. Meistens hatte ich einen Zinsertrag von fünf oder sechs Prozent." Eine konservative Anlagestrategie, wie von ihren beiden Finanzberatern empfohlen. Catherine McCulloch investierte in mehrere Fonds und verschiedene Aktien. Zwei Häuser kamen dazu, eins in Kalifornien und eins in Washington. Die kaufte sie aber nicht als Spekulationsobjekte, sondern, um darin zu wohnen.

Opfer der Immobilienkrise

Catherine McCulloch und Jim Five vor ihrem Haus in Capitol Hill

McCulloch und Jim Five vor ihrem Haus in Washington, D.C.

Allein der Verlust bei den beiden Immobilien betrage 400.000 Dollar, schätzt Catherine. Finanziell sei sie auf den Stand von 1994 zurückgeworfen worden. Zwölf Jahre hat sie umsonst gespart. Wütend sei sie aber nicht, sagt die zierliche Frau, die über ihre Finanzen ihr ganzes Leben lang immer genau Buch geführt hat. Aber sie fühlt sich sehr verloren. Sie hatte geglaubt alles richtig zu machen. Ihre finanzielle Situation belastet sie sehr: „Ich schlafe kaum noch, stehe enorm unter Druck und habe Angst, wenn ich an meine Zukunft denke."

Auf Sparkus

Catherine McCulloch ist verwitwet. Ihre zwei Kinder hätten eigene Sorgen, sagt sie, und auch sonst habe sie keine Verwandten, die ihr aushelfen könnten. Ihr Partner Jim Five bekommt eine eigene Rente von der Regierung, aber die reicht nicht für zwei. Catherine McCulloch hat ihr Leben geändert. Sie hat sich vor kurzem zum Mittagessen ein Sandwich gekauft, das sie nicht so sehr mag, aber es war 50 Cent billiger als das andere. Außerdem hat sie die Zuzahlung ihrer Krankenversicherung erhöht, um die Prämie zu reduzieren. Teile der Autoversicherung wurden gekündigt, fürs Kabelfernsehen ein günstigeres Paket ausgewählt. "Das sind alles nur wenige hundert Dollar, aber ich habe mir gesagt, übers Jahr gesehen sind das zwei oder drei Tausend Dollar, und das ist im Moment eine Menge."

Die Konsequenzen hat sie im Falle iher Krankenversicherung schon zu spüren bekommen. Für eine notwendige Operation musste sie zum ersten Mal die höhere Selbstbeteiligung übernehmen. Je 5000 Dollar für das Krankenhaus und den Arzt. Es sei ihr nichts anderes übrig geblieben, als Aktien dafür zu verkaufen. Sie hofft, dass sie in zehn Jahren wieder auf dem Stand angekommen sein wird, den sie vor der Krise erreicht hatte: „Ich habe schon andere finanzielle Krisen in meinem Leben durchgemacht, aber ich habe noch nie einen so dramatischen Verlust erlebt und ich bin auch nicht mehr in dem Alter, wo man sich von so etwas so schnell erholt."